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Josef Schwarz

 
geboren am 08.07.1892 in München
Straße  Haugerring 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und am 26.03.1942 bei Riga ermordet
   
Josef Schwarz war 1892 in München geboren. Sein Vater, der Versicherungsangestellte Hugo Schwarz (1864-1926) war 1903 mit seiner Frau Rosa, geb. Bissinger (1867-1927), die aus Ichenhausen stammte, von Nürnberg nach Würzburg gezogen. Josef Schwarz besuchte hier die Volksschule, drei Jahre lang die Realschule und machte eine kaufmännische Lehre im Textilhandel.

Ab 1915 leistete er seinen Militärdienst im Würzburger Bekleidungsamt ab. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete er einige Jahre als städtischer Angestellter, bevor er 1925 ein Geschäft für Papierwaren und Bürobedarf mit Druckerei gründete. Im Jahr 1926 hatte er Selma Weglein aus Geldersheim geheiratet, die in seinem Geschäft als Prokuristin tätig war. Josef Schwarz war Mitglied im Deutschen Buchdruckerverein, engagierte sich im Jüdischen Kulturbund und in unterschiedlichen politischen Parteien. Im Juni 1938 musste er das Geschäft aufgeben und verkaufen.

Im Novemberpogrom 1938 wurde er verhaftet und am 12. November nach Buchenwald gebracht. In seiner „Schutzhaftakte“ wird vermerkt, dass er im Januar 1931 Flugblätter für eine Arbeitsgemeinschaft sozialpolitischer Organisationen ohne Vermerk gedruckt hatte und deshalb wegen Verstoßes gegen das Pressegesetz zu einer kleinen Geldbuße verurteilt worden war. Am 29. Dezember 1938 erfolgte seine Entlassung aus dem KZ Buchenwald. Josef Schwarz hatte bereits eine Schiffpassage nach Trinidad für den 14. Januar 1939 gelöst und bezahlt und er besaß die notwendigen Bürgschaftspapiere. Wegen einer notwendigen Bruch-Operation wollte er die Auswanderung auf den 11. Februar 1939 verschieben. Die Umzugskisten wurden gepackt, Inventarlisten erstellt und zum Hafen verschickt. Es ist nicht klar, warum die geplante Ausreise scheiterte. Intensiv bemühte er sich anschließend weiter um Rettung. Er hatte mehrere Bürgen in den USA, bekam vom Konsulat am 21. August 1940 aber eine Absage. Um zu überleben, war Josef Schwarz zuletzt als Hilfskoch im jüdischen Wohnheim in der Bibrastraße tätig. Im Dezember 1941 beantragten die Würzburger Behörden die Rücksendung der Umzugskisten mit dem Hausrat aus Den Haag.

Zu diesem Zeitpunkt waren Josef Schwarz und seine Frau bereits nicht mehr in Würzburg. Am 27. November 1941 waren die beiden u.a. zusammen mit den Geschwistern seiner Frau nach Riga-Jungfernhof deportiert worden. Josef Schwarz gehörte zu den 1.700 Opfern, die am 26. März 1942 in einem Wald bei Riga erschossen worden waren. Außer seinem Schwager Jakob Weglein, der Ende 1944 in einem Außenlager Buchenwalds ermordet wurde, überlebte keiner der Familie die Lager in Riga.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13927;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 537 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/970430 (23.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1323043&ind=2 (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Eugenia Lind
   
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