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Wilhelmine Heumann, geb. Hilbert

   
geboren am 13.12.1915 in unbekannt
Straße  Am Pleidenturm 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.03.1944
Todesdatum00.00.1944
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 23.03.1944 nach Auschwitz, vermutlich dort noch im selben Jahr ermordet
   
Wilhelmine Heumann war die Tochter des Scherenschleifers und Schirmmachers Konrad Hilbert und dessen Frau. Sie lebte auf demselben Stockwerk wie ihre Schwester Elisabeth Winterstein (Jg. 1902), geb. Hilbert, am Pleidenturm 6. Daneben hatte sie zahlreiche weitere Geschwister, beispielsweise Anton (Jg. 1899), der 1939 im KZ Oranienburg ums Leben kam, oder Nikolaus (Jg. 1901), der als Kommunist von den Nazis verfolgt und 1942 in der Tötungsanstalt Schloss Hartheim bei Alkoven in Österreich ermordet wurde. Wilhelmine Heumann und ihre Familie zählten höchstwahrscheinlich zu den Sinti, einer Teilgruppe der Roma, die in Mittel- und Westeuropa ansässig waren. Von den Nationalsozialisten wurden sie als „Zigeuner“ bezeichnet und den Kategorien der „Asozialen“ und „Arbeitsscheuen“ zugerechnet, die in großer Zahl deportiert und ermordet wurden. In der Gestapoakte von Wilhelmines Vater steht die Tochter als „Zigeunermischling“, was in der Nomenklatur der Nazis bedeuten würde, dass sie nicht ausschließlich der Gruppe der Sinti zugehörig gewesen wäre. Unabhängig davon ordnete Heinrich Himmler am 16. Dezember 1942 an, dass alle noch im Reich verbliebenen Sinti und Roma nach Auschwitz deportiert werden sollten.
Wilhelmine Heumann wurde zusammen mit ihren sechs Kindern am 15. März 1944 aus ihrer Wohnung am Pleidenturm 6 abgeholt und gemeinsam mit weiteren, zum Teil aus Heidingsfeld stammenden Angehörigen auf dem Hof des Polizeipräsidiums in der Ottostraße zusammengetrieben. Ihr Ehemann, der Oberpfälzer Schmied Josef Heumann (Jg. 1907), war zu diesem Zeitpunkt bereits seit drei Jahren verstorben.
Vorausgegangen war dieser Aktion ein Befehl aus Berlin, der vom Reichskriminalpolizeiamt (RKPA) erlassen worden war. Darin hieß es unter anderem: „Auf den vom RKPA für die Durchführung der Aktion übersandten Formularen waren die in Frage kommenden Zigeunermischlinge – darunter auch aus Würzburg – bereits namhaft gemacht. Die Vordrucke mussten noch […] ergänzt sowie mit dem Fingerabdruck der betreffenden Person versehen werden.“
Einen Tag später, am 16.3.1944, wurde die achtundzwanzigjährige Wilhelmine mit ihren drei Söhnen und ihren drei Töchtern im Alter zwischen 3 und 9 Jahren sowie einigen weiteren Angehörigen ihrer Familie nach Auschwitz deportiert, wo sie am 23.3.1944 ankamen. Wilhelmine ist dort mit hoher Wahrscheinlichkeit bald nach der Ankunft ermordet worden, ihre Kinder dürften den unmenschlichen Strapazen des „Zigeunerlagers“ in Auschwitz-Birkenau ebenfalls nicht lange standgehalten haben. Vermutlich starben sie kurz nach ihrer Ankunft. Im März 1944 kamen neben der Familie Heumann 108 weitere sogenannte „Zigeuner“ an zwölf verschiedenen Terminen im „Zigeuner-Familienlager“ in Auschwitz-Birkenau an, dreizehn von ihnen mit Wilhelmine und ihren Kindern. Wilhelmines Gefangenennummer lautete Z10052. Anhand dieser Nummer kann man feststellen, dass sie und ihre drei Töchter während der Deportation von den drei Söhnen getrennt wurden.
   
Quelle Hauptbuch des Zigeunerlagers im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau (Frauen), S. 649f., in: Gedenkbuch – Die Sinti und Roma im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, hg. v. Staatliches Museum Auschwitz-Birkenau in Zusammenarbeit mit dem Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma, Heidelberg, München u.a. 1993, Bd. 1, S. 674f.;
Flade, Roland, Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung der Würzburger Sinti-Familie im „Dritten Reich“, Würzburg 2008, S. 135f.;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 1521 (Konrad Hilbert);
Staatsarchiv München, Akten des Spruchkammergerichts, Karton 156, Christian Blüm, Dokumente vom 14.09.1948, 20.01.1949, 24.2.1951;
Holocaust Survivors and Victims Database, https://www.ushmm.org/online/hsv/person_view.php?PersonId=4850718 (07.06.2016).
Autorin / Autor N.N. / Riccardo Altieri
Paten Die Ursulinen-Schule, An die Schulleitung
   
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