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Selig Steinhäuser

 
geboren am 16.01.1884 in Oberlauringen/Ufr.
Straße  Sartoriusstraße 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 17.6.1943 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich kurz darauf ermordet
Sartoriusstraße 6; 2. Stein Sandbergerstraße 1
   
Selig Steinhäuser kam nach sieben Jahren Volksschulbesuch in Oberlauringen auf die Israelitische Präparandenschule in Burgreppach; anschließend besuchte er das Lehrerseminar in Straubing/Niederbayern, wo er 1903 sein Examen als Volksschullehrer ablegte. Er fand dann gleich eine Anstellung an der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg, zu deren Leiter er schon im Jahre 1913 aufstieg.

1916-1918 war er Kriegsteilnehmer in einer Nachrichtenabteilung; er erwarb mehrere Auszeichnungen. Vor dem Krieg war er einige Jahre Mitglied einer liberalen politischen Partei, danach Wähler und Anhänger der Bayerischen Volkspartei, der Vorläuferin der heutigen CSU.

In der Weltwirtschaftskrise musste seine Lehranstalt in Höchberg geschlossen werden, da ihre finanzielle Basis nicht stabil genug war. Selig Steinhäuser wurde in demselben Jahr als Seminarlehrer und stellvertretender Direktor an der Würzburger Israelitischen Lehrer-Bildungsanstalt (ILBA) übernommen. Er zog daraufhin auch nach Würzburg in die Nähe seiner neuen Wirkungsstätte, die gerade in die Sandbergerstraße 1 umgezogen war.

Er war Bezirksvorsitzender des Jüdischen Lehrervereins für Bayern und lange Jahre Vorsitzender, schließlich auch Liquidator (1939) der Lazarus-Ottensoser-Stiftung, der Trägerorganisation der Israelitischen Präparandenschule in Höchberg. Er fungierte auch als dritter Vorsitzender der Feist Hirsch´schen Aussteuerstiftung, einer Wohlfahrtsstiftung. Mit seiner Ehefrau war er Mitglied im Jüdischen Kulturbund.

Im Novemberpogrom 1938 wurde er, wie etwa 30000 jüdische Männer in Deutschland, verhaftet, am 6.12.1938 aus dem KZ Buchenwald wieder freigelassen. Nach der ebenfalls nach dem Novemberpogrom erfolgten Schließung der ILBA wurde er als Lehrer und Direktor der Israelitischen Volks- und Berufsschule in Würzburg übernommen und war dort bis zur Schließung auch dieser letzten jüdischen Schule in Würzburg im Schuljahr 1941/42 tätig. Er musste gleichzeitig auch leitende Funktionen in der Israelitischen Gemeinde übernehmen; so wurde er dritter Vorsitzender der Gemeinde und übernahm Verwaltungs- und Beratungsaufgaben für das Israelitische Krankenhaus und für die Emigration nach Palästina.

Am 17.6.1943 wurde er mit seiner Ehefrau nach Auschwitz deportiert. Bei dieser Deportation gab es keine Überlebenden, auch keinerlei Lebenszeugnisse aus dem Lager, so dass vermutet werden muss, dass die Deportierten unmittelbar nach der Ankunft ermordet wurden.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 15185, 18871.
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, mit einer wissenschaftlichen Einleitung von Herbert A. Strauss, Bd. II, Würzburg 1989, S. 584.
Roland Flade, Lehrer, Sportler, Zeitungsgründer. Die Höchberger Juden und die Israelitische Präparandenschule, Würzburg 1998 (Schriften des Stadtarchivs Würzburg, H. 12), S. 62, 114 f.
Max Ottensoser/Alex Roberg (ed.), ILBA. Israelitische Lehrerbildungsanstalt Würzburg 1864-1938, Huntington Woods, Michigan 1982.
Autorin / Autor Dr. Hans-Peter Baum
Paten Die David Schuster- Schule, Borns
   
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