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Eugenie Süßer

   
geboren am 12.09.1872 in Würzburg
Straße  Haugerring 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 23.9.1942 nach Theresienstadt und im Oktober 1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Eugenie Cahn kam 1872 als zweite Tochter des Getreidehändlers Bernhard Cahn (1843-1895) aus Ilvesheim/Baden und seiner Frau Wilhelmine geb. Wolf (1843-1925) in Würzburg auf die Welt. Ihre Schwester Ida (1871-1905) war ein Jahr älter. Die Eltern, seit 1869 hier ansässig, hatten 1883 das Bürgerrecht erworben.
Eugenie heiratete 1924 den ebenfalls in Würzburg geborenen Kaufmann Art(h)ur Süßer (1877-1934), dessen Familie aus Laudenbach stammte. Sie wohnten am Haugerring 17, heute entspricht das etwa der Hausnummer 5. Die Ehe blieb kinderlos. Ihr Mann arbeitete zunächst im elterlichen Landesproduktengeschäft, war dann Reisender, später zusammen mit seiner Frau Teilhaber und dann Eigentümer einer Textilgroßhandlung in der Haugerpfarrgasse 1. Eugenie erfüllte dort die Aufgabe einer Prokuristin. Zudem engagierte sie sich im Jüdischen Kulturbund, in der Frauengruppe der Deutschen Demokratischen Partei (DDP), war Mitglied im jüdischen Turn- und Sportverein und in der Gesellschaft Casino.
Wie bei anderen jüdischen Mitbürgern wurde im November 1940 eine Wohnungsdurchsuchung durchgeführt, die mit Beschlagnahme von Haushaltsgegenständen wie Schreibmaschine, Nähmaschine, Kühlschrank, Plattenspieler etc., wie üblich mit der Herabsetzung des verfügbaren Freibetrags und einer Geldstrafe endete. Kurz darauf denunzierte sie eine Hausbewohnerin, sie hätte ihr arisches Dienstmädchen mit Eiern in den Keller geschickt, die nicht auf Marken erworben wurden, um sie der Beschlagnahme zu entziehen. Die Vernehmungen ergaben, dass ihre Hausangestellte aus ihrem Heimatort 30-40 Eier mitgebracht hatte, die den Nahrungsmangel lindern sollten und die ihr Eugenie Süsser bezahlt hatte. Der Vorgang führte zu 5 Tagen Polizeihaft für sie selbst, ihr Dienstmädchen und die Besitzerin des Kellers wegen „staatsabträglichen Verhaltens“. Eugenie versuchte, nach Ecuador zu emigrieren. Sie reichte Umzugslisten ein und verschickte das Umzugsgut zur Einlagerung. Die Bemühungen um Ausreise hatten jedoch keinen Erfolg. 1941 musste sie ihre Wohnung räumen und erst in die Kapuzinerstraße 21, später in das Jüdische Altersheim in der Dürerstraße ziehen.
Von dort aus wurde sie am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Todkrank verschleppte man sie im Oktober 1944 nach Auschwitz, wo sie vermutlich kurz nach ihrem Eintreffen ermordet wurde.

Biographie erstellt September 2008, überarbeitet Dezember 2015.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 627, T. 1, S. 114;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter nationalsozialistischer Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de980432 (2.11.2015);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15838;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher und Grundlisten 1920-1941.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Antonie Erb, Frau Annemarie Hahn
   
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