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Dr. Magnus Weinberg

 
geboren am 13.05.1867 in Schenklengsfeld/Hessen
Straße  Wirsbergstraße 16
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum12.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 12.02.1943 ermordet
   
Dr. Magnus Weinberg war der letzte Rabbiner der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg vor ihrer Auflösung im Jahr 1943. Er übernahm deren geistliche Betreuung nach der Emigration von Rabbiner Siegmund Hanover im März 1939.

Magnus Weinberg wurde im Mai 1867 in Schenklengsfeld geboren. Seine Eltern Hirsch Weinberg (1832-1905) und Rachel geb. Kuh (1829-1879) hatten 1856 geheiratet. Von seinen neun Geschwistern, zwischen 1857 und 1870 auf die Welt gekommen, waren sechs schon im Kindesalter gestorben. Über das Schicksal seiner Brüder Salomon (Jg. 1858) und Julius (Jg. 1862) ist nichts bekannt, nur die Lebensdaten seiner Schwester Zerline verh. Eppstein (1868 -1943) sind überliefert.
Nach dem Tod seiner Mutter heiratete der Vater 1871 eine Schwester der Mutter, Bertha geb. Kuh (1842-1919). Aus dieser Ehe entstammen mindestens sechs Stiefgeschwister von Magnus Weinberg: Rudolf (1873-1941, Leopold (1874-1941), Hermann (1876-1943), Max (1877-1942), Siegfried (1880-1963) und Gitta (1884-1885).

Magnus Weinberg besuchte nach der jüdischen Volksschule in Burglengsfeld das Gymnasium in Fulda und studierte seit 1887 in Berlin gleichzeitig am Rabbinerseminar und an der Universität. 1895 wurde er zum Bezirksrabbiner in Sulzbürg/Oberpfalz berufen und heiratete bald darauf im April 1898 Judith Bamberger (1874-1942), die Tochter des Würzburger Rabiners Nathan Bamberger. In Sulzbürg kamen die fünf Kinder auf die Welt: Rosel(Rosalie) 1899, Seligmann 1900, Meta vermutlich zwischen 1901 und 1907, Harry 1908 und Joseph 1909. Das Rabbinat wurde 1910 nach Neumarkt/Oberpfalz verlegt, wo Weinberg bis 1931 amtierte. Danach war er Bezirksrabbiner für die Oberpfalz und Niederbayern mit Sitz in Regensburg. Nach über 40-jähriger Tätigkeit zog er sich 1936 von seinen Amtsgeschäften zurück und verlegte seinen Wohnsitz nach Würzburg, vielleicht weil seine Frau von hier stammte.

Magnus Weinberg hatte sich durch bedeutende Veröffentlichungen zur jüdischen Geschichte einen Namen weit über seinen Amtsbezirk hinaus gemacht. Erwähnt seien nur seine Studie "Die hebräischen Druckereien in Sulzbach (1669-1851)", seine dreibändige "Geschichte der Juden in der Oberpfalz" und schließlich "Die bayerischen Memorbücher" (4 Bde.), zuletzt verlegt 1937/1938, also während seiner Würzburger Zeit. Memorbücher sind Gedenkbücher für die Toten der Gemeinden, insbesondere auch für die Opfer von Verfolgungen.

Die älteste Tochter Rosel heiratete den Kinderarzt Dr. David Holstein, lebte mit ihm in Köln und hatte vier Kinder. Meta hatte 1928 Willy Strauss aus Geroda geheiratet und war mit ihm nach London emigriert. Seligmann hatte den Beruf des Arztes ergriffen und war mit seiner Frau Käthe geb. Cohn und zwei Kindern rechtzeitig von Bad Nauheim aus in die USA ausgewandert. Die beiden Söhne Harry und Joseph hatten beide in Würzburg studiert und waren Lehrer geworden. Während Harry sich in Sicherheit bringen konnte und später in London lebte, waren Rosel und Joseph in ihren Zufluchtsländern Belgien bzw. Niederlande nicht dauerhaft geschützt.

Rabbiner Weinberg stand in Würzburg seit 1937 unter der Postzensur der Gestapo und wurde von dieser im Dezember 1939 wegen eines "verdächtigen Telefongesprächs" (das tatsächlich theologische Fragen zum Inhalt hatte) vernommen. Er bemühte sich 1940 um die Auswanderung nach Palästina, wurde aber am 23. September 1942 zusammen mit seiner Ehefrau nach Theresienstadt deportiert, wo er ein halbes Jahr später ermordet wurde.

Von seinen Kindern kamen Rosel mit ihrem Ehemann und zwei Söhnen in den letzten Kriegsmonaten in Bergen-Belsen ums Leben. Joseph war bei der Deportation nach Auschwitz 1943 erschossen worden.
Auch von seinen Geschwistern und Stiefgeschwistern wurden viele Opfer der Shoa: Zerline 1943 und Hermann 1942 in Theresienstadt, Max 1942 in Sobibor, Leopold 1941 in Kauen (Kowno). Nur der Stiefbruder Siegfried überlebte in den USA und starb dort 1963 in Chicago.

Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet August 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 16846;
Ernst Gottfried Lowenthal, Bewährung im Untergang. Ein Gedenkbuch, 1986, S. 176;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 659;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/988191 (26.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/35997-magnus-weinberg/ (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1480393&ind=9 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-25.jpg (22.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Judith Weinberg und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
http://www.dutchjewry.org/utrecht/Joods%20Utrecht%201%20punt%202%20van%2... (28.7.2017);
FamilySearch, Informationen zu Seligmann Weinberg, Siegfried Weinberg https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:24G8-B4K : 2 October 2015 ( 28.7.2017);
http://www.alemannia-judaica.de/geroda_synagoge.htm(28.7.2017);
https://www.geni.com/people/Joseph-Holstein/6000000009525572422 (28.7.2017);
http://www.online-ofb.de/famreport.php?ofb=bad_orb&ID=I49876&nachname=WEINBERG&lang=de, (28.7.2017).

Foto: Yad Vashem, Gedenkblatt.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Exzellenz , Bischof von Würzburg, Herr Dr. Friedhelm Hofmann
   
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