Claire (Kläre) Rosenthal

   
geboren am 26.04.1889 in Worms
Straße  Rotkreuzsteige 10
Stadtteil Grombühl
Todesdatum17.11.1938
TodesortWürzburg
   
geb.Buschoff (Buschhoff), Freitod am 17.11.1938 in Würzburg als Folge des Pogroms vom 9./10.11.1938
Rotkreuzsteige 10
   
Claire Rosenthal war die Ehefrau des prominenten Würzburger Rechtsanwalts Dr. Karl Samuel Rosenthal. Sie war Hausfrau und Mutter von zwei Söhnen und einer Tochter. Wir wissen aus erhaltenen Briefen, dass Ehe und Familienleben sehr glücklich waren. Claire Rosenthal ist uns vor allem durch eine ergreifende Handlung zur Rettung ihres Mannes in der Folge der Pogromnacht bekannt. Dieser wurde in den frühen Morgenstunden des 10.11.1938 von der Gestapo verhaftet und - wie Zehntausende anderer deutscher Juden (allein aus Würzburg waren es 290; 130 in Buchenwald, 160 in Dachau) - als Geisel für die pünktliche Zahlung der den deutschen Juden, also den durch den Pogrom Geschädigten, auferlegten "Sühneleistung" von über 1 Mrd. Reichsmark in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. Karl Rosenthal war schon im Oktober 1935 im Zusammenhang mit der Verteidigung des der Gestapo besonders missliebigen Dr. Leopold Obermayer in "Schutzhaft" genommen und erst im Januar 1936 wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Methoden der Gestapo und die Zustände in den Haftanstalten und KZs waren Claire Rosenthal daher bekannt. Nur wenige Stunden nach der Festnahme ihres Mannes drang ein Mob von SA-Leuten in ihre Wohnung ein und zerstörte das Mobiliar. Am 12.11. erfuhr sie von der Gestapo, dass ihr Mann in Buchenwald eingeliefert worden war. In dieser Situation beschloss die völlig verzweifelte Claire Rosenthal, ihren Mann dadurch aus der Haft frei zu bekommen, dass sie sich das Leben nahm. Die Gewissheit, dass ihre drei Kinder in den USA in Sicherheit waren, bestärkte sie darin noch. Sie schrieb anrührende Abschiedsbriefe an ihre Kinder und an ein befreundetes Arztehepaar sowie Mitteilungen an den Polizeipräsidenten sowie die Gestapo Würzburg, worin sie um die sofortige Entlassung ihres Mannes aus der KZ-Haft bat. Anschließend nahm sie eine große Überdosis des Schlafmittels Veronal ein. In dem Brief an das Ehepaar Dr. Gutmann schrieb sie: "Heute früh hat man mir auf der Polizei mitgeteilt, daß sie meinen lieben guten Mann fort haben. Ihr wißt, was das heißt. Ich kann nicht atmen, wenn ich denke, daß er gequält wird. [...] Vielleicht darf der Meinige dadurch heim - jedenfalls würde ich ausharren, wenn ich ihm helfen könnte. Mit ihm könnt ich auch alles ertragen. Gott sei Dank, den Kindern geht´s gut. Ich hatte ein glückliches schönes Leben und vielleicht wird der Meinige dadurch frei [...]." Dr. Gutmann eilte sofort nach Empfang dieses Briefs in die Rotkreuzsteige, doch er kam zu spät. Die bereits ohnmächtige Claire Rosenthal wachte nicht mehr auf und verstarb am 17.11.1938 im Luitpoldkrankenhaus. Ihr Mann wurde daraufhin tatsächlich sofort aus dem KZ entlassen, doch teilte ihm die Gestapo über den Freitod seiner Frau nichts mit. Ein Nachbar erinnerte sich an die beklemmende Szene, als Karl Rosenthal - aus der Haft entlassen und voller Vorfreude auf das Wiedersehen - seine Frau mit seiner unerwarteten Freilassung überraschen wollte.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 2933, 8873, 11141
Reiner Strätz, Biogr.Handb.Würzb.Juden
Roland Flade, Die Würzburger Juden, 2.erw.Aufl.,1996, S. 322-327
Roland Flade, Der Novemberpogrom von 1938 in Unterfranken (Schriften des Stadtarchivs Würzburg, H. 6) 1988, S. 72.76
Autorin / Autor Dr. Hans-Peter Baum
Paten Herr Prof.Dr.Dr. Karlheinz Müller
   
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