Bertha Steinhardt, geb.Schlossmann

   
geboren am 15.06.1882 in Öhríngen
Straße  Ludwigstraße 10 1/2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum11.05.1943
Todesdatum14.05.1943
TodesortSobibor
   
am 11.05.1943 von Holland aus nach Sobibor deportiert und dort am 14.05.1943 ermordet
   
Bertha Steinhardt, geb. Schlossmann, kam am 15. Juni 1882 in Öhringen als zweite Tochter der Eheleute Max Schlossmann und Therese, geb. Herrmann auf die Welt. Max Schlossmann (Jg. 1852) stammte aus Steinhardt in Bayern. Berthas Mutter Therese wurde am 10. Februar 1857 in Schwabach/Mittelfranken geboren. Die Eltern heirateten am 26. November 1878 in Nördlingen. Am 14. November 1879 kam die erste Tochter Hermine in Öhringen zur Welt, Bertha rund drei Jahre später. Berthas Vater war israelitischer Lehrer, der zur Einweihung der Synagoge 1889 „den neugegründeten Synagogenchor vorzüglich leitete“, wie es in einer damaligen Pressemitteilung hieß. Er war ebenfalls Beisitzer des jüdischen Kirchenvorsteheramtes. Das Familienregister Öhringen enthält nur noch den Vermerk, dass die Familie am 2. Juli 1894 nach Cannstatt gezogen war.
Bertha heiratete den Kaufmann Martin Steinhardt (1871–1928) in Würzburg. Er war Mitinhaber der Elektrofirma Sonnenberg & Steinhardt, die sich in der Eichhornstraße befand. Das Ehepaar bekam drei Kinder: Siegbert, geb. 4. November 1909, Lise Beata, geb. 11. Dezember 1910 und Nelly, geb. 13. März 1913. Bertha Steinhardt war Mitglied im jüdischen Kulturbund. Nach dem Tod ihres Mannes 1928 – er wurde auf dem jüdischen Friedhof in der Nürnberger Straße beigesetzt – blieb Bertha Mitinhaberin der Firma. Mit ihrem Sohn Siegbert wohnte sie zuerst am Röntgenring 6, später in der Ludwigstraße 10 ½. Auch er wurde Kaufmann und trat nach einem schweren Fahrradunfall 1928 in die elterliche Firma ein. Er besaß einen Gewerbeschein, um als Handelsvertreter für die Firma Sonnenberg & Steinhardt tätig zu sein. Die Verlängerung seines Gewerbeschein 1936 wird ihm laut Gestapoakte von der Polizeidirektion Würzburg verwehrt: “Es ist heute untragbar, dass ein Jude in die Behausung von Ariern kommt, um ihnen seine Ware aufzuschwätzen.“ 1938 wurde Siegbert Steinhardt verhaftet, in Buchenwald interniert und nach vier Wochen nur unter der Bedingung entlassen, das Geschäft zu verkaufen. Vergeblich bemühten sich Bertha und ihr Sohn um Einreise in die USA, wo seit 1937 bereits die Tochter Nelly als Musikerin lebte. Lise Beata war bereits nach Palästina emigriert. Wegen Siegberts Knochenmarkserkrankung wurde die Einreise verweigert. So emigrierten Mutter und Sohn 1939 nach Heerlen in Holland. Aber auch da gab es kein Entkommen.
Am 11. Mai 1943 wurde Bertha Steinhardt über Westerbork nach Sobibor deportiert, wo sie am 14.Mai 1943 ermordet wurde. Siegbert war bereits früher deportiert worden. Er starb am 24. April 1942. Beide Schwestern überlebten glücklicherweise in den USA.
Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet August 2015.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 15186 und 15193;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.2, S. 587, 588;
Stadtarchiv Öhringen, Band II, S. 946, Schreiben von Eberhard Tröger, Archivar vom 30.06.2015;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de974025 (28.7.2015).
Autorin / Autor gg, Gabriele Schiwon
Paten Herr Rainer Oehrlein
   
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