Josef Liebmann

   
geboren am 15.08.1872 in Steinach a.d.Saale/Ufr.
Straße  Annastraße 18
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum31.05.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 31.05.1943 ermordet
   
Die Eltern von Josef Liebmann waren der Kaufmann Daniel Liebmann (Jg. 1838) und Regine Schwab (Jg.1835), die 1862 geheiratet hatten und zehn Kinder hatten: Vor Josef kamen die Geschwister Ella (Jg. 1863), Isack (Jg. 1865), Aron (Jg.1866), Meier (Max) (1868-1943), Hanna (Jg.1869), Eva verh. Geissenberger (Jg.1871) auf die Welt, er selbst im Jahr 1872, nach ihm Sara, verh. Katz (1874-1844), Theresia, verh. Gottlob (1875-1944) und zuletzt David (Jg.1878).
Josef erlernte den Beruf des Kaufmanns und heiratete im November 1903 Selma Liebmann, geb. Rothstein (1878-1944) aus Mainstockheim. Am 4. Juli 1904 kam ihr Sohn Ludwig in Bad Kissingen auf die Welt. Josef Liebmann arbeitete als Reisender für die Weinhandlung N. Fromm in Kitzingen. Um 1916 war er nach Würzburg gezogen und in der Annastraße 18 gemeldet. Von 1916 bis 1918 nahm er am Ersten Weltkrieg teil.
Später waren Josef Liebmann und sein Sohn Ludwig in der eigenen Wein- und Spirituosenhandlung Josef Liebmann & Sohn tätig, die sich zunächst in der Domerschulstraße 11, später in der Annastraße befand. Auch Selma Liebmann, die aus einer Weinhändlerfamilie stammte, arbeitete in dem Betrieb als Prokuristin mit.
Sohn Ludwig, der bereits vor seinen Eltern im September 1916 in Würzburg bei seinem Onkel Siegmund in der Friedenstraße 35 untergekommen war, zog 1933 nach Wilhelmshaven, heiratete und emigrierte mit seiner Frau Käthe 1938 in die USA.

Nach Auflösung der Firma musste die Familie 1939 ausziehen und wohnte dann in der Schillerstraße 6. Josef Liebmann wurde 1940/41 zur Zwangsarbeit für die Stadt Würzburg verpflichtet, von der er aus Gesundheitsgründen bald befreit wurde. Durch Wohnungsdurchsuchungen, Beschlagnahme von Gegenständen ohne viel Wert, darunter getragene Mäntel und Anzüge, Vorwürfe unzulässiger Bareinnahmen von Untermietern wurde die Familie wie viele andere schikaniert. In einem Schreiben der Gestapo vom 9.1.41 wird die Familie davon informiert, dass ihr Kühlschrank eingezogen sei, in der Wohnung verbleibe, aber nicht benutzt werden dürfe. Am Schluss mussten die Liebmanns 300.-RM Strafe wegen Devisenvergehen aufbringen und der verfügbare monatliche Geldbetrag wurde deutlich reduziert. Ab Januar 1941 lebte das Ehepaar dann im Jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3.

Am 23. September 1942 wurden Josef und Selma Liebmann, sein Bruder Max mit seiner Ehefrau Flora und die Schwester Theresia mit Ehemann Adolf nach Theresienstadt deportiert. Die Schwester Sara traf wenige Tage nach ihnen dort ein. Während die Schwestern noch weiter nach Auschwitz verschleppt und dort ermordet wurden, starb Josef Liebmann am 31. Mai 1943. Vor ihm waren erst seine Schwägerin und dann sein Bruder Opfer der unsäglichen Lebensbedingungen geworden, ein Jahr nach ihm am 29.4.1944 seine Frau.
Die Schwester Eva war in Dettelbach verheiratet gewesen mit Simon Geissenberger, der früh verstarb. Sie und ihre 7 Kinder konnten sich rechtzeitig über andere europäische Staaten in Sicherheit bringen. Über das Schicksal der fünf weiteren Geschwister ist nichts bekannt.

Biografie erstellt April 2007, überarbeitetMärz 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 6147;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 347;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/915303 (02.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Josef Liebmann und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ ;
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/22022-josef-liebmann/ (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-14.jpg (02.06.2016);
Passagierlisten und Einwanderungsdaten für Ludwig Liebmann in die USA, https://familysearch.org.
Autorin / Autor Georg Rosenthal, Ingrid Sontag
Paten Herr Dr. Christian Wunder
   
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