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Judith Weinberg, geb. Bamberger

 
geboren am 29.12.1874 in Würzburg
Straße  Wirsbergstraße 16
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum28.12.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 28.12.1942 ermordet
   
Judith Weinberg entstammte einer berühmten Rabbinerfamilie. Sie war eine Tochter von Nathan Bamberger (1842-1919) der von 1878 bis 1919 als Bezirksrabbiner in Würzburg fungierte und eine Enkelin des berühmtesten Würzburger Rabbiners der Neuzeit, Seligmann Bär Bamberger (1807-1878). Ihre Mutter war Hanna geb. Perlstein (1850-1943). Judith hatte insgesamt elf Geschwister, von denen zu Beginn der Nazi-Zeit noch fünf lebten und die Shoa durch Emigration nach Palästina, in die USA oder in die Skandinavischen Länder überlebten: Simon (1871-1961), Betty Wertheimer (Jg.1883), Recha Königshofer (1885-1981), Moses (1886-1962) und Milly Perlstein (1888-1973). Die weiteren sechs Geschwister Herz Naphtali (1872-1902), Fromma (1877-1880), Seligmann Bär (1879-1883), Zerline Schweizer (1880-1913), Kela (1882-1882) Martha (1890-1925) waren schon als Kinder oder im jüngeren Erwachsenenalter gestorben.

Im April 1898 heiratete sie Magnus Weinberg, der lange Zeit in Sulzbürg in der Oberpfalz als Rabbiner tätig war. Sie hatten fünf Kinder, die dort auf die Welt kamen: Rosel (Rosalie) im Januar 1899, Seligmann im April 1900, Meta vermutlich zwischen 1901 und 1907, Harry 1908 und Joseph 1909. Ihr Mit der Verlegung des Distriktsrabbinats 1910 zog die Familie von Sulzbürg nach Neumarkt/Oberpfalz um und 1931 nach Regensburg. Bereits 1935 ging ihr Mann Magnus in Pension und das Ehepaar wohnte ab 1936 dann in Würzburg, im Heimatort Judith Weinbergs. Dort übernahm ihr Mann bald darauf die geistige Betreuung der jüdischen Gemeinde. Als fromme jüdische Frau trat Judith Weinberg in der Öffentlichkeit nicht hervor, deswegen wissen wir nur wenig über sie.

Sohn Seligmann, geb. 1900, hatte in Würzburg das Gymnasium besucht und hier auch einen Teil seines Medizinstudiums absolviert. Harry und Josef wurden nach einem Studium in Würzburg Lehrer. Die Tochter Rosel heiratete den Arzt David Holstein und lebte mit ihm in Köln. Meta war mit dem aus Geroda stammenden Willy Strauss seit 1928 verheiratet.

Als die Bedrohung in Würzburg immer großer wurde, bemühte sich das Ehepaar um die Emigration nach Palästina. Es misslang. Judith Weinberg wurde im September 1942 mit ihrem Ehemann nach Theresienstadt deportiert und starb dort nur drei Monate nach ihrer Ankunft. Ihr Mann starb wenige Monate nach ihr.

Judith Weinbergs Geschwister überstanden die Verfolgungen zumeist in Skandinavien. Auch drei ihrer Kinder gelang es, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen: Sohn Harry lebte nach dem Krieg in England, der Sohn Seligmann (1900-1971) konnte mit Ehefrau Käthe geb. Cohn und zwei Kindern über London in die USA ausreisen und die Tochter Meta emigrierte mit ihrem Mann ebenfalls nach London. Der Sohn Joseph und die Tochter Rosel fanden nur vorübergehend in Belgien bzw. den Niederlanden eine Zuflucht: Joseph Weinberg wurde im April 1943 auf dem Transport nach Auschwitz erschossen und Rosel wurde von Westerbork mit Mann und zwei ihrer Kinder im Januar 1944 nach Bergen-Belsen deportiert, wo sie noch in den letzten Kriegsmonaten zwischen Januar und Mai 1945 ums Leben kamen.

Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet August 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 70, 659;
The Bamberger Family. The Descendants of Rabbi Seligmann Bär Bamberger, the "Würzburger Rav" (1807-1878), Hrsg: The Bamberger Family, 2. Aufl., Jerusalem, 1979;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/988130 (26.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/35988-judith-weinberg/ (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=643704&ind=13 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1229159&ind=15 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-25.jpg (22.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Judith Weinberg und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
http://www.dutchjewry.org/utrecht/Joods%20Utrecht%201%20punt%202%20van%2... (28.7.2017);
FamilySearch, https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:24G8-B4K : 2 October 2015 ( 28.7.2017);
http://www.alemannia-judaica.de/geroda_synagoge.htm(28.7.2017);
https://www.geni.com/people/Joseph-Holstein/6000000009525572422 (28.7.2017);

Foto: Yad Vashem, Gedenkblatt.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Der Kath. Frauenbund (KDFB) Diözesanverband, Frau Judith Weinber
   
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