Adolf (2) Josef Stern

   
geboren am 17.09.1878 in Würzburg
Straße  Schweinfurter Straße 36
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatum00.00.1942
TodesortIzbica
   
deportiert am 25.4.1942 nach Izbica, ermordet vermutlich 1942 im Raum Lublin (Izbica)
   
Adolf Stern erhielt eine kaufmännische Ausbildung und arbeitete wahrscheinlich zunächst im elterlichen Weingeschäft mit. 1898 leistete er seinen Militärdienst und war dann bis etwa 1910 Brauereibesitzer und Malzfabrikant. Er war Mitinhaber der Hirschbräu in Rottendorf, einer Brauerei, die von der für die Entwicklung der Würzburger Wirtschaft im 19. Jahrhundert sehr bedeutenden Familie von Hirsch auf Gereuth gegründet worden war.

Im Jahre 1915 heiratete Adolf Stern. Seine Ehefrau war Maria, geb. Kundmüller, geschiedene Rackebrandt; sie war katholisch und stammte aus Iowa City in den USA. Mit ihr zusammen führte er in der Schweinfurter Straße 36, wo das Ehepaar auch wohnte, eine Kunsteisfabrik ("Kunsteis- und Kühlwerke Würzburg"), seit den 1920er Jahren zusätzlich eine Weingroßhandlung, deren Kellerei sich im Zwinger 26 befand. 1935 musste Adolf Stern den Weinhandel aufgeben.

Er bemühte sich um die Auswanderung in die USA. Die Gestapo bescheinigte ihm 1938/39 auch, dass gegen die Ausstellung eines Passes keine Einwände bestünden und gegen seine Auswanderung auch keine steuerlichen Bedenken zu erheben seien. Laut Angaben in der Gestapoakte wollte seine Ehefrau sich von ihm trennen, die Scheidung wurde danach im April 1939 eingeleitet. Dadurch verlor Adolf Stern den Schutz, den die "Mischehe" ihm noch gewährt hatte. Die Auswanderungspläne konnten offensichtlich nicht realisiert werden, denn im Jahre 1940 war er als Zwangsarbeiter bei der Straßenreinigung in Würzburg beschäftigt und wohnte im jüdischen Altersheim in der Konradstraße 3. Dieses Haus fungierte als "Judenhaus", in ihm wurden Juden unabhängig von ihrem Alter zwangsweise untergebracht, nachdem man ihnen ihre Wohnungen gekündigt hatte.

Als Arbeiter bei der Straßenreinigung verdiente Stern laut Gestapoakte etwa 65 RM im Monat, während die Unterkunft im Heim in der Konradstraße monatlich mit 120 RM berechnet wurde. So schmolz sein noch verbliebenes Vermögen zwischen 1938 und 1940 von 13.000 RM auf 7 - 8.000 RM. Laut einem ärztlichen Befund vom November 1939 lag bei Adolf Stern ein leichtes Herzleiden vor, er sollte daher bei der Arbeit nicht überbelastet werden. Wohl aus diesem Grund wurde er im April 1940 von der Arbeit bei der Straßenreinigung freigestellt und beim Beerdigungsdienst in der Israelitischen Gemeinde beschäftigt; seit 1941 war er dann Pförtner im Israelitischen Pfründnerhaus.

1940 beschlagnahmte die Gestapo bei einer Durchsuchung seiner Wohnung Schokolade, Zigarren, einen Anzug und eine Aktentasche. 1941 beantragte die Zollfahndung eine Strafe von 510 RM gegen ihn, weil er eine goldene Uhr und zwei goldene Ketten, deren Besitz er 1938 gemeldet hatte, noch nicht abgegeben hatte. Auf seinen eigenen Antrag wurde im April 1942 sein noch verbliebener Besitz versteigert; der Erlös belief sich auf 61,90 RM.

Bei der großen Deportation vom 25. April 1942 war Adolf Stern als Ordner eingeteilt. Er wurde mit ca. 850 Leidensgenossen nach Izbica im Raum Lublin (Ostpolen) verschleppt. Dort verliert sich seine Spur. Da es kaum Überlebende des Ghettos Izbica gibt und auch er "für tot erklärt" wurde, dürfte er in Izbica verstorben oder von dort in ein Vernichtungslager überführt und ermordet worden sein.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15263;
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Die Pestalozzi-Hauptschule 8. Klassen, Rektorat
   
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