Selma Schwarz, geb. Weglein

   
geboren am 25.06.1899 in Geldersheim/Ufr.
Straße  Haugerring 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und bald darauf bei Riga ermordet
   
Selma Weglein war die Tochter des Metzgers Gustav Weglein (1866-1943) und seiner Frau Regina geb. Gerst (1868-1943) aus Geldersheim. Ihr älterer Bruder Jakob kam 1895 und ihre jüngere Schwester Irma im Jahr 1902 auf die Welt. Selma besuchte in Geldersheim die Sonn- und Werktagsschule und arbeitete danach in verschiedenen Haushalten.

1926 heiratete sie den Kaufmann und Buchdrucker Josef Schwarz. Beide engagierten sich im Jüdischen Kulturbund. Im Papierwaren- und Bürobedarfsgeschäft mit Druckerei ihres Mannes, 1925 gegründet, war Selma als Prokuristin tätig. Nachdem die Firma im Juni 1938 unter Druck aufgegeben und verkauft wurde, unternahm das Ehepaar intensive Bemühungen zur Auswanderung. Ihr Mann wurde im Zuge des Novemberpogroms verhaftet, am 12. November nach Buchenwald gebracht und am 29. Dezember 1938 entlassen. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits für den 14. Januar 1939 eine Schiffspassage nach Trinidad gelöst und er besaß auch die notwendigen Bürgschaftspapiere. Die Kisten mit dem Umzugsgut wurden verschickt, die entsprechenden Inventarlisten finden sich in der Gestapoakte. Doch die geplante Fahrt wegen einer Bruch – OP ihres Mannes um einen Monat verschoben und nie mehr angetreten. Spätere Versuche, ein Visum in die USA zu erhalten, scheiterten. Aus dem Schriftverkehr ist abzuleiten, dass die US-Behörden als Folge der Operation eine Arbeitslosigkeit von Josef Schwarz befürchteten.

Selma Schwarz wurde 1939 festgenommen wegen des Verdachts der „Devisenverschiebung“. Ab 1941 ließen die Behörden sie als „Friseuse für Juden“ zu. Ihr Mann arbeitete zuletzt als Hilfskoch im Jüdischen Wohnheim in der Bibrastraße 6.

Von dort wurde sie zusammen mit ihrem Mann und ihren beiden Geschwistern am 27. November 1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe ermordet. Während ihr Mann am 26. März 1942 zusammen mit 1.700 anderen Deportierten in einem Wald bei Riga erschossen wurde, ist unklar, ob Selma Schwarz auch zu dieser Gruppe gehörte. Im Gegensatz zu ihr, ihrem Mann und ihrer Schwester Irma sowie deren kleiner Tochter Dorothea, überlebte Ihr Bruder Jakob die Lager bei Riga und starb Ende 1944 in einem Außenlager Buchenwalds.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13927;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 213; T. 2, S. 538, 652 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/970696 (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte 16619.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Eugenia Lind
   
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