Berta (Berthel) Hirnheimer, geb. Norden

   
geboren am 23.08.1914 in Hamburg
Straße  Annastraße 26
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum12.10.1944
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt, ermordet am 12.10.1944 in Auschwitz
   
Berta Hirnheimer war 17 Jahre jünger als ihr Ehemann Dr. Benno Hirnheimer, den sie 1934 heiratete. Sie übernahm die Sorge um die Gesundheit ihres schwer körperbehinderten Mannes und damit eine zusätzliche Verantwortung. 1937 wurde dem Ehepaar das erste Kind, der Sohn Wolf, geboren, 1939 die Tochter Rachel Mirjam und 1942, nur wenige Monate vor der Deportation, der Sohn Moses Menachim.
Berta war Mitglied im Jüdischen Kulturbund. Im Oktober 1939 wurde sie von einer Ortsgruppe der NSDAP wegen "volksschädigenden Verhaltens", angeblich eines Hamsterkaufs, angezeigt. Die Anzeige blieb ergebnislos. Seit Frühjahr 1942 lebte die Familie Hirnheimer nicht mehr in ihrer Wohnung in der Annastraße sondern mit sechs anderen jüdischen Familien im Haus des Friedhofverwalters auf dem Israelitischen Friedhof in der heutigen Werner-von-Siemens-Straße. Juden durften seit Frühjahr 1942 nicht mehr in normalen Mietwohnungen oder Privathäusern wohnen. Was als Schikane gedacht war und anfänglich wegen der beengten Unterbringung auch so empfunden wurde, erwies sich im Lauf des Sommers 1942, insbesondere für die jüdischen Kinder, als Glücksfall. Die Kinder hatten den ganzen Garten des Friedhofsverwalters und die daran vorbeifließende Kürnach als riesigen "Abenteuerspielplatz" zur Verfügung und konnten zudem aus dem großen Garten reichlich mit selbst gezogenem Obst und Gemüse versorgt werden, das Juden sonst auf Marken nicht mehr zustand. Außerdem konnten die Familien an den Wochenenden dort - damals noch weit vor der Stadt - Besuch empfangen und wurden weder von der Polizei noch den Nationalsozialisten behelligt.

Die Familie Hirnheimer wurde am 23. September 1942 nach Theresienstadt und von dort weiter nach Minsk deportiert, wo wohl Bertas Ehemann Benno ermordet wurde. Berta wurde mit ihren Kindern noch im Oktober 1944 nach Auschwitz transportiert und dort zusammen mit ihnen ermordet. Sie alle gelten als "verschollen in Auschwitz".
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 1604;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 264.;
Roland Flade, Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die Israelitische Präparandenschule (Schriften des Stadtarchivs Würzburg, H. 12) 1988, S. 110-112;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de883523, (02.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/15533-berta-hirnheimer/ (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=hirnheimer&s_firstName=&s_place=wuerzburg&itemId=954908&ind=20&winId=-3040157180879480686 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=hirnheimer&s_firstName=&s_place=wuerzburg&itemId=8131230&ind=15&winId=-3040157180879480686 (02.06.2016);
Alemannia Judaica, Verlobungsanzeige, http://www.alemannia-judaica.de/images/Images%20255/Wuerzburg%20Israelit%2005101934.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Das Kollegium der Franz Oberthür-Schule, Frau Hedwig Batzner
   
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