Johann (Hans) Paul

   
geboren am 28.12.1891 in Würzburg
Straße  Kartause 9
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum04.05.1942
Todesdatum01.09.1942
TodesortFlosssenbürg
   
am 25.03.1942 verhaftet, am 04.05.1942 in das KZ Flossenbürg verlegt und dort am 01.09.1942 ermordet
   
Johann Paul wird 1891 als fünftes Kind des Karl Friedrich Paul (1858-1902) und seiner Ehefrau Marie Paul, geb. Friedel (1864-1936) in Würzburg geboren, die 1886 geheiratet hatten. Die vier jüngeren Geschwister, die nach ihm zwischen 1893 und 1902 auf die Welt kommen, sterben entweder kurz nach der Geburt oder in jungen Jahren. Sein Vater, evangelischer Konfession und aus Prichsenstadt stammend, betreibt wie schon sein Großvater Paulus Paul, eine Lohnkutscherei in der Kroatengasse 12.
Nach dem Tod des Vaters führt die Mutter den Betrieb einige Jahre zuerst unter der alten Adresse, dann in der Schießhausstraße 13 weiter, wo auch Johann und ein Teil seiner Geschwister mit ihr leben. Er erhält eine Ausbildung als Buchbinder und zieht Anfang der 1920er Jahre mit der Mutter in die Bibrastraße 25R. Nach deren Tod 1936 wohnt er dann in der Kartause 9. Mittlerweile hat er Marie Mainberger (1904-1961) geheiratet. 1937 beantragt er für sich und seine Ehefrau einen Reisepass. Das Ehepaar hat keine Kinder.
Am 25. März 1942 wird Hans Paul verhaftet und einige Wochen später am 4. Mai ins KZ Flossenbürg überstellt. Er stirbt nach wenigen Monaten Haft am 1. September 1942. Die Gestapo-Akte über ihn verzeichnet, er sei 1919 als "radikales Element" in Erscheinung getreten. Ob und wenn ja, welcher „Systempartei“ er angehöre, sei nicht bekannt. Aus Archivmaterialien der Staatsanwaltschaft lässt sich eine Verbindung Hans Pauls zu Toni Waibel erkennen, der in Würzburg im April 1919 die Räterepublik proklamiert hatte.
Inzwischen ist bekannt, dass der Anlass für Hans Pauls Verhaftung und Überstellung nach Flossenbürg eine Art Vorbeugehaft nach der Verbüßung einer etwa einjährigen Zuchthausstrafe in Ebrach war. Aus diesem Grund hat das Landesentschädigungsamt 1957 eine Leistung an die Witwe abgelehnt.
Die genauen Umstände bleiben im Dunkel und Hans Paul - trotz allem – ein Opfer der NS-Diktatur.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 9283;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1900 - 1942, Einwohnermeldebögen der Familien Karl Friedrich Paul und Paulus Paul;
Akte des Haus Paul beim Bayerischen Landesentschädigungsamt;
Gefangenenbuch des Zuchthauses Ebrach TD 425 765, 1.2.2.1./11367174 / ITRS Digital Archive, Bad Arolsen;
Informationen über Verbindungen Hans Pauls zu Toni Waibel sind einem Vortrag von Helmut Försch anlässlich der Verlegung des Stolpersteins für Haus Paul am 22.9.2008 entnommen.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Herr Helmut Försch
   
zurück