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Ilse (Ilsa) Wassermann

 
geboren am 09.02.1924 in Würzburg
Straße  Glockengasse 8
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortStutthof
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert, am 9.08.1944 nach Stutthof und dort ermordet

Die Häuser Glockengasse 1-8 gibt es nicht mehr. Alle Steine für die Opfer aus diesen Häusern werden hier an einer gemeinsamen Stelle verlegt.
   
Ilse Wassermann war die Tochter von Karl Wassermann (Jg. 1891) aus Ermreuth und seiner Ehefrau Eva geb. Bravmann (1886-1937) aus Unteraltertheim. Der Vater war gelernter Metzger, der im Mai 1920 nach Kriegsteilnahme und Gefangenschaft von Ermreuth nach Würzburg zugezogen war und die Metzgerei von Sigmund Schild in der Glockengasse 8 übernommen sowie das Haus erworben hatte. Die Eltern hatten im Juni 1920 geheiratet. Zum Haushalt gehörte auch Ilses verwitwete Großmutter Hannchen Bravmann (1853-1941).
Drei Jahre vor ihr war 1921 der Bruder Erich zur Welt gekommen. Als Ilse 13 Jahr alt war, starb die Mutter im November 1937. Ihre ledige Tante Jeanette Bravmann (Jg.1889) führte von da ab den Haushalt der Familie.
Nach der Volksschule besuchte Ilse die Jüdische Berufsschule bis 1940. Anschließend absolvierte sie einen Hauswirtschaftskurs. Die Israelitische Kultusgemeinde stellte ihr ein gutes Zeugnis aus. Anschließend vom Mai bis November 1941 arbeitete sie als Praktikantin im Israelitischen Pfründnerhaus in der Dürerstraße 20.
Am 27. November 1941 wurde Ilse im Alter von 17 Jahren mit ihrem Vater, dem Bruder Erich und ihrer Tante Jeanette Bravmann nach Riga deportiert. Während ihr Vater und die Tante dort vermutlich bei den Massenerschießungen der Aktion Dünamünde ermordet wurden, überlebte Ilse diese. Im Zuge der Räumung der Lager angesichts der vorrückenden russischen Truppen wurde sie noch am 9.8.1944 ins Lager Stutthof verschleppt, wo sie umkam.
Ihr Bruder Erich gehörte zu den Überlebenden der ersten Würzburger Deportation auf den Jungfernhof und kehrte 1945 für kurze Zeit nach Würzburg zurück. Er emigrierte 1946 in die Vereinigten Staaten und starb dort im Jahr 1987. Er und seine Tochter Eva Margolis haben in Yad Vashem Gedenkblätter für Ilse und ihren Vater Karl angelegt.
Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet September 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 16493;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 650;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/986349 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=763629&ind=2 (26.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Grundliste Glockengasse 8;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (10.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Ilse Wassermann und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs. Auskunft von Bettina Heimbeck, Verwaltungsgemeinschaft Kist, (30.8.2017).
Fotos: Yad Vashem, Gedenkblatt.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Frau Sylvia Pöhlmann, Herr Holger Pöhlmann
   
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