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Dr. Benno Jakob Hirnheimer

 
geboren am 03.09.1897 in Greußenheim/Ufr.
Straße  Annastraße 26
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.00.1944
TodesortMinsk
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt, ermordet vermutlich 1944 in Minsk
   
Benno Hirnheimer zog im Alter von zehn Jahren mit seinen Eltern, dem Tuch- und Gemischtwarenhändler Wolf Hirnheimer und Getta Hirnheimer, geb. Fuchs aus seinem Geburtsort Greußenheim nach Höchberg. Benno besuchte die Volksschule in Greußenheim und Würzburg, danach die angesehene Jüdische Präparandenschule in Höchberg. Schon hier zeigte sich seine außergewöhnliche Begabung, insbesondere in Mathemathik. Er war der beste Schüler seiner Klasse.
1914-1917 besuchte er die Israelitische Lehrerbildungsanstalt (ILBA) in Würzburg - das bekannteste orthodoxe Lehrerseminar in Deutschland - und legte 1917 sein Examen als Volksschullehrer ab. Er erhielt sofort eine Anstellung an seiner alten Höchberger Schule. Dort unterrichtete er bis 1927. 1924-1928 engagierte er sich auch politisch als Mitglied der liberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP), die nicht zuletzt für Juden attraktiv war. 1927-1932 ließ er sich zu Studienzwecken vom Unterricht freistellen und studierte an den Universitäten München und Würzburg Mathematik. Er schloss sein Studium mit der Promotion zum Dr.phil. ab.
1931 war seine Höchberger Schule aus finanziellen Gründen mit der Würzburger ILBA zusammengelegt worden. Benno H. wurde als hauptamtliche Lehrkraft und Studienrat an der ILBA übernommen. Er unterrichtete dort bis zur Schließung der Schule nach dem Novemberpogrom von 1938.
Zahlreiche Zeitzeugenberichte lassen erkennen, dass Benno eine faszinierende Persönlichkeit, ein ausgezeichneter Mathematiker und Wissenschaftler und zugleich ein hervorragender Pädagoge war, dem es wie nur wenigen gegeben war, Schüler für seine Fächer zu begeistern. Er wurde von vielen seiner Schüler als Vorbild betrachtet. Zugleich war er ein tief gläubiger Mensch, der in seinem Leben die Vereinbarkeit von Wissenschaft und Religion demonstrierte.
Benno war schwer körperbehindert. Er litt seit seiner Kindheit an einer spinalen Kinderlähmung, die eine schwere Rückgratverkrümmung hervorgerufen hatte und ihn zum Tragen von Beinschienen an beiden Beinen zwang. Mit bewundernswerter Haltung ertrug er die äußerst schmerzhaften Skelettschäden.
1934 heiratete Benno Hirnheimer die 17 Jahre jüngere Berta (Berthel) Norden aus Hamburg. Dem Ehepaar wurden drei Kinder geboren, das jüngste, Moses Menachim, erst wenige Monate vor der Deportation. Im Novemberpogrom von 1938 wurde Benno H. verhaftet, doch wegen seiner schweren Körperbehinderung nach einer Woche wieder entlassen. Seit 1939 betrieb die Familie Hirnheimer erfolglos ihre Auswanderung, wobei als Ziel Großbritannien oder Palästina ins Auge gefasst wurden.
In den letzten Monaten vor der Deportation lebte die Familie zusammen mit sechs anderen jüdischen Familien im Haus des Friedhofverwalters auf dem Israelitischen Friedhof in der heutigen Werner-von-Siemens-Straße. Seit Frühjahr 1942 durften Juden nicht mehr in normalen Mietwohnungen oder Privathäusern wohnen. Von dort aus wurde Benno Hirnheimer am 23. September 1942 zusammen mit seiner Frau, seinen Kindern und seiner Mutter nach Theresienstadt und später nach Minsk deportiert - seine Mutter war bereits in Theresienstadt gestorben.
Wahrscheinlich wurde Benno in Minsk ermordet. Nach dem Gedenkbuch des Bundesarchivs ist er "für tot erklärt" in Minsk.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 1604;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 264.;
Roland Flade, Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die Israelitische Präparandenschule (Schriften des Stadtarchivs Würzburg, H. 12, 1988) S. 62-66, 108-112;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de883529, (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=hirnheimer&s_firstName=&s_place=wuerzburg&itemId=1454339&ind=9&winId=-3040157180879480686 (02.06.2016);
Alemannia Judaica, Verlobungsanzeige, http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20255/Wuerzburg%20Israelit%2005101934.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Das Kollegium der Franz Oberthür-Schule, Frau Hedwig Batzner
   
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