Dr. Sally Mayer

   
geboren am 07.06.1889 in Mayen b.Koblenz
Straße  Konradstraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.10.1944
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt, ermordet vermutlich im Oktober 1944 in Auschwitz
   
Sally Mayer nahm nach dem Besuch von Volksschule und Gymnasium 1908 sein Medizinstudium in Würzburg auf, das er 1913 mit dem 1. Staatsexamen beendete. Er absolvierte danach ein einjähriges Praktikum in Köln und wurde anschließend als Assistenzarzt am Städtischen Krankenhaus in Fürth/Mittelfranken eingestellt.
Ab Oktober 1914 diente er als Kriegsfreiwilliger im deutschen Heer; er blieb bis 1918 als Feld- und Militärarzt an der Front, wo er eine Gasvergiftung erlitt. 1915 war er bereits verwundet worden. Er erhielt das EK I. und II. Klasse und darüber hinaus weitere Auszeichnungen.
Nach Kriegsenden war er 1919 wieder in Fürth, wo er sich in der Einwohnerwehr - offensichtlich gegen die Räteherrschaft - engagierte. Dort ließ er sich auch Ende des Jahres 1920 als praktischer Arzt nieder. 1923 ging er als praktischer Arzt und Badearzt nach Bad Kissingen. Seit 1927 war er auch als Kassenarzt zugelassen. Er fungierte im Reichsbund Jüdischer Frontsoldaten als Vorstand und war Mitglied der gerade bei Juden angesehenen linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei (DDP).
Im September 1938 wurde ihm die Ausübung seiner ärztlichen Praxis durch die nationalsozialistische Regierung untersagt. Er konnte danach nur noch als "Krankenbehandler" für jüdische Patienten in Bad Kissingen und Umgebung tätig sein. Im Novemberpogrom 1938 gehörte er zu den etwa 30.000 jüdischen Männern, die in Deutschland gewissermaßen als Geiseln für die Erfüllung der den deutschen Juden auferlegten Zahlung von über 1 Milliarde RM festgenommen wurden. Am 12. Dezember 1938 wurde er aus dem KZ Dachau wieder entlassen.
Im März 1939 übernahm er als Nachfolger von Dr. Bernhard Gutmann die Leitung des Israelitischen Kranken- und Pfründnerhauses in Würzburg in der Dürerstraße 20.
Am 23. September 1942 wurde er zusammen mit seiner Frau Irma nach Theresienstadt und von dort im Oktober 1944 weiter nach Auschwitz deportiert. Dort endete beider Leben. Dr. Sally Mayer gilt als "verschollen in Auschwitz".
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7197;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 383 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/923273 (21.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/24398-sally-mayer/ (21.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=9819054&ind=1 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Würzburg - Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-16.jpg (21.06.2016).

Foto: Yad Vashem, Gedenkblatt.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Die Jakob-Stoll-Realschule, Frau Pallasch
   
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