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Herbert Lehmann

 
geboren am 22.06.1909 in Dresden
Straße  Margarete-Höppel-Platz 11
Stadtteil
Todesdatum18.08.1943
Todesortbei Würzburg
   
bei einem "Fluchtversuch" am 18.08.1943 bei Würzburg erschossen Ehemals wohnhaft in der Friesstraße. Diese Adresse ist nicht der Verlegeort. Der Stolperstein wurde in der Füchsleinstraße 15 verlegt, wo Herbert Lehmann Zwangsarbeit verrichten musste.
   
Herbert Lehmann war gelernter Schlosser, der wegen Diebstählen und Einbrüchen häufig im Gefängnis bzw. im Zuchthaus gesessen hatte, als er in die Fänge der Nationalsozialisten geriet. Für die war er ein „Berufs- und Gewohnheitsverbrecher" somit eine „asoziale Erscheinung“. Nach Verbüßung seiner Strafen war er seit März 1937 vorbeugend in den Konzentrationslagern Sachsenburg, in Sachsenhausen und in Buchenwald in Haft ohne Aussicht auf Entlassung.
Im April 1939 verlegte man ihn schließlich ins KZ Flossenbürg, das ein Jahr zuvor speziell für „kriminell vorbelastete Häftlinge“ eröffnet worden war. Als solcher kam er ins KZ-Außenlager in Würzburg und wurde im Notgefängnis in der Friesstraße untergebracht. Die Häftlinge dienten der SS als Arbeitskräfte und wurden bei Bauarbeiten zur Erweiterung der Universitäts-Nervenklinik in Würzburg eingesetzt. Zu ihrem Arbeitsplatz in der Füchsleinstraße 15 mussten die Gefangenen einen längeren Weg zu Fuß zurücklegen.
Am 18.8.1943 gelang Herbert Lehmann am frühen Morgen die Flucht. Er entkam durch die Weinberge. Es gelang ihm, unauffällige Kleidung zu besorgen und auf die andere Main-Seite zu wechseln. Noch am selben Tag lief er zwei Gendarmen in die Arme und wurde wieder verhaftet. Er wurde "auf Befehl des SS-Obersturmbannführers Dr. Heyde" von SS-Männern abgeholt und auf der Rückfahrt zwischen Thüngersheim und Veitshöchheim bei einem angeblichen "Fluchtversuch" erschossen.
Herbert Lehmann wurde am 20. August 1943 auf dem Heidingsfelder Friedhof in einem anonymen Grab bestattet.
Heyde war zu diesem Zeitpunkt Ordinarius für Psychiatrie und Neurologie an der Würzburger Nervenklinik und zuvor zuständig für die "Aktion T 4", damit auch mitverantwortlich für die Ermordung von Menschen mit Behinderung im Rahmen der sogenannten "Erwachseneneuthanasie".

Biographie erstellt Februar 2008, überarbeitet Februar 2018
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5814;
Klaus-Detlev Godau-Schüttke, Die Heyde/Sawade-Affäre, Baden-Baden 2001;
Jörg Skriebeleit, Auch in Würzburg?! Zur Geschichte eines unbemerkten Außenlagers des KZ Flossenbürg, In: Mainfränkisches Jahrbuch 2004, S.293-316;
Peter Fasel, Tödliche Flucht vor der SS; Main-Post 8.9.2014, Aktual. 18.4.2016.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Die Klinik u.Poliklinik f.Psychiatrie u.Psychotherapie, Herr Univ.-Prof. Dr. Jürgen Deckert
   
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