Dr. Leopold Loeb

   
geboren am 06.09.1880 in Ungstein/Pfalz
Straße  Haugerring 12 (ehem.7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum00.00.1941
TodesortRiga
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga und dort vermutlich nach dem 27.11.1941 ermordet
Laut einem historischen Stadtplan war die Nummerierung der Häuser zu der Zeit gegenläufig zur heutigen und ging von Nr.1 bis Nr.22, heute nur noch bis Nr.12. Die Gebäude-Komplexe sind heute auch viel größer als damals. Der Haugerring 7 befindet sich heute etwa am Haugerring 12 - Ecke Neutorstraße.
   
Dr. Leopold Loeb war Tierarzt. Er besuchte nach der Volksschule in seinem Heimatort Ungstein das Progymnasium in Bad Dürkheim, anschließend das Gymnasium in Neustadt/Haardt und absolvierte dort das Abitur. Er studierte Tiermedizin an der Universität München und promovierte dort. Während seines Studiums war er Mitglied einer schlagenden Studentenverbindung. Nach dem Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger in Würzburg ließ er sich hier als selbstständiger Tierarzt nieder. In seiner tierärztlichen Praxis dürfte er sehr erfolgreich gewesen sein, denn er wurde - wie seine Gestapoakte erkennen lässt - ein einigermaßen wohlhabender Mann.
Von 1914-1918 leistete er als Stabsveterinär Dienst im Felde und wurde mit dem EK II. Kl. ausgezeichnet; im Oktober 1917 wurde er verwundet. Noch im Januar 1935 erhielt er das "Ehrenkreuz für Frontkämpfer". Leopold Loeb war deutschnational eingestellt und kulturell völlig assimiliert. Er war Mitglied des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten, des Jüdischen Turn- und Sportvereins, des Jüdischen Kulturbunds und der Frankenloge (Bne Briss).
Im September 1933 kam er erstmals unter Gestapo-Beobachtung. Laut einer anonymen Anzeige hatten sich angeblich mehrfach bis zu 25 Juden in seiner Wohnung versammelt. Es stellte sich heraus, dass der jüdische Lehrer Hermann Rosenbaum, der auch im Haugerring 7 gewohnt hatte, Anfang September 1933 verstorben war und dass sich - aber nur an einem Abend - die zehn für das Totengebet erforderlichen Männer in dessen Wohnung versammelt hatten; die Angelegenheit wurde daraufhin nicht weiter verfolgt. Im Novemberpogrom von 1938, am frühen Morgen des 10. Novembers 1938, wurde Leopold Loeb verhaftet - sicher nicht zuletzt deswegen, weil er als eine passende Geisel für die Zahlung der der jüdischen Bevölkerung auferlegten Sühneleistung von 1 Mrd. Reichsmark angesehen wurde. Das Gesundheitsamt bescheinigte ihm einen guten Ernährungs- und Gesundheitszustand und erklärte ihn für "lager- und arbeitsfähig". Am 21. November 1938 wandte sich seine Frau mit einer Eingabe um seine Entlassung an die Polizeidirektion Würzburg. Sie betonte darin, dass die bäuerliche Bevölkerung seine Dienste dringend benötige und wies auf seine Kriegsteilnahme hin. Am 6. Dezember 1938 wurde Leopold Loeb daraufhin aus dem KZ Buchenwald entlassen.
Am 19. Dezember 1938 beantragte er wegen eines schweren Bronchialkatarrhs (eine Folge der Haft?) Befreiung von der Pflicht, sich zweimal wöchentlich persönlich bei der Gestapo zu melden. Im Dezember 1938 bescheinigte die Gestapo außerdem, dass gegen die Auswanderung des Ehepaares Loeb nach Frankreich keine politischen Bedenken bestünden. Jedoch wurde es Leopold Loeb im Dezember 1939 nicht gestattet, zur Regelung von Familienangelegenheiten nach Worms zu reisen, weil sein Schwiegersohn angeblich "sehr gute Beziehungen zur französischen Regierung" hatte und somit "Verdacht der Nachrichtenübermittlung" gegeben sei.
Noch im September 1939 war Leopold Loeb zum Luftschutzwart ausgebildet worden. Ab September 1939 arbeitete er, da er von der Zwangsarbeit befreit worden war, als Krankenpfleger bei der Israelitischen Gemeinde; diese stellte ihm im November 1941 ein Zeugnis über seine hervorragenden Dienste aus. Im November 1941, einige Wochen vor der Deportation, wurde nach dem Bericht des Kreiswirtschaftsberaters bereits das Mobiliar des Ehepaares Loeb versteigert; der Erlös ging auf ein Sicherungskonto. Bis dahin hatte das Ehepaar Loeb auch schon 13.000,-RM "Reichsfluchtsteuer"und "Judenvermögensabgabe"von etwa 30.000,- RM Vermögen gezahlt.
Am 27. November 1941 wurde Leopold Loeb zusammen mit seiner Ehefrau Hedwig nach Riga deportiert; dort sind beide "verschollen".
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 6327;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 352 f.;
Hans-Günter Adler, Der verwaltete Mensch, S.739 ff.(dort irrtümlich falscher Name angegeben);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/917804 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Herr Thomas Hinkel
   
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