Franz Winterstein

   
geboren am 10.04.1909 in Eusserthal, Krs.Bergzabern
Straße  Glockengasse 1
Stadtteil Altstadt
Todesdatum09.07.1942
TodesortWürzburg
   
am 09.07.1942 in Würzburg von der Gestapo "auf der Flucht" erschossen
Die Häuser Glockengasse 1-8 gibt es nicht mehr. Alle Steine für die Opfer aus diesen Häusern werden hier an einer gemeinsamen Stelle verlegt.
   
Franz Winterstein war das jüngste Kind der Weißnäherin und Schirmflickerin Johanna Winterstein und wurde in Eußertal in der bayerischen Pfalz geboren. Vor ihm kamen die Brüder Karl (1896-1944) und Johann (1898-1972) und die Schwester Frieda (1906-1919) auf die Welt. Im November 1918 meldet sich seine Mutter mit den vier Kindern in Würzburg in der Korngasse 10 an.
Franz lebte ebenso wie seine Mutter nur zeitweise in Würzburg und bestritt seinen Lebensunterhalt als Korbmacher, während sein Bruder Karl sesshaft wurde. Auch Bruder Johann reiste mit seiner Frau Josefine umher und verkaufte Korbwaren. Die Schwester Frieda war 1919 verunglückt, als sie auf der Löwenbrücke Kunststücke vorführen wollte.
Nachdem die Kripo in Würzburg Auskunft über seine „rassische Einordnung“ bei der Reichszentrale zur Bekämpfung des Zigeunerwesens beantragt und keine Antwort erhalten hatte, wurde Franz Winterstein im Februar 1941 gemustert und als „kriegsverwendungsfähig“ eingestuft. Jahr 1941 tat er aktiven Dienst bei der Artillerie-Ersatz-Abteilung 114 in Eger. Im März 1941 wurde eine erneute Anfrage auf den Weg geschickt. Die Antwort aus Berlin war klar: Franz Winterstein gelte nach Auskunft der Rassehygienischen Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes noch als „Zigeuner trotz geringem deutschblütigem Einschlage“ und man verwies auf die interne Richtlinie, dass „aus rassepolitischen Gründen Neueinstellungen von Zigeunern oder Zigeuner-Mischlingen in den aktiven Wehrdienst unzulässig und etwa noch im aktiven Wehrdienst stehende unverzüglich zu entlassen sind". Franz Wintersteins Entlassung erfolgte kurz darauf.
Im Jahr 1942 wohnte er mit seiner Frau Lina und ihren drei kleinen Kindern in der Glockengasse 1, wo im Januar 1942 das vierte Kind geboren wurde. Franz Winterstein musste Zwangsarbeit als Erdarbeiter leisten. In seiner Gestapoakte findet sich eine kurze Notiz des Polizeipräsidiums über das „Ableben des Zigeuners“ am 9.7.1942. Die genauen Umstände seines Todes sind nicht bekannt. Offensichtlich wurde er verhaftet und als ihn die Mutter im Gefängnis besuchte, soll er ihr gesagt haben, dass er fliehen wolle. Sie hat es ihm wohl nicht ausreden können und so sei er bei seinem Fluchtversuch erschossen worden – so die Überzeugung seiner überlebenden Angehörigen.
Über das weitere Schicksal seiner Frau Lina Winterstein und der vier Kinder ist nichts bekannt.
Biographie erstellt Juli 2006, überarbeitet Mai 2016
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 17423;
Roland Flade, Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Sinti-Familie im „Dritten Reich“, Schöningh Verlag, Würzburg 2008.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Marianne Albrecht
   
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