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Karl Wassermann

 
geboren am 19.03.1891 in Ermreuth/Ofr.
Straße  Glockengasse 8
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe ermordet
Die Häuser Glockengasse 1-8 gibt es nicht mehr. Alle Steine für die Opfer aus diesen Häusern werden hier an einer gemeinsamen Stelle verlegt.
   
Karl Wassermanns Eltern waren der Händler und Metzger Joseph Wassermann (1846-1915) aus Ermreuth/Obfr. und dessen Frau Rosa geb. Kohn (1854-1942), die in Wilhermsdorf bei Neustadt/Aisch geboren wurde. Die Eltern hatten 1878 in Erlangen geheiratet. Karl hatte fünf ältere Geschwister: Jakob (1880-1947), Klara (Jg.1881), Bertha verh. Guthmann (Jg.1884), Wilhelm (Jg. 1885) und Ida verh. Grau (Jg. 1886). Nach ihm kamen noch die Schwester Lina (1892-1920) und die Brüder Philipp (1894-1941) und Hugo (Jg.1896) zur Welt.
Karl besuchte die Volksschule in Ermreuth, machte eine Metzgerlehre in Mainz und arbeitete dann bei verschiedenen jüdischen Metzgern. Zwischendurch musste er in den Jahren 1911/12 Militärdienst ableisten. Ab August 1914 war er Kriegsteilnehmer, wurde 1918 verwundet und geriet in englische Kriegsgefangenschaft. 1919 kehrte er nach Ermreuth zurück. Für seinen Einsatz erhielt er noch 1935 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer.
Im Mai 1920 kam er nach Würzburg, kaufte die Metzgerei des Sigmund Schild in der Glockengasse 8 und erwarb auch das Eigentum am Haus. Nach der Meisterprüfung 1925 führte er einen rituellen Betrieb unter der Aufsicht des Rabbinats. Karl Wassermann war Mitglied in verschiedenen Berufsorganisationen, dem Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten und der Gesellschaft Casino.
Im Juli 1920 hatte Karl Wassermann Eva Bravmann aus Unteraltertheim geheiratet und nahm kurz darauf auch seine verwitwete Schwiegermutter Hannchen Bravmann (1853-1941) in seinen Haushalt mit auf. Bald darauf wurden die beiden Kinder Erich Josef 1921 und Ilse (Elsa) 1924 geboren. Nach dem Tod seiner Frau im November 1937 infolge einer Operation, lebte er im Haushalt mit seinen beiden Kindern, der Schwägerin Jeanette Bravmann (Jg.1889), der Schwiegermutter und zeitweise mit der Mutter.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde er festgenommen und am 1. Dezember aus dem KZ Buchenwald entlassen. Seine Schwägerin hatte sich brieflich für seine Entlassung eingesetzt. Auch sein Sohn Erich war im Jahr zuvor im Alter von 16 Jahren für einige Tage in Polizeihaft, weil er und sein Freund denunziert wurden: Sie hatten zusammen ein gefundenes Abzeichen des Deutschen Jugendfests 1937 mit Hakenkreuz und Adler von einem Hund apportieren lassen.
Während der Vater noch versuchte, mit der Tochter in die USA zu emigrieren, bereitete sich Sohn Erich durch Teilnahme an landwirtschaftlichen Umschulungen in Steckelsdorf bei Rathenow/Havel darauf vor, nach Palästina auszuwandern. Beides misslang.
Karl Wassermann wurde er am 27. November 1941 mit seinen beiden Kindern und seiner Schwägerin nach Riga-Jungfernhof deportiert. Es ist anzunehmen, dass er dort bald darauf ermordet wurde, möglicherweise bei den Massenerschießungen im Wald von Bikiernieki. Seine Tochter starb vermutlich noch im Jahr 1944 im Lager Stutthof.
Nur der Sohn Erich überstand die Lager und kehrte 1945 nach Würzburg zurück. Bald darauf im Jahr 1946 emigrierte er in die Vereinigten Staaten, wo er heiratete und eine Familie gründete. Erich und dessen Tochter Eva Margolis legten in Yad Vashem Gedenkblätter für Karl und Ilse Wassermann an.
Während seine Schwiegermutter noch 1941 in Würzburg verstorben war, wurde seine Mutter Rosa Wassermann hochbetagt im Jahr darauf nach Theresienstadt gebracht, wo sie nur noch kurze Zeit lebte. Seine Geschwister Bertha, Wilhelm, Ida und Hugo wurden in verschiedene Lager in Polen verschleppt und dort Opfer der Shoa. Nur Karls Brüder Jakob und Philipp konnten sich mit ihren Familien 1939 bzw. 1941 durch Emigration in die USA retten, lebten dort aber nicht mehr lange. Über das Schicksal der Schwester Klara ist nichts bekannt.

Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet September 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 16493;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 650;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/986378 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1972593&ind=0 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=5375992&ind=1 (26.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldeboden, Grundliste Glockengasse 8;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (10.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Karl Wassermann und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Stammbaum der Familie Wassermann, in: Rajaa Nadler, Der Jüdische Friedhof Ermreuth, 1998.
Foto: Das Foto von Karl Wassermann entnommen aus dem Gedenkblatt in Yad Vashem, stammt aus der Gestapoakte.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Herr Christian Bräutigam, Inge und Erik Bräutigam
   
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