Dr. Heinrich Stein

   
geboren am 10.05.1905 in Messelhausen (Baden)
Straße  Haugerring 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum15.05.1944
Todesdatumunbekannt
TodesortKowno (Kaunas)
   
im September 1943 in Frankreich verhaftet, in Drancy interniert, von dort am 15.5.1944 nach Kowno (Kaunas) deportiert und vermutlich 1944 dort ermordet
   
Heinrich Stein war der Sohn des Kaufmanns Isidor Stein (Jg. 1873), der aus Messelhausen/Baden stammte und dort eine Textilgroßhandlung gegründet hatte. Seine Mutter war Lina May (1879-1941) aus Gerolzhofen. Vor ihm war die Schwester Irma Jeanette 1902 auf die Welt gekommen. Im Herbst 1907 verlegte der Vater Wohn- und Geschäftssitz nach Würzburg. Heinrich wuchs in Würzburg auf und verbrachte seine Kindheit zunächst in der Alleestraße 11. 1912 zogen die Eltern in die Sanderglacisstraße 18, fünf Jahre später in die Hindenburgstraße 18 und im Jahr 1919 dann an den Haugerring 9 (heute etwa Haugerring 11). Das väterliche Geschäft befand sich schon ab 1912 in der Marcusstraße 9.
Heinrich ging ins Neue Gymnasium und bestand dort im März 1924 sein Abitur. Anschließend studierte er in Würzburg Jura, erhielt im März 1928 sein Referendarszeugnis und legte seine Doktorarbeit vor. Diese hat er dem Andenken seines Lehrers Gustav Tachauer gewidmet, vermutlich sein Religionslehrer an der Höheren Schule. Am 1. April 1928 begann er den Vorbereitungsdienst am Amtsgericht Würzburg. Heinrich Stein war unverheiratet und lebte bei seinen Eltern.
Von 1929 bis zu seinem Wegzug nach Mannheim im August 1931 war er Mitglied der SPD. Ob und in welcher Weise er in Mannheim beruflich tätig war, ist nicht bekannt. Im Juni 1933 emigrierte er nach Paris. Vermutlich studierte er dort erneut Jura, da seine deutschen Examina in Frankreich nicht anerkannt waren. Der Sprung in eine gesicherte Existenz als Anwalt gelang ihm wie den meisten Emigranten offensichtlich nicht. Er lebte in ärmlichen Verhältnissen. Von 1939 bis 1943 war er im Dienst der französischen Armee in Afrika. Nach seiner Rückkehr nach Frankreich wurde er im September 1943 verhaftet und später im Durchgangslager Drancy interniert. Dort wurde er als landwirtschaftlicher Arbeiter registriert. Am 15.5.1944 deportierte man ihn in das KZ Kowno (heute Kaunas). Dieses KZ wurde von der SS beim Vorrücken der Roten Armee am 25.7.1944 dem Erdboden gleich gemacht. Die noch verbliebenen Gefangenen wurden erschossen - unter ihnen wahrscheinlich auch Dr. Heinrich Stein.
Der Vater Isidor musste sein Geschäft aufgeben und umziehen. Noch bevor er ins Jüdische Altersheim in der Konradstraße übersiedeln sollte, gelang ihm im Juli 1941 die Ausreise nach Kuba. Seine Gestapoakte enthält ausschließlich Briefwechsel, die das Bemühen der Behörden dokumentieren, sich die in Würzburg verbliebenen bescheidenen Vermögenswerte anzueignen. Die Mutter Lina Stein war vermutlich Anfang 1941 in Würzburg verstorben. Heinrichs Schwester Irma, geschiedene Wolff, war am 1.3.1938 nach New York ausgewandert, hatte einen Bert (Burt) Dillenberger aus Urspringen geheiratet und in den 50er Jahren, dann das Rückerstattungsverfahren betrieben.
Biographie erstellt November 2008, überarbeitet Mai 2016
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 15100, 15105 17673;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de974608 (21.5.2016);
Memorial de la Shoah, http://bdi.memorialdelashoah.org/internet/jsp/core/MmsRedirector.jsp?id=57720&type=VICTIM# (21.5.2016);
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.2, S. 578, 579;
Heinrich Stein, Die Erörterung der Frage, ob nach dem BGB der Gläubiger eines Schadensanspruches in einzelnen Fällen das Interesse eines Dritten geltend machen kann, Würzburg 1929;
Reinhard Weber, Das Schicksal der jüdischen Rechtsanwälte in Bayern nach 1933, München 2006, S. 152¸
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Heinrich Stein und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der Anwaltverein Würzburg
   
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