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Karl Handburger

 
geboren am 22.10.1898 in Würzburg
Straße  Weingartenstraße 4
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortIn oder bei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe vermutlich bald darauf ermordet
   
Karl Handburger war der Sohn von Isidor Handburger (1871-1942), der aus einer Weinhändlerfamilie stammte und Lina (Zerline) geb. Ehrlich (1872- 1933) aus Nackarzimmern. Seine Eltern hatten 1896 in Heidingsfeld geheiratet und lebten erst in Mosbach, ab 1898 in Würzburg und später im Heimatort seines Vaters in Kleinlangheim. Karls Vater war als Händler und Reisender an verschiedenen Orten im süddeutschen Raum tätig und führte in den zwanziger Jahren eine Zigarrengroßhandlung in Kleinlangheim, von wo er nach dem Tod seiner Frau 1933 nach Würzburg zog.
Vor Karl wurde der Bruder Julius Friedrich (Jg. 1897) in Mosbach geboren, nach ihm kamen die Geschwister Melanie (1900-1982), Max (1901-1981) und Manfred (Jg. 1902) in Würzburg und Adolf (Jg. 1903) und Heinrich (Jg.1905) in Kleinlangheim auf die Welt.
Nach seiner Teilnahme am Ersten Weltkrieg gründete Karl Handburger in den 1920er Jahren in Würzburg die "Fränkische-Spirituosen-Vertriebs-Gesellschaft".
Seine Frau Käthe geb. Wachenheimer heiratete er im November 1934. Der Sohn Peter wurde im Jahr 1937 geboren. Im November 1938 wurde er nach dem Pogrom für einige Monate in Buchenwald inhaftiert. Seine Frau setzte sich für seine Freilassung ein u.a. mit dem Argument, dass sie über Straßburg ins Ausland verziehen wollten. In der Gestapoakte findet sich eine Erklärung einer Jeanne Simon aus Straßburg, in der diese versichert, ihre Eltern bei einem Aufenthalt dort zu unterstützen. Aufgrund des Alters kann Käthe Handburger aber nicht die Mutter dieses Kindes sein. Möglicherweise handelt es sich um ein uneheliches Kind Karl Handburgers oder wahrscheinlich um eine Verwandte, die sich als Kind ausgegeben hat, um Karl und Käthe die Ausreise zu ermöglichen.
Karl Handburger musste sein Geschäft auflösen und da seine Auswanderungsbemühungen erfolglos blieben, bei der Reichsbahn und bei der Stadt Würzburg Zwangsarbeit leisten. Im November 1939 war die Familie gezwungen, ihr Anwesen verlassen und in ein sog. „Judenhaus“ in die Hindenburgstraße 34 umzuziehen.
Am 27. November 1941 wurde Karl Handburger zusammen mit seiner Ehefrau Käthe und dem vierjährigen Sohn Peter nach Riga-Jungfernhof deportiert. Die ganze Familie wurde dort oder in der Nähe ermordet.
Karls Vater Isidor Handburger starb in Theresienstadt im Dezember 1942. Sein jüngster Bruder Adolf kam mit Ehefrau Martha in Riga um. Andere Geschwister konnten sich in Sicherheit bringen: Melanie emigrierte mit ihrem Mann Moses Julius Vorchheimer aus Thüngen und Schwiegermutter Regina 1938 rechtzeitig in die USA, ebenso der Bruder Max. Heinrich war schon 1933 nach Israel ausgewandert.
Über das Schicksal des Bruders Julius heißt es, dass er Holocaust-Überlebender war und 1947 in Potsdam gelebt habe. Über Manfred weiß man nichts.

   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 237 f.;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 367, 365, 364;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/831446, (27.05.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (10.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Karl Handburger und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen Isidor Handburger; Grundliste Weingartenstraße 4;
Suche nach dem Schicksal von Geschwistern bei FamilySearch (https://familysearch.org), ancestry (http://search.ancestry.de,), https://billiongraves.com/social-security/MELANIE-VORCHHEIMER/12347949 http://www.findagrave.com/cgi-;
Auskunft der Gemeinde Thüngen, Verzeichnis der Jüdischen Einwohner.

Bild: Gestapoakte
Autorin / Autor Andreas Roser, Ingrid Sontag
Paten Herr Dr. Peter Gröbner
   
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