Dr. Johanna (Henny) Stahl

   
geboren am 16.03.1895 in
Straße  Konradstraße 9
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.06.1943
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.6.1943 nach Auschwitz, ermordet im Juni 1943 in Auschwitz
Konradstraße 9
   
Johanna Stahl machte 1914 an der Sophienschule ihr Abitur und studierte anschließend Volkswirtschaft in Frankfurt. Nach der Promotion kehrte sie in ihre Heimatstadt Würzburg zurück. Sie schrieb hier für die angesehene Frankfurter Zeitung und redigierte einige Jahre lang die Bayerische Frauenzeitung. Johanna Stahl setzte sich für die Verbesserung der rechtlichen Situation von Frauen ein und machte dabei auch vor religiös begründeten Einschränkungen nicht Halt. In der Jüdischen Kultusgemeinde hatten Frauen zwar das aktive Wahlrecht, konnten selbst aber nicht gewählt werden. Johanna Stahl plädierte nachdrücklich für eine Änderung und in Würzburg gelang es ihr und ihren MitstreiterInnen, wenigstens einen Kompromiss durchzusetzen, der den Frauen Mitsprachemöglichkeit gab. Politisch engagierte sie sich in der (liberalen) Deutschen Demokratischen Partei (DDP), für die sie 1929 auf der Stadtratsliste kandidierte. Da sie ihren Beruf als Journalistin auf Druck der Nazis aufgeben musste, arbeitete Johanna Stahl ab 1934 bei der "Arbeitsgemeinschaft für Beratung und Wirtschaftshilfe", eine aus Spenden finanzierte Koordinationsstelle für die Selbsthilfeaktivitäten der Jüdischen Gemeinde in Würzburg. Sie beriet von Boykottaktionen und Berufsverboten Betroffene und gab Hilfestellung bei der beruflichen Neuorientierung. Zudem unterstützte sie Auswanderungswillige mit Rat und Tat. Sie hielt z.B. Kontakt zu in- und ausländischen Organisationen, die für diesen Personenkreis von Nutzen sein konnten. 1938 wurde ihr eigener Ausreiseantrag zwar genehmigt, sie entschloß sich aber, in Deutschland zu bleiben. Einer ihrer Kontakte wurde Johanna Stahl schließlich zum Verhängnis. Nach einem Besuch in der Geschäftsstelle der "Arbeitsgemeinschaft" wurde Frau Dr. Gertrud Luckner von der Caritas, die Verfolgten half, noch auf der Rückreise im Zug verhaftet. Kurz darauf durchsuchte die Gestapo das Büro nach Beweisen für eine enge Zusammenarbeit mit Dr. Luckner. Man fand zwar nichts, aber Johanna Stahl und Iwan Schwab, der Geschäftsführer der jüdischen Selbsthilfe wurden trotzdem verhaftet. Mit dem Güterzug, der am 17.6.1943 Würzburg Richtung Auschwitz verlies, wurde Johanna Stahl zusammen mit der letzten Gruppe unterfränkischer Juden deportiert. Diejenigen, die die Fahrt überlebt hatten, wurden in Auschwitz nicht einmal mehr registriert, sie wurden vermutlich sofort nach der Ankunft ermordet.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14898
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2.erw.Aufl., Würzburg 1996
Reiner Strätz, Biogr.Handb.Würzburger Juden
Frauen in Würzburg: Stadtführer und Lesebuch, hg. von der Gleichstellungsstelle für Frauen der Stadt Würzburg, Würzburg, 1996
Autorin / Autor Dr. Dorothee Klinksiek
Paten Frau Rosa Grimm
   
zurück