zurück

Walter Gross

   
geboren am 08.08.1910 in Würzburg
Straße  Ziegelaustraße 7
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum16.08.1940
Todesdatum10.09.1941
TodesortMauthausen
   
1939 in Glogau, Juli/August 1940 im KZ Dachau, dann im KZ Mauthausen inhaftiert. Am 10.09.1941 im Außenlager Gusen ermordet.
   
Walter Gross war der älteste Sohn von Julius (1878-1942?) und Rosa Gross geb. Caspari (gest.1937). Der Vater war 1908 von Konitz nach Würzburg gezogen und hier technischer Leiter einer Branntweinfabrik geworden. Seine Mutter war dem Vater hierher gefolgt und lebte seit der Heirat 1909 in Würzburg in der Ziegelaustraße 7. Nach Walter kam 1912 noch Rudolf zur Welt.
Im Einwohnermeldeboden von Walter Gross ist vermerkt, dass er sich in den Sommermonaten 1916 und 1919 in Berlin und 1920 und 1921 in Nürnberg aufgehalten hat. Vermutlich handelt es sich dabei um Ferienaufenthalte bei Verwandten der Mutter bzw. des Vaters. Beide Brüder waren nach Schule und Berufsausbildung politisch in Organisationen der Arbeiterbewegung aktiv und damit Gegner der Nationalsozialisten. Als Mitglied der sozialdemokratischen Arbeiterjugend, des Reichsbanners, der SPD und anderer verwandter Organisationen wurden Walters Aktivitäten schon früh von der Gestapo überwacht. Auch sein Vater war von den Maßnahmen betroffen. Er wurde nach einer Hausdurchsuchung im Jahr 1933 ein Jahr im KZ Dachau eingesperrt.
1935 floh Walter in die Tschechoslowakei. Nach dem Einmarsch der Deutschen Truppen im Sudetenland musste er vermutlich untertauchen und sich in Sicherheit bringen. Es ist anzunehmen, dass er in Glogau oder Umgebung (Niederschlesien) lebte, denn im dortigen Polizeigefängnis saß er im Mai 1939 in Haft. Glogau ist nicht weit entfernt von Troppau, dem Heimatort seines Vaters. Denkbar ist, dass er dort Unterstützung durch Angehörige fand. Näheres zum Verfahren gegen ihn war nicht zu ermitteln.
Zwischen 6. Juli und 16. August war er Gefangener im KZ Dachau und von dort kam er ins KZ Mauthausen. In Gusen, einem Außenlager von Mauthausen wurde er am 10. September 1941 ermordet, als offizielle Todesursache wurde "Insufficientia mitralis" vermerkt.
Walters Mutter war schon 1937 in einer Psychiatrischen Anstalt in Lohr gestorben. Zu ihrer Erkrankung dürften die Angst um die Familie beigetragen haben.
. Sein Vater wurde mit seiner zweiten Frau Berta, geb. Ottensoser, im Raum Lublin 1942 umgebracht. Nur sein Bruder Rudolf konnte nach Haft und Verurteilung durch ein Sondergericht in Bamberg fliehen und 1938 über Hamburg in die USA emigrieren. Er bekämpfte das Nazi-Regime als amerikanischer Soldat und lebte später in Baltimore, wo er 1992 starb.

Biographie erstellt März 2009, überarbeitet Februar 2018
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 207 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de879552 (27.05.2016);
Archiv der KZ-Gedenkstätte Mauthausen, http://www.gedenkstaetten.at/raum-der-namen/cms/index.php? (5.1.2017);
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Walter Gross und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/, (28.12.2017);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
The 1939 German "Minority Census" Database, https://www.census.tracingthepast.org.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Herr Jürgen Karl Spitzner
   
zurück