Lore Suse Kleemann

   
geboren am 29.01.1924 in Würzburg
Straße  St.-Benedikt-Straße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatum26.03.1942
TodesortRiga-Bikerniecki
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und im Hochwald von Bikernieki bei Riga am 26.03.1942 ermordet
   
LLore Kleemann war die Tochter von Max Kleemann (1887-1942) aus Werneck und Flora Kleemann, geb. Mayer (1894-1935) aus Bodenheim in der Pfalz. Die Eltern hatten 1920 geheiratet und wohnten in der St.Benedikt-Straße 4 (früher Allee- und dann Bertholdstraße). Dort befand sich auch die Pferdehandlung S. Kleemann &Söhne, die ihr Vater Max Kleemann zusammen mit seinem Bruder Gustav und dem Großvater Salomon betrieb. Im Juli 1921 war ihr älterer Bruder Rudolf Carl auf die Welt gekommen.
Lore arbeitete nach dem Besuch der jüdischen Volks- und Berufsschule als Haushaltshilfe. Sie musste bereits in jungen Jahren einige Schicksalsschläge erleben, die ihre Familie trafen: 1931 erlitt ihr Vater bei einem Autounfall schwere Rückenmarksverletzungen. Als die Mutter Flora Kleemann im September 1935 starb, war Lore gerade einmal 11 Jahre alt. Ihrem Bruder Rudolf glückte nach einer kurzen Haftzeit in Buchenwald im Februar 1939 die Ausreise nach England. Unter dem Namen Ralph Kennedy lebte er wohl bis nach 1984 in der englischen Großstadt Manchester und strengte Wiedergutmachungsverfahren für die Verluste seiner Familie an.
Die Bemühungen von Lores Vaters um Ausreise in die Niederlande hatten keinen Erfolg gehabt. Der Versuch, wenigstens für Lore über Verwandte ein Visum für die USA zu bekommen, war trotz vorliegender Bürgschaften nicht mehr geglückt. Auch der Plan, sich der Gruppenauswanderung nach Ecuador anzuschließen, die Lores Onkel Gustav Kleemann betrieb, scheiterte. Nach Auflösung des Geschäfts musste Lore Suse mit dem Vater noch in die Mönchbergstraße 5 und von dort in die Johannitergasse 5 umziehen, wo sie in einem Haushalt mit ihrem Onkel Gustav und dessen Frau Erna lebten.
Am 27. November 1941 wurde sie mit ihrem mittlerweile gelähmten Vater Max nach Riga-Skirotava und von dort aus ins Lager Jungfernhof deportiert. Sie überstand wie ihr Vater den extrem kalten Winter und die unsäglichen Lebensbedingungen. Als ihr Vater am 26. März 1942 angeblich in ein anderes Lager verlegt werden sollte, bat Lore um die Erlaubnis, ihn zu begleiten. Die Warnungen des SS-Kommandanten, lieber auf dem Jungfernhof zu bleiben, schlug sie aus. Das wahre Ziel des Transports war nämlich kein anderes Lager, sondern der nahe gelegenes Wald von Bikernieki. Dort wurde Lore Kleemann noch am selben Tag zusammen mit ihrem Vater und rund 1.700 weiteren Opfern erschossen.
Biografie erstellt Juli 2006, überarbeitet September 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 3939, 3943, 3945;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1905-1941;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 307;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (19.9.2016);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/899454 (02.06.2016);
Herbert Schultheis, Juden in Mainfranken …, S. 554;
Wolfgang Scheffler, Das Schicksal der in die baltischen Staaten deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden 1941 - 1945. Ein historischer Überblick. In: Wolfgang Scheffler/ Diana Schulle (Bearb.), Buch der Erinnerung. Die ins Baltikum deportierten deutschen, österreichischen und tschechoslowakischen Juden, München 2003, S. 12;
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblätter, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=kleemann&s_firstName=lore&s_place=&itemId=8623111&ind=0&winId=8306802687754800313 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=kleemann&s_firstName=lore&s_place=&itemId=600382&ind=2&winId=8306802687754800313 (02.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg6.jpg (02.06.2016).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Die Gustav-Walle-Hauptschule, Herr Rektor Linus Dietz
   
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