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Jettchen Lebermann

   
geboren am 21.07.1907 in Würzburg
Straße  Amalienstraße 2
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 23.9.1942 nach Theresienstadt, am 12.10.1944 nach Auschwitz deportiert und dort vermutlich 1944 ermordet
   
Jettchen Lebermann war die jüngste Tochter des Kultusbeamten bei der IKG Leopold Lebermann (1868-1942) und seiner Frau Sara, geb. Spiegel (1875-1957). Ihre Eltern hatten 1898 geheiratet und vier Kinder: Vor Jettchen kamen ihre Geschwister Ferdinand 1899, Emma 1902 und Jakob 1904 in Würzburg auf die Welt.
Ferdinand studierte Medizin und wurde Facharzt, Jakob machte eine kaufmännische Lehre, ließ sich zuerst in Bingen nieder und wanderte 1936 nach Italien aus. Über die Ausbildung ihrer Schwester Emma ist nichts bekannt. Beide Schwestern blieben unverheiratet und wohnten bei den Eltern in der Amalienstraße 2. Wie ihr Bruder Jakob ergriff auch Jettchen einen kaufmännischen Beruf und war als Kontoristin beschäftigt. Im Jahr 1938 stellte sie einen Antrag auf Ausreise nach Palästina, wo sich ihr Bruder vermutlich schon befand.
Der Gestapoakte ihres Vaters Leopold ist zu entnehmen, dass sie mit den Eltern in der Seelbergstraße 5 wohnte, als dort 19.11.1940 eine Hausdurchsuchung durchgeführt wurde um Vorwände für sogenannte Devisenvergehen zu finden. Der Umzug dorthin hatte erzwungenermaßen im Juni 1939 stattgefunden. In den folgenden Jahren verkaufte sie Hausrat, Glas und Porzellan, bevor sie mit ihren Eltern ins Jüdische Altersheim in der Konradstraße umzog. Aus einem Gesundheitszeugnis in ihrer Gestapoakte geht hervor, dass ihr Gesundheitszustand mittlerweile sehr schlecht war: Sie wog bei einer Körpergröße von 1,59 m nur 44 ½ kg und hatte Schwächezustände, so dass ihr bescheinigt wurde, keine schwere körperliche Arbeit verríchten zu können. Da war sie gerade mal 35 Jahre alt.
Am 23.9.1942 wurde sie zusammen mit ihrem Vater Leopold und ihrer Mutter Sara nach Theresienstadt deportiert. Zuvor hatte man ihr noch 9.722.- RM für einen Heimeinkaufvertrag abgenommen und per Zustellungsurkunde die Einziehung des restlichen Vermögens wegen „Wohnsitzverlegung“ in den Osten mitgeteilt. Im Ghetto Theresienstadt war sie als Buchhalterin eingesetzt. Am 12.10.1944 wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo sie vermutlich kurze Zeit später umgebracht wurde.
Jettchens Vater starb nur zwei Monate nach Ankunft in Theresienstadt. Ihre Mutter gehörte zu den wenigen Würzburger Überlebenden des Holocaust und wanderte 1949 zu Jettchens Bruder nach Palästina aus. Ihr Bruder Ferdinand hatte seinem Leben nach dem Berufsverbot 1938 selbst ein Ende gesetzt und Schwester Emma war schon vor der restlichen Familie deportiert und im Raum Lublin ermordet worden.
Biografie erstellt September 2008, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 5754, 5755, 5756; Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1904-1941und Grundliste Amalienstraße 2;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de909403 ( 16.4.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 - 1945, Würzburg 1989, T. 1, S.332, 333.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Annalucia Hradovic-Bork
   
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