Julie Schwab, geb. Fleischmann

   
geboren am 21.07.1896 in Würzburg
Straße  Neubergstraße 44
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
Todesortbei Riga
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und vermutlich im Winter 1941/42 dort oder in der Nähe ermordet
   
Julie Schwabs Eltern waren erst wenige Jahre vor ihrer Geburt 1896 im Jahr 1892 von Schonungen nach Würzburg zugezogen. Ihr Vater war Samuel Fleischmann (1816-1904), der hier als "Privatier" in der Unteren Bockgasse 10 lebte. Ihre Mutter Ida, geb. Laubheim stammte aus Bibergau (1859-1926).

Julie wurde 1917 als Stenotypistin in einer Kriegsdienststelle in Würzburg angestellt. Im September 1921 heiratete sie Siegfried Schwab. Das Ehepaar hatte zwei Töchter, die beide in Würzburg geboren wurden: Susanne kam 1922 auf die Welt, Gertrud 3 Jahre später. Julie Schwab war zusammen mit ihrem Mann Mitglied im Jüdischen Kulturbund. Ihr Mann war bis 1932 in den Diensten der Reichsbahn und danach als Architekt freiberuflich tätig. Im Jahr 1937 erhielt er Berufsverbot und die Lebensbedingungen für die Familie wurden immer schwieriger: Ihr Mann musste Zwangsarbeit ab August 1938 leisten, wurde nach der Pogromnacht Ende 1938 in Buchenwald inhaftiert und mit der Auflage entlassen, die Auswanderung zu betreiben. Obwohl von einem Cousin und einem Freund ihres Mannes aus New York bereits Ende 1938 Bürgschaftserklärungen für die Familie vorlagen, hatten diese Bemühungen keinen Erfolg mehr. Durch Hausdurchsuchungen, erzwungene Umzüge, Kürzung des verfügbaren Geldbetrags wurde die Lage der Familie immer bedrohlicher.

Am 27. November 1941 wurde Julie Schwab von ihrem letzten Aufenthaltsort in der Komturei 2 aus zusammen mit Ehemann und beiden Töchtern unter den „Evakuierungsnummern“ 289-292 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert. Die Gestapo vermerkt, dass vorher noch vier Silberlöffel abgegeben wurden. Vermutlich wurden Eltern und Kinder gleich nach der Ankunft ermordet oder starben wenig später. Das genaue Todesdatum war nicht zu ermitteln.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 13863;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1939-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg, 1989, T. 1, S. 150; T. 2, S. 530 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/969873 (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg5.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Die Josef-Greising-Schule, Frau Helena Beuchert
   
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