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Käthe Handburger, geb. Wachenheimer

   
geboren am 22.10.1909 in Würzburg
Straße  Weingartenstraße 4
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortin oder bei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe vermutlich bald darauf ermordet
   
Käthe Handburger war die Tochter des Weinhändlers Sally Wachenheimer (1869-1926) aus Schmieheim und seiner Frau Käthe geb. Gärtner (1874-1943) aus Unsleben. Ihr Vater war seit 1894 in Würzburg ansässig und führte nach einer Zeit als Angestellter eine Weinhandlung zusammen mit seinem Bruder Moses in der Weingartenstraße 4.
Die Eltern hatten vor ihr zwei Kinder, die aber tot geboren wurden oder nur kurz lebten. So blieb die 1909 geborene Käthe die einzige Tochter und wuchs zusammen mit ihren älteren Cousins, den Kindern von Moses Wachenheimer (1862-1915) und seiner Frau Jette geb. Gärtner (1870-1923) im Haus in der Weingartenstraße auf.
Käthe heiratete im November 1934 den Weinhändler Karl Handburger und wohnte zusammen mit ihm und dem 1937 geborenen Sohn Peter bei der Mutter, die seit 1926 verwitwet war. Onkel und Tante waren schon 1915 bzw. 1923 gestorben.
Als Käthes Mann Karl 1938 im Zuge des Novemberpogroms verhaftet und nach Buchenwald gebracht wurde, setzte sich Käthe mehrfach für seine Freilassung ein. Zu dieser Zeit wurde die Firma ihres Mannes aufgelöst und das Ehepaar bemühte sich intensiv um eine Emigration ins rettende Ausland. Die Geschwister ihres Mannes Max Handburger, Melanie Vorchheimer sowie der Cousin Ernst Wachenheimer sicherten Bürgschaften und ihre Unterstützung in den USA zu. Alle Bemühungen scheiterten. Käthes Mann musste Zwangsarbeit bei der Reichsbahn und der Stadt Würzburg leisten. Schon im November 1939 waren sie gezwungen, ihr Haus zu verlassen und in einem sog. „Judenhaus“ in der Hindenburgstraße 34 unterzukommen.
Am 27. November 1941 wurde Käthe Handburger zusammen mit ihrem Ehemann Karl und dem erst vierjährigen Sohn Peter nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe ermordet. Vermutlich fielen alle drei den Massenerschießungen der ‚Aktion Dünamünde‘ zum Opfer.
Käthes Mutter musste ein Jahr später nach Theresienstadt und starb dort im April 1943. Das gleiche Schicksal erlitt ihr Schwiegervater Isidor Handburger im Dezember 1942. Ihre beiden Cousins und die Cousine aus der Weingartenstraße konnten sich durch Emigration in den USA in Sicherheit bringen.

   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 238, 647;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 367;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/831447, (27.05.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Stadtarchiv Würzburg, Grundliste Weingartenstraße 4, Einwohnermeldebogen Sally Wachenheimer;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (10.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Käthe Handburger und ihre Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/.
Autorin / Autor Andreas Roser, Ingrid Sontag
Paten Herr Jeremy Hammond, Frau Inka Hammond
   
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