Ernestine (Esther) Wormser, geb. Hirsch

   
geboren am 24.11.1857 in Bischwind/Ufr.
Straße  Schweinfurter Straße 20
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum06.12.1942
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und am 06.12.1942 dort ermordet
   
Ernestine Hirsch kam als zweite Tochter des Viehhändlers Abraham Hirsch aus Bischwind (Jg. 1825) und seiner Frau Karoline Heinemann aus Obereuerheim 1857 auf die Welt. Dort hatten ihre Eltern 1855 geheiratet. Nach der Geburt von Karoline (Jg. 1856), Ernestine (Ester) und Fanni (Jg.1859) zog die Familie nach Gerolzhofen, wo die Geschwister Hermann (Jg.1861) und Regina (Jg. 1864) die Familie vergrößerten.

Über den Lebensweg von Ernestine Wormser ist kaum etwas bekannt. Sie heiratete den Kaufmann Samuel Wormser (1855-1887) und wohnte mit ihm im Haus Nr. 59 ½. in Oberlauringen/Ufr., wo sie den nächsten Lebensabschnitt verbrachte. Ihr Mann starb bereits 2 Jahre nach der Geburt ihrer Tochter Bella (1885-1941/42) in jungen Jahren. Zwar hatte ihr Mann zahlreiche Geschwister und Stiefgeschwister aus der ersten und zweiten Ehe seines Vaters Isaak Wormser (1815-1884), doch lebten von denen viele nicht mehr oder nicht in Oberlauringen, so dass unklar ist, wie Ernestine Wormser ihren Lebensunterhalt und den ihrer Tochter bestreiten konnte.

Bald nachdem die Tochter 1910 in Oberlauringen den Altwarengroßhändler Josef Kastanienbaum (1880-1941/42) aus Würzburg geheiratet hatte, zog Ernestine Wormser 1913 zu ihr und ihrer Familie in die Schweinfurter Straße. Die Enkelin Senta war da zwei Jahre alt (Jg.1911), die jüngere Margot kam einige Jahr danach auf die Welt (1918-1941/42). Ernestine Wormser lebte bei den Kastanienbaums bis die Familie zur Aufgabe ihres großen Hauses gezwungen wurden.

Ende 1938, also im Alter von 81 Jahren, hatte Ernestine Wormser noch den Plan gehabt, in die USA zu emigrieren, jedoch zerschlug sich dieses Vorhaben. Sie zog zunächst mit ihren Verwandten in eine kleinere Wohnung in der Ludendorffstraße 10 (Rottendorfer Straße) und später in die Bibrastraße 17. Ab Juli 1941 wohnte sie im Jüdischen Altersheim in der Dürerstraße 20.

Am 23. September 1942 wurde Ernestine Wormser bei der letzten großen Deportationen von Juden aus Unterfranken nach Theresienstadt verschleppt, wo sie wenige Wochen nach ihrem 85. Geburtstag verstarb.

Ihre Schwägerin Klara Wormser, geb. Adelsdorfer (Jg. 1866) hatte kurz zuvor das gleiche Schicksal erlitten. Tochter Bella Kastanienbaum sowie die Enkelin Margot Peisak und deren Ehemänner wurden bei Riga ermordet. Die Enkelin Senta Butzel hatte rechtzeitig emigrieren können. Sie hat für ihre Angehörigen die Gedenkseiten in Yad Vashem angelegt.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 17726;
Staatsarchiv Würzburg, Pfarrmatrikelauszug Bischwind, Nr. 1017;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdisches Standesregister Gerolzhofen, Bd. 29;
Auskünfte von Cordula Kappner aus Haßfurt über die Familie Wormser aus Oberlauringen am 26.02.2016;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 682, 438, T. 1, S. 111, 293;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/995864 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1821847&ind=4 (26.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/37275-ernestine-wormser/ (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-25.jpg (22.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Die Evangelische Kinder- und Jugendhilfe, Herr Jankowski
   
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