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Wilhelm Reinstein

 
geboren am 12.12.1889 in Würzburg
Straße  Friedrich-Ebert-Ring 34
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga-Jungfernhof oder in der Nähe
   
am 27.11.1941 nach Riga-Jungfernhof deportiert und dort oder in der Nähe ermordet
Friedrich-Ebert-Ring 34 (früher Hindenburgstrasse)
   
Wilhelm Reinstein, ältester Sohn von Lotte (1866-1943) und Martin Reinstein (1858-1921), machte nach dem Einjährigen eine Lehre in der Weinbranche und trat nach drei weiteren Ausbildungsjahren in die väterliche Weinhandlung ein. Nach dem Tod des Vaters war er zusammen mit seiner Mutter und seinem Onkel Alfred Reinstein Teilhaber der Firma Gebrüder Reinstein.
Als Kriegsteilnehmer 1916 - 1918 wurde er mehrfach ausgezeichnet (EKII u.a.) und erhielt noch im Januar 1935 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Wilhelm Reinstein war Mitglied des Reichsbunds Jüdischer Frontsoldaten und engagierte sich im Jüdischen Turn- und Sportverein.
Wegen des Vorwurfs verbotener homosexueller Handlungen wurde er 1936 zu 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Da ihm die Behörden danach eine Legitimationskarte verweigerten, durfte er keine Geschäftsreisen mehr für die Firma unternehmen und musste deshalb wegen Verstößen gegen die Gewerbeordnung nach einer Denunziation eines Konkurrenten eine Geldstrafe zahlen. Die Weinhandlung musste in den Jahren 1938/39 liquidiert werden.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde er festgenommen, aber bereits am 1. Dezember zur Auflösung der Firma aus dem KZ Buchenwald wieder entlassen mit der Auflage, in kürzester Frist seine Auswanderung zu bewerkstelligen. Die Bemühungen scheiterten. Er musste bei der Stadt als Straßenkehrer arbeiten, wobei sich sein Gesundheitszustand mehr und mehr verschlechterte.
Um 1940 heiratete Wilhelm Reinstein die Witwe Irma Eisenheimer, geb. Strauß (Jg. 1895), die ein paar Häuser weiter lebte. Das Ehepaar wohnte noch kurze Zeit zusammen mit der Schwiegermutter Ernestine Strauß (Jg.1874) in der Friedenstraße 26.
Am 26. November mussten sich alle Personen, die am Tag darauf deportiert wurden bei der Sammelstelle in der Stadthalle melden, wo ihr Gepäck kontrolliert wurde. Von diesem Vorgang existiert ein Bild im berüchtigten Gestapo-Album, auf dem Wilhelm Reinstein mit der Deportationsnummer 277 zu sehen ist. Am 27. November 1941 wurde Wilhelm zusammen mit seiner Ehefrau nach Riga deportiert und beide fielen im Winter 1941/42 den unsäglichen Lebensbedingungen oder den Erschießungen in den Wäldern von Bikernieki zum Opfer.
Auch seine Mutter, seine Schwiegermutter und seine Geschwister Paul, Arnold und Elly Reis überlebten die NS-Verfolgungen nicht.
Biographie erstellt März 2009, überarbeitet Mai 2015.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900 - 1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 452-454, 613 T. 1, S. 130;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945
http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de948592 (5.2.2015);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 10212;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1937-1941;
Yad Vashem Dokumentenarchiv, Abteilung Eichmann Prozess, TR 3/1286; das Foto aus dem Gestapoalbum:
http://www.yadvashem.org/yv/de/exhibitions/deportations/wurzburg.asp#4 (24.5.2015).
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.1941, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg4.jpg (07.06.2016). Foto: Staatsachiv Würzburg, Gestapoakte 10212.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Herr Robert Grimm, Herr Paul Sorrentine
   
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