Josef Wortsmann

   
geboren am 22.07.1880 in Würzburg
Straße  Annastraße 9
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und bei Riga am 26.03.1942 ermordet
   
Josef Wortsmann kam 1880 auf die Welt als zweites Kind des Weinhändlers David Wortsmann (1851-1925) und seiner Ehefrau Pauline, geb. Oppenheimer (1853-1927). Der Vater stammte aus Reichsmannsdorf/Ofr., die Mutter aus Sulzbürg/Opf. Die Eltern hatten 1877 in Nürnberg geheiratet und wohnten zur Zeit seiner Geburt in der Sterngasse 6. Vor ihm war im Dezember 1877 die Schwester Marie geboren worden. Der Vater war schon 1874 in Würzburg ansässig und hatte bald darauf in der Franziskanergasse 2 eine Weinhandlung gegründet, wo die Familie später dann auch lange Jahr lebte. An der Entstehung der Würzburger Rudergesellschaft war David Wortsmann beteiligt.
Josef Wortsmann besuchte jeweils 3 Jahre erst die Volksschule, dann das Alte Gymnasium und anschließend das Realgymnasium. Danach absolvierte er in Würzburg eine kaufmännische Lehre und ging dann 18-jährig für drei Jahre als Kaufmann nach England und Frankreich, wo er zusätzlich eine Sprach- und Musikausbildung als Pianist erhielt.
Ende 1900 musste er zur Ableistung seines Militärdienstes nach Würzburg zurückkehren, wurde aber zurückgestellt und trat dann 1901 als Mitarbeiter in die Firma seines Vaters ein. Wie aus einer Bestellung bei einem Theaterverlag, der Abonnementskarte eines Reitvereins und einer Mitgliedschaft im jüdischen Kegelclub „Dreissiger“ zu schließen ist, pflegte er vielseitige Interessen.
1915 wurde er eingezogen, war in einer Sanitätskraftwagenabteilung eingesetzt, nahm in dieser Funktion an zahlreichen Gefechten in Flandern teil und wurde nach dem Krieg als Gefreiter ausgezeichnet, zuletzt noch in der NS-Zeit mit dem Ehrenkreuz für Frontkämpfer 1935.
Ein Jahr nach Kriegsende heiratete er im Dezember 1919 in Nürnberg Tilly (Mathilde) Rosenbaum (1893-1942), übernahm 1920 die elterliche Weinhandlung und zog bald darauf mit seiner Frau in der Annastraße 9. Die Ehe blieb kinderlos. Ab 1933 war er in der Hindenburgstraße 21 gemeldet, wo er ein Gartenhaus bewohnte, das der Familie Seligsberger gehörte. Nachdem Josef Wortsmann seine Firma Ende 1938 schließen musste, schlug er sich als Übersetzer und Englischlehrer bei der Israelitischen Kultusgemeinde durch.
Seine verzweifelten Bemühungen um Auswanderung scheiterten alle: Zunächst bereitete er die Emigration nach Argentinien vor, wohin seine Schwester von München aus mit ihrem Ehemann August Birg emigriert war. Alles war in die Wege geleitet, als das Land 1938 eine Einwanderungssperre verhängte. Dadurch hatte er sich erst spät um die Einwanderung in die USA bemüht und obwohl durch Verwandte die notwendigen Bürgschaften vorlagen, scheiterten die Pläne. Auch die Versuche, zusammen mit dem befreundeten Gustav Kleemann im Rahmen einer Gruppenauswanderung nach Ecuador zu gelangen oder nach Shanghai ausreisen zu dürfen, schlugen fehl.
Er musste noch zweimal seine Wohnung wechseln und manche Schikanen ertragen. So wurde er wegen einer angeblich herabsetzenden Äußerung denunziert, von der Gestapo verwarnt und mit „Schutzhaft“ bedroht. Ab Juni 1941 musste er Zwangsarbeit leisten. Sein Antrag auf die Abhaltung weiterer Englischkurse für Auswanderer wurde abgelehnt.
Am 27. November 1941 wurde er zusammen mit seiner Ehefrau Tilly von der Kapuzinerstraße 21 aus nach Riga-Jungfernhof deportiert. Am 26. März 1942 war er und vermutlich auch seine Ehefrau unter den 1.700 Opfern eines Massenmordes an Gefangenen in der Nähe von Riga.
Biografie erstellt April 2007, überarbeitet September 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 17727, 17728;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1876-1941:
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 683;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/995938 (26.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken http://www.historisches-unterfranken.uni wuerzburg.de/test/web324w/juf/juf.php (16.9.2016).
Autorin / Autor Andreas Roser, Ingrid Sontag
Paten Die Maria-Ward-Schule, An die Schulleitung
   
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