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Hermann / Hirsch Weissbart

   
geboren am 11.09.1879 in Würzburg
Straße  Maxstraße 9 1/4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatumunbekannt
Todesortunbekannt
   
am 25. April 1942 nach Krasniczyn deportiert und im Raum Lublin ermordet
Haus Nr. 9 1/4 gibt es nicht mehr. Laut einem historischen Stadtplan war der Verlauf der Maxstraße damals in Richtung Stadtmitte anders als heute. Nr. 9 1/4 dürfte sich etwa dort befunden haben, wo heute das Haus mit dem Geschäft F.X.Müller, Ecke Spiegelstraße, steht.
   
Hermann Weissbart kam 1879 in Würzburg zur Welt. Sein Vater war der Garküchner Elias Weissbart aus Allersheim (1833 -1884), ein Sohn des dortigen Rabbiners Nathaniel Gabriel (auch Samuel) Weissbart, der aus Schweinshaupten schon vor 1870 zugezogen war. Seine Mutter war Eleonore (Karoline) geb. Hofmann (1850/1-1883), die vermutlich aus Kleinsteinach stammte. Im Einwohnermeldebogen des Vaters bei der Stadt Würzburg ist die Geburt von 10 Kindern des Ehepaars verzeichnet, wobei drei Kinder offensichtlich tot geboren wurden und drei kurz nach der Geburt starben. Als die Mutter 1883 starb, war diese 32 Jahre alt und noch vier ihrer Kinder waren am Leben: Nathaniel Gabriel (Jg.1870), Seligmann (Jg. 1871), die Schwester Daila (Martha) (1876-1967) und Hermann selbst. Der Vater betrieb eine Gaststätte im eigenen Haus in der Glockengasse 6. Einer der Brüder des Vaters, der Buchhändler Isaak Weissbart hatte im gleichen Haus sein Geschäft und auch der Bruder Jacob war in Würzburg wohnhaft und als Lehrer an der ILBA tätig. Nach dem Tod von Hermanns Mutter heiratete sein Vater Regine (Rachel) geb. Grünbaum (1863-1942) aus Kleinsteinach, vermutlich eine Verwandte der verstorbenen Mutter. Im April 1884 starb dann auch der Vater. Die Geschwister wuchsen wohl bei der Stiefmutter auf, die bald nach dem Tod des Vaters Simon Eisenheimer (1859-1942) heiratete. Aus dieser Ehe stammten die drei Stiefgeschwister Hermanns: Adolf (1887-1943), Siegmund (Jg.1888) und Selma (Jg.1892)
Hermann erlernte das Schneiderhandwerk, machte sich um 1903 selbständig und betrieb bis ca. 1935 ein Geschäft für Herrengarderobe. Er blieb unverheiratet und hatte an verschiedenen Adressen in Würzburg gewohnt, bevor er dann für lange Jahre mit Wohnung und Laden in der Maxstraße 9 ¼ gemeldet war. In den Jahren 1916-1919 war er als Unteroffizier im 1. Weltkrieg eingesetzt.
1939 musste er in das Jüdische Wohnheim in der Bibrastr. 6 umziehen. Von dort aus wurde er am 25. April 1942 nach Krasniczyn (Raum Lublin) deportiert, wo sich seine Spur verliert.
Während seine Stiefmutter Regina und ihr Ehemann Simon Eisenheimer nach Theresienstadt verschleppt wurden und dort 1942 umkamen, konnte sich die Schwester Martha (auch Deila) Rosenrauch 1940 in die USA retten. Dort starb sie in hohem Alter.
Über das Schicksal von Hermanns älteren Brüdern ist nichts bekannt. Sein Stiefbruder Siegmund starb noch Ende der 30er Jahre, Adolf konnte zwar 1938 emigrieren, starb aber schon wenige Jahre danach. Selma verh. Hirsch überstand die Verfolgungen in den Niederlanden und verließ Rotterdam in Richtung USA 1946 und starb dort im Jahr 1978. Biographie erstellt September 2008, überarbeitet September 2017
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 665;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/988900 (26.06.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1880-1941, Einwohnermeldebogen von Hermann/Hirsch Weissbart, Elias Weisbart und Simon Eisenheimer, Grundlisten Maxstraße 9 ¼ und Glockengasse 6;
Staatsarchiv Würzburg, Jüdisches Standesregister Allersheim Bd. 4, Schweinshaupten Bd. 124; Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Hermann Weissbart und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/;
(3.8.2017);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Suche nach Deila Martha Rosenrauch und Adolf Eisenheimer bei Familysearch, https://familysearch.org (3.8.2017).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der Verein der Naturfreunde Deutschlands, Herr Edgar Dünninger
   
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