Selma Liebmann, geb. Rothstein

   
geboren am 06.07.1878 in Mainstockheim/Ufr.
Straße  Annastraße 18
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum29.04.1944
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 29.04.1944 ermordet
   
Selma Liebmann wuchs in einer Weinhändlerfamilie in Mainstockheim auf. Samuel Rothstein (Jg.1839) und seine Frau Julia Mändle (Jg.1842) (identisch mit Lene Männlein) hatten 10 Kinder: Emil (1863-1935), Siegmund (1867-1942), Louis (Jg.1868), Rudolf (1869-1943), Theresia, verh. Rothschild (1870-1956), Heinrich (1872-1942), Theodor (1874-74), Albert (1877-1938) und nach Selma noch die Tochter Klara (1880–1942/43).

Im Jahr 1903 heiratete Selma den Kaufmann Josef Liebmann aus Bad Kissingen und ein Jahr später kam der Sohn Ludwig im Juni 1904 auf die Welt. 1916 zog sie mit ihrer Familie nach Würzburg und lebte ab da in der Annastraße 18. Ihr Mann war zu diesem Zeitpunkt als Weinreisender für die Firma Fromm in Kitzingen tätig, bevor er als Kriegsteilnehmer eingezogen wurde. Ihr Sohn, zu diesem Zeitpunkt noch Schüler, kam schon vor seinen Eltern nach Würzburg und wohnte vorübergehend beim Bruder seiner Mutter, Siegmund Rothstein in der Friedenstraße 35.

Über ihr Leben ist nur wenig bekannt. In der Weinhandlung Josef Liebmann & Sohn, die ihr Mann in den zwanziger Jahren gegründet hatte, war sie als Prokuristin tätig. Ihr Sohn Ludwig verließ Würzburg im Oktober 1933 und siedelte nach Wilhelmshaven über. Mit der Schwiegertochter Käthe konnte er 1938 in die USA emigrieren.

Nach Auflösung der Firma mussten Selma und ihr Mann in die Schillerstraße 6 umziehen und dieser trotz seines Alters und Gesundheitszustands Zwangsarbeit bei der Stadt Würzburg leisten. Die finanzielle Lage der Familie wurde immer prekärer: Man musste drei Untermieter in der Wohnung aufnehmen, Wertsachen verpfänden oder verkaufen und hatte unter Wohnungsdurchsuchungen, Geldbußen wegen sog. Devisenvergehen und anderen Schikanen zu leiden. Ab Januar 1941 lebte das Ehepaar dann im Jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3.

Von dort wurden Selma Liebmann und ihr Mann am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert. Im gleichen Transport waren ihr Bruder Rudolf sowie ihr Schwager Max mit ihren Ehefrauen. Ihre Brüder Sigmund und Heinrich waren schon vor ihnen dorthin verschleppt worden. Nach allen anderen wurde auch Selma Liebmann am 29. April 1944 Opfer der unmenschlichen Lebensbedingungen.
Von Selmas Geschwistern konnten nur Louis und Theresia verh. Rothschild die Nazizeit überleben.

Biografie erstellt April 2007, überarbeitet März 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 6147;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1916-1942, Grundliste Annastraße 18;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 347;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/915344 (02.06.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Selma Liebmann und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/22031-selma-liebmann/ (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-14.jpg (02.06.2016);
Stammbaum Samuel Rothstein, http://www.zeislerfamily.com/ZeislerInternetTree/2467.htm;
Passagierlisten und Einwanderungsdaten für Ludwig Liebmann in die USA, https://familysearch.org.
Autorin / Autor Georg Rosenthal, Ingrid Sontag
Paten Frau Dr. Hanneliese Schmidt-Rotte
   
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