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Regina (Rachel) Eisenheimer, geb. Grünbaum

   
geboren am 08.12.1863 in Kleinsteinach/Ufr.
Straße  Glockengasse 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum04.12.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 04.12.1942 ermordet
Die Häuser Glockengasse 1-8 gibt es nicht mehr. Alle Steine für die Opfer aus diesen Häusern werden hier an einer gemeinsamen Stelle verlegt.
   
Regina (Rachel) Grünbaum wurde 1863 als älteste Tochter des Schneiders Gabriel Grünbaum und seiner Ehefrau Rebekka geb. Hofmann. in Kleinsteinach geboren. Nach ihr kamen noch vier Geschwister zur Welt: Seligmann (Jg.1866), Elisa (Jg.1869), Bernard (Jg.1871) und Emanuel (Jg.1874).
Im Alter von etwa 20 Jahren heiratete Rachel den Witwer und Garküchner Elias Weissbart aus Allersheim, Sohn des dortigen Rabbiners. Sie wohnten im JHaus ihres Mannes in der Glockengasse 6. Aufgrund des Mädchennamens ihrer Mutter kann man vermuten, dass Rachel eine Verwandte der verstorbenen Frau Karoline Weissbart geb. Hofmann war. Ihr Mann brachte vier Kinder mit in die Ehe: Nathaniel Gabriel (Jg.1870), Seligmann (Jg.1871), Martha (auch Daila) (1876-1967) und Hermann (Hirsch) (Jg.1879). Bald nach ihrer Heirat starb 1884 ihr erster Mann und die Stiefkinder wuchsen vermutlich bei ihr auf. Kurze Zeit später heiratete Rachel den Simon Eisenheimer aus Wiesenbronn (1859-1942). Dieser war von Beruf zunächst Galanterie- und Spielwarenhändler und später Gastwirt, nachdem Regina 1898 die Konzession für eine Garküche mit Ausschank im eigenen Anwesen in der Glockengasse 6 erhalten hatte.
Rachel und Simon Eisenheimer hatten vier eigene Kinder. Adolf (Alfred) (1887-1943) wurde im Januar 1887 geboren und im Dezember 1887 Clothilde, die nur wenige Monate alt wurde. Danach kamen noch Siegmund (Jg.1888) und Selma (1892-1978) zur Welt.
Zwei ihrer Stiefkinder erlernten Berufe des Schneiderhandwerks: Hermann Weissbart absolvierte eine entsprechende Lehre und machte sich 1903 in Würzburg selbständig; die Schwester Martha wurde Direktrice, arbeitete in Fürth und war später in Pforzheim verheiratet. Seligmann absolvierte eine Bäckerlehre in Darmstadt. Über den ältesten Stiefsohn ist nichts bekannt.
Der Sohn Adolf ergriff nach dem Gymnasium den Beruf des Arztes und praktizierte später in Mannheim. Siegmund wurde Kaufmann und führte erst mit einem Verwandten seiner Frau Irma geb. Strauss, dann allein eine Firma für Schreinereiartikel und Werkzeuge. Siegmund starb schon Ende der 30er Jahre. Über eine Ausbildung der Tochter Selma verh. Hirsch weiß man nichts. Sie lebte mit ihrem Mann Eduard in Lambsheim bei Ludwigshafen.
Nachdem das Ehepaar Eisenheimer im Februar 1941 ihr Haus verlassen musste und in den Heimen Bibrastraße 6 und Dürerstraße 20 untergebracht wurde,erfolgte am 23. September 1942 ihre Deportation nach Theresienstadt, wo sie beide am 4. Dezember 1942 als Folge der unsäglichen Lebensbedingungen starben.
Von ihren Kindern und Stiefkindern, die in der NS-Zeit noch lebten, entkamen der Shoa Alfons und Daila durch rechtzeitige Emigration und Selma vermutlich durch Untertauchen in den Niederlanden. Hermanns Spur verliert sich im Raum Lublin. Über das Schicksal der anderen weiß man nichts. Von ihren Geschwistern ist bekannt, dass der Bruder Bernard auswandern konnte und die Familien von Seligmann und Emanuel wie dieser selbst ermordet wurden.
Biographie erstellt Juni 2007, überarbeitet September 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 130;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856868 (19.05.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/9497-rachel-regina-eisenheimer/ (19.05.2016);
Staatsarchiv Würzburg, Pfarrmatrikelzweitschriften, Bezirksamt Hassfurt Bd. 1440;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen Simon Eisenheimer sowie Elias Weissbart, Adressbücher 1884-1941, Grundliste Glockengasse 6;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Rachel Eisenheimer und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
(3.8.2017);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Alemannia Judaica Riedbach/Kleinsteinach, http://www.alemannia-judaica.de/kleinsteinach_synagoge.htm;
http://www.riedbach.de/index.php?id=273 Suche nach Angehörigen bei Familysearch, https://familysearch.org (3.8.2017 und 13.9.2017);
http://www.locateancestors.com/hirsch-born-in-1892/.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Frau Eleonore Jockel
   
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