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Benno (Baruch) Hahn

   
geboren am 16.04.1879 in Nenzenheim/Mfr.
Straße  Glockengasse 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.06.1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet Die Häuser Glockengasse 1-8 gibt es nicht mehr. Alle Steine für die Opfer aus diesen Häusern werden hier an einer gemeinsamen Stelle verlegt.
   
Benno (Baruch, Bernhard) Hahn war in Nenzenheim bei Iphofen zur Welt gekommen und aufgewachsen. Er war der Älteste und hatte zahlreiche Geschwister: Pauline (Jg.1881) Jeanette, verh. Levi (Jg.1883), Heinrich (Jg.1884), Samson Löb (1886-1973), Hirsch Friedrich (Jg.1889) und Bettina/Dina, verh. Adler (1893-1942). Sein Vater war der Viehhändler David Hahn und seine Mutter Klara, geb. Dottenheimer (1850-1894). Nach dem Tod der Mutter war der der Vater in zweiter Ehe mit Frieda, geb. Guttmann (1867-1944) verheiratet. Aus dieser Ehe gingen zwei weitere Schwestern hervor: Karolina, verh. Heß (Jg.1896) und Frieda, verh. Hellmann (Jg.1902).
Benno wurde Bäcker und heiratete 1919 die Würzburger Bäckerstochter Julie Steuermann (1892-1937). Er wurde erst Geschäftsführer der Bäckerei seines Schwiegervaters und übernahm nach dessen 1928 den Betrieb in der Glockengasse 4, den er dann unter eigenem Namen weiterführte. Benno Hahn wurde nach dem Tod seiner Frau Julie 1937 Eigentümer des Hauses Glockengasse 4.
Im Jahr 1932 nahm er seinen Neffen Bruno (Jg. 1923) bei sich auf, den Sohn seines Bruders Samson, der als Viehhändler in Nenzenheim tätig war. Bruno besuchte hier die jüdische Volksschule und ein Jahr lang die Berufsschule. Im April 1937 begann er eine Bäckerlehre bei seinem Onkel. Seine Ausreise mit den Eltern wurde noch gefährdet, weil er ins Visier der Gestapo geriet: Zusammen mit seinem Freund Erich Wassermann wurde er angezeigt, weil die beiden ihren Hund ein auf der Straße gefundenes Abzeichen des Deutschen Jugendtags 1937 mit Hakenkreuz und Adler apportieren ließen. Der Fall wurde glücklicherweise mit einer strengen Verwarnung beendet und Bruno konnte mit seiner Familie im Dezember 1937 emigrieren.
In zweiter Ehe war Benno mit Ernestine, geborene Frank (Jg.1892) verheiratet, die in Bonnland geboren war.
Nachdem er seinen Betrieb aufgeben musste, war Benno Hahn von März 1940 bis November 1941 als Zwangsarbeiter für die Stadt Würzburg verpflichtet. Danach forderte ihn die Jüdische Gemeinde an und er arbeitete als Bäcker im Jüdischen Altersheim und nach dessen Schließung im Unterkunftsheim in der Bibrastraße, wo er mit seiner Ehefrau auch wohnte. Das Ehepaar war gezwungen, immer wieder Gegenstände aus dem Hausrat versteigern zu lassen, da sie in immer beengteren Verhältnissen wohnen mussten und die Lagergebühren nur Geld verschlangen. Die Erlöse waren erbärmlich und wurden auf Sperrkonten deponiert
Von der Bibrastraße aus wurde Benno Hahn zusammen mit seiner Frau am 17. Juni 1943 nach Auschwitz deportiert, wo beide ermordet wurden.
Der Bruder Samson lebte mit seiner Ehefrau Anna, geb. Falk und den beiden Kindern Bruno und Claire in den USA und hatte sich in Chicago niedergelassen. Alle sieben weiteren Geschwister wurden Opfer der Shoa, meist samt ihren Familien: Pauline und Frieda in Auschwitz, Jeanette und Heinrich bei Riga, Friedrich in Maly Trostinec, Heinrich bei Riga und Dina und Karolina im Raum Lublin. Die Stiefmutter kam in Theresienstadt um.
Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet März 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 229 f.;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 245, 285, 246;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de831424, (27.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=de&s_lastName=hahn&s_firstName=benno&s_place=wuerzburg&itemId=5631552&ind=0&winId=8635788469281016907 (27.05.2016);
Stadtarchiv Würzburg Grundliste Glockengasse 4, Adressbücher 1918-1941
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Auskunft von Frau Kornacker, Archiv der Gemeinde Iphofen/Nenzenheim.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Frau Hannelore Müller
   
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