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Jakob Weglein

 
geboren am 24.12.1895 in Geldersheim/Ufr.
Straße  Prymstraße  2
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum30.11.1944
TodesortTröglitz, Außenlager von Buchenwald
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und am 30.11.1944 in Tröglitz/ Buchenwald ermordet
   
Jakob Weglein war das älteste Kind des Metzgers Gustav Weglein (1866-1943) und seiner Frau Regine, geb. Gerst (1868-1943) aus Geldersheim. Seine beiden jüngeren Schwestern Selma, verh. Schwarz (1899-1941/2) und Irma, verh. Grünfeld (1902-1941/42) wuchsen wie er in Geldersheim auf und lebten später in Würzburg. Jakob besuchte die Volksschule in Geldersheim und anschließend sechs Jahre lang eine Realschule in Bamberg. 1912 begann er eine Banklehre im Würzburger Bankhaus Weglein & Lehmann, die er erfolgreich abschloss. Von 1915 bis 1918 war er als Soldat an der Westfront stationiert, wo er zum Feldwebel befördert wurde. Im letzten Kriegsjahr wurde er schwer verwundet; er erhielt das EK II. Klasse und andere Kriegsauszeichnungen. Nach Kriegsende kehrte er in seine Firma zurück, die ihn zunächst als Angestellten übernahm. Er war speziell für den Effektenhandel zuständig und bewährte sich auf seinem Aufgabengebiet sehr gut, so dass ihm nach einigen Jahren die Gesamtprokura erteilt wurde.

Jakob Weglein war nicht verheiratet und hatte keine Kinder, war aber im gesellschaftlichen Leben der Würzburger Juden sehr aktiv. Er war Mitglied des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten, der Gesellschaft „Casino“, die etwa der „Harmonie“ im gehobenen christlichen Bürgertum entsprach, im Jüdischen Turn- und Sportverein und im Jüdischen Kulturbund. Im Jahre 1936 wurde seine Firma geschlossen. Jakob Weglein übernahm daraufhin Vertretungen für die „Compagnie Générale Transatlantique“, für die „United States Lines“ und Reisebüros sowie für auswärtige Banken. Seine Gestapoakte hält fest, dass er mit diesen Tätigkeiten selbst am Ende der 1930er Jahre noch ein recht gutes Einkommen hatte. Er war außerdem als Auswanderungsagent tätig. Im Jahre 1937 wurde er, obwohl Nachteiliges über ihn nicht vorlag, als „unzuverlässig“ für das Auswanderungswesen eingestuft. Aufgrund seiner Tätigkeit wurde er im April 1939 sogar für drei Wochen in Polizeihaft genommen. Angeblich hatte er gegen Geld die Beschaffung von Bürgschaften zugesagt, ohne die eine Einwanderung in die USA damals nicht möglich war. Es stellte sich heraus, dass er eine Geldsumme, die ihm deswegen ausgezahlt worden war, wenig später auf Heller und Pfennig und ohne Bearbeitungsgebühr zurückgezahlt hatte, weil die Bürgschaft auf diese Weise nicht zu beschaffen war. Die Gestapo versuchte dennoch, ihn aufgrund dieser Angelegenheit auf Dauer zu inhaftieren. Die Enttäuschung darüber, dass dies aufgrund der Sachlage nicht möglich war, klingt in einigen Schriftstücken der Akte bis heute deutlich durch.

Jakob Weglein bemühte sich um die Auswanderung in die USA oder nach Großbritannien, jedoch erreichte ihn sein Visum für Großbritannien erst nach Kriegsausbruch. Aus den USA wurde er nur noch auf einen Listenplatz für die Erteilung einer Einwanderungserlaubnis gesetzt, erhielt eine solche aber nicht mehr. Im Herbst 1940 wurde ihm gestattet, an einem Umschulungskurs für Lederarbeiten in Frankfurt a.M. teilzunehmen; er wurde, wie das Zeugnis besagt, zum Feintäschner ausgebildet. Im Juli 1941 erhielt er die Zulassung, als Hausfriseur für Juden tätig zu sein, und damit die Erlaubnis, zweimal im Monat mit der Eisenbahn nach Kitzingen zu fahren.

Am 27. November 1941 wurde Jakob Weglein zusammen mit seinen Schwestern und deren Angehörigen, Selma und Josef Schwarz sowie Irma und Dorothea Grünfeld, nach Riga deportiert. Während die anderen Familienmitglieder dort bzw. in der Nähe ermordet wurden, überlebte er die extremen Bedingungen der dortigen Lager. Er starb am 30. November 1944 in Tröglitz, einem Außenlager des KZ Buchenwald. Seine Eltern, die im September 1942 nach Theresienstadt deportiert worden waren, überlebten die unmenschlichen Lebensverhältnisse dort nur kurze Zeit und verstarben Anfang 1943.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapo-Akte 16619;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 538, 652-653, T. 1, S. 213;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/986631 (26.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1323047&ind=13 (26.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg7.jpg (10.06.2016).

Foto: Gestapoakte.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Riemenschneider-Gymnasium, Herrn Gerald Mackenroth
   
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