Siegfried Schwab

    
geboren am 20.09.1885 in Fürth/Mfr.
Straße  Neubergstraße 44
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich im Winter 1941/42 dort oder in der Nähe ermordet
   
Siegfried Schwab war Architekt und Regierungsbaumeister und stammte aus Fürth, wo seine Eltern Jakob Schwab (1845-1893) und Sofie, geb. Feuchtwanger aus Schwabach (1956-1990) lebten. Sein Bruder Josef (Jg.1884) starb 1889 mit knapp fünf Jahren und bald darauf auch seine Eltern. Wo Siegfried und sein Bruder Ludwig (Jg.1890) als Waisen aufgewachsen sind, ist nicht bekannt. Ludwig Schwab konnte 1932 emigrieren und überlebte in New York.

Nach dem Besuch von Volksschule und Humanistischem Gymnasium in seiner Heimatstadt Fürth studierte Siegfried Schwab an der TH München und schloss sein Studium 1908 mit der Prüfung zum Diplom-Ingenieur ab. In den Jahren 1908-1911 war er als Praktikant im Stadtbauamt Fürth und Landbauamt Nürnberg tätig. Nach der Staatsprüfung 1911 trat er in den Dienst der Reichsbahn und wurde bei den Direktionen München und Nürnberg beschäftigt.

Siegfried Schwab war von Februar 1915 bis zum Schluss Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg, wurde zweimal verwundet, zum Unteroffizier befördert und erwarb das EK II. Klasse. Noch 1935 wurde ihm das Ehrenkreuz für Frontkämpfer verliehen und er war Mitglied im Reichsbund jüdischer Frontsoldaten. Nach Kriegsende war er kurzzeitig Mitglied in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei gewesen, später war er politisch nicht mehr aktiv.

Zwischen 1919 bis 1921 unterrichtete er als Aushilfslehrer an der Kreisbauschule Würzburg. Danach war er bis 1924 wieder als Regierungsbaumeister bei der Reichsbahn in Würzburg und Nürnberg beschäftigt. 1932 schied er als Angestellter ohne Pensionsberechtigung aus dem Dienst der Reichsbahn aus und arbeitete danach als freiberuflicher Architekt. Er erhielt allerdings nur kleinere Aufträge von jüdischen Bauherren, so 1926 zur Renovierung und Neugestaltung der Würzburger Synagoge, 1933 bis 1936 zum Umbau der Gemeindeeinrichtungen in der Konradstraße 3 (Altersheim) und Bibrastraße 6 (Schülerwohnheim). 1937 erhielt er Berufsverbot.

Siegfried Schwab hatte 1921 Julie Fleischmann (Jg.1896) aus Würzburg geheiratet und mit ihr zwei Töchter: Susanne kam 1922 und Gertrud 1925 zur Welt. Er war zusammen mit seiner Ehefrau Mitglied im Jüdischen Kulturbund.

Nach der Pogromnacht wurde er festgenommen und vom 12. November bis 6. Dezember 1938 in Buchenwald inhaftiert. Bei seiner Entlassung verpflichtete er sich, möglichst bald auszuwandern. Für eine mögliche Emigration nach Palästina oder Amerika war er bereits in den entsprechenden Konsulaten vorgemerkt. Bereits am 21. Dezember 1938 lag von einem Cousin aus Brooklyn ein Affidavit für Siegfried Schwab und seine Familie vor, ebenso eines von einem Freund. Beide konnten die Familie nicht mehr retten, alle Bemühungen waren erfolglos.

Seit August 1939 leistete Siegfried Schwab Zwangsarbeit bei Würzburger Baufirmen. Wie die anderen jüdischen Opfer auch wurde die Familie durch Hausdurchsuchungen, Herabsetzung der verfügbaren Freibeträge und Rausschmiss aus den Wohnungen in immer beengtere Behausungen drangsaliert. So musste die Familie im Laufe des Jahres 1940 in den Haugerring 16 und im Jahr darauf in die Komturei 2 umziehen.

Am 27. November 1941 gehörte er mit seiner ganzen Familie zu den Opfern, die von der ersten Deportation von Würzburg nach Riga erfasst wurden. Dort wurden er selbst, seine Frau Julie und seine beiden Töchter entweder gleich nach der Ankunft oder wenig später ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13863;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1939-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg, 1989, T. 2, S. 530/531;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/969922 (23.06.2016);
Familysearch, Suche nach Ludwig Schwab, https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:F3JQ-J32 und https://familysearch.org/ark:/61903/1:1:242M-55L (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Herr Wolfgang Greb, Frau Vivian Greb
   
zurück