Maria Mühlfelder, geb. Fels

   
geboren am 13.06.1887 in Würzburg
Straße  Bismarckstraße 11
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum15.06.1942
Todesdatumunbekannt
TodesortSobibor
   
deportiert am 15.06.1942 nach unbekannt deportiert und vermutlich in Sobibor ermordet
   
Maria Mühlfelder hatte während ihrer Ehe nicht in Würzburg, sondern in Berlin gelebt, kehrte aber 1915 nach dem Tod ihres Ehemanns Gottfried Mühlfelder wieder in ihre Heimatstadt zurück, weil sie so wieder in der Nähe ihrer Verwandten wohnte. Ihr Mann war von Beruf Lederfabrikant und von der Ausbildung her Kaufmann gewesen. Er fiel laut Todeserklärung, ausgestellt 1928, in der Schlacht von Lodz; als Todesdatum wurde der 20.11.1914 festgesetzt.
Laut Bescheid vom März 1922 erhielt Maria Mühlfelder eine Witwenrente (inkl. Teuerungszuschlag) von 302 Mark, ihre Tochter Hertha eine Waisenrente von 91 Mark monatlich. Aus ihrer Gestapoakte geht hervor, dass ihre Tochter nie einen eigenen Haushalt hatte, sondern auch während ihrer Ausbildung in Berlin bei ihrer Mutter wohnte, wenn sie nach Würzburg kam. Maria Mühlfelder lebte außerdem - zumindest im Jahre 1940 - mit ihrer gelähmten Schwester Elsa Fels zusammen, die sie wohl pflegte. Maria Mühlfelder dürfte trotz ihrer bescheidenen Rente (die 1940 nur noch 51,40 RM im Monat ausmachte) eine relativ wohlhabende Frau gewesen sein, denn sie musste laut Bescheid des Finanzamts vom 12.11.1938 für die eventuell festzusetzende Reichsfluchtsteuer die hohe Sicherheit von 22.600,- RM in Wertpapieren oder durch Bankbürgschaft hinterlegen.

Bereits 1940 musste sie ihre Wohnung in der Bismarckstraße verlassen; sie zog mit ihrer Schwester in die Haugerpfarrgasse 1. In dieser Wohnung kam es am 19. November 1940 zu einer Haussuchung und zur Beschlagnahme größerer Mengen an Kleidung und Wäsche, von Zinntellern und ähnlichen Objekten als kriegswichtigen Metallen, insbesondere auch von ca. 20 silbernen und goldenen Plaketten und Gedenkmünzen. Die Beschlagnahme der Münzen aus Edelmetall führte zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen Maria Mühlfelder wegen Devisenvergehen (weil sie die Münzen, deren Wert danach auf 5,7 g Feingold oder 16,70 RM festgestellt wurde, nicht abgegeben hatte) und wegen angeblicher Ungenauigkeiten in der Abrechnung der Mietnebenkosten des noch in ihrem Besitz befindlichen Hauses. Dies besonders weil die "arische" Hausverwalterin die Mieten am Maria Mühlfelder abführte, die dann ihrerseits (was Juden verboten war) Personal- und Sachkosten der Bewirtschaftung davon bestritt. Im August 1941 musste Maria Mühlfelder mit ihrer Schwester dann auch diese Wohnung aufgeben und in das "Judenhaus" der Dürerstraße 20 ziehen, wo ihre Schwester kurz darauf verstarb. Die gesamte Wohnungseinrichtung wurde versteigert und zum überwiegenden Teil von Privatleuten erworben (die Liste der Erwerber liegt in der Gestapoakte vor). Einige besonders wertvolle Stücke, nämlich eine Wandvertäfelung, ein Ofen und einige Figuren, mehrere Ölgemälde und Bronzen wurden an den Leiter des Mainfränkischen Museums abgegeben bzw. teils von diesem für das Museum erworben. Zwei der Gemälde stellten Juden bzw. jüdische Themen dar und wurden vernichtet.

Maria Mühlfelder, wahrscheinlich gebrochen durch diese Ereignisse, wurde im März 1942 in die jüdische Nervenheilstätte Sayn bei Koblenz eingeliefert. Von dort wurde am 15. Juni 1942 deportiert. Vermutlich endete ihr Leben kurz darauf im Vernichtungslager Sobibor.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 7926;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 145, 396;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/933589 (21.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Koblenz – Aachen – Köln – Düsseldorf nach unbekannt, Abfahrtsdatum: 15.06.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420615-8.jpg (21.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Das Mainfränkische Museum, Frau Dr. Claudia Lichte
   
zurück