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Moritz Hellmann

 
geboren am 19.07.1877 in Marktbreit/Ufr.
Straße  Friedrich-Ebert-Ring 29
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum10.03.1943
Todesdatum13.03.1943
TodesortSobibor
   
vom 11.12.1942 – 10.03.1043 im Lager Westerbork interniert, am 10.3.1943 nach Sobibor deportiert und dort am 13.03.1943 ermordet
   
Moritz Hellmann wurde als Sohn des Bäckers Abraham Hellman und seiner Ehefrau Regine, geb. Saalheimer aus Kleinsteinach am 19. Juli 1877 geboren und wuchs in Marktbreit auf.
Nach seiner Schul- und Berufsausbildung unterrichtete er ab 1897 an der Israelitischen Unterrichts- und Erziehungsanstalt in Würzburg und wohnte in der Franziskanergasse 4. Seinen Militärdienst leistete er von 1897-1900 in Fürth, Würzburg und in Landau/Pfalz ab.
Im Jahr 1911 heiratete er Rachel Bamberger (1880-1943) aus Frankfurt, deren Vater dort Lehrer war. Im gleichen Jahr wurde ihm das Bürger- und Heimatrecht verliehen. Die Familie wohnte zunächst am Sanderring 19. Die beiden Töchter des Ehepaars Regine und Julie kamen im August 1912 bzw. im August 1913 auf die Welt. 1915 zogen die Hellmanns in die Neubergstraße 11. Zwischen 1925 und 1935 wohnten sie in der Ludwigstraße 31 und dann bis zu ihrer Emigration in der Hindenburgstraße 29, dem späteren Friedrich- Ebert-Ring. 1923 wurde der Sohn Norbert geboren. Während die Tochter Regina als gelernte Buchhalterin Verwaltungsangestellte bei der IKG wurde, traten Julie und Norbert in die Fußstapfen von Vater und Großvater und ergriffen auch den Lehrberuf.
Am Ersten Weltkrieg nahm Moritz Hellmann als Unteroffizier von 1914 - 1918 teil und wurde dafür u.a. mit dem Eisernen Kreuz II ausgezeichnet. Beim Israelitischen Lehrerverein für Bayern war er Kassier und Vorstandsmitglied und 1933 übernahm er die Schulleitung der Israelitischen Unterrichts- und Erziehungsanstalt als Nachfolger von Aron Mandelbaum.
Am 26.12. 1938 emigrierte er mit der Familie in die Niederlande, wo sie in Arnheim in der Eusebinsplein 4 bei der Familie von Rabbi Joel Vredenberg (1866-1943) wohnten, dem Schwager seiner Frau. Die Töchter fanden ebenso wie der Sohn Norbert ein Betätigungsfeld in Jüdischen Organisationen. Sie waren nur eine kurze Zeit in Sicherheit: Im Rahmen der deutschen Westoffensive begann am 10.5.1940 der Einmarsch der deutschen Truppen in die neutrale Niederlande und die Verfolgung der Juden setzte sich unerbittlich fort. Die letzte Wohnung in Arnheim war ein Jüdisches Altersheim (Tehuis voor Israëlitische Oude Lieden), in der sich auch seine Tochter Regina zeitweise aufhielt. Ab dem 11. Dezember 1942 wurden er und seine Frau Rachel im Lager Westerbork interniert und von dort am 10.3.1943 nach Sobibor deportiert, wo beide kurz nach der Ankunft ermordet wurden. Seine Töchter Regina und Julie erlitten das gleiche Schicksal wenige Monate später am 23. Juli des Jahres.
Die Einträge in der Gestapoakte enthalten die Anträge auf Ausstellung von Pässen für die Ausreise. In Briefwechseln zwischen Dezember 1942 und Februar 1943 geht es um die Feststellung von Vermögenswerten der Familie, die in Deutschland zurückgeblieben sind und deren Aneignung. Sie enden mit der Erklärung des Vermögensverfalls wegen Aberkennung der Staatsangehörigkeit am 9. Februar 1943.
Nur dem Sohn Norbert Hellmann gelang es, nach Dänemark zu fliehen und in die USA zu emigrieren, wo er Lehrer an der Samson Raphael Hirsch School in New York wurde.
Biografie erstellt März 2009, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 967;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1910 – 1941 und Grundlisten Ludwigstraße 31, Hindenburgstraße 29;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.1, S.253, 254;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858500 (11.5.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Joods Monument, https://www.joodsmonument.nl/nl/page/152081/moritz-hellmann, https://www.joodsmonument.nl/en/page/532885/about-joel-vredenburg (18.5.2016); (18.5.2016);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Moritz Hellmann und seinen Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/ (11.5.2016);
Roland Flade, Die Würzburger Juden. Ihre Geschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Mit einem Beitrag von Ursula Gehring-Münzel, 2. erw. Aufl., Stürtz Verlag Würzburg 1987, S.273.
Foto: Joods Monument.
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Das Corps Moenania, Herr Andreas Karl, Frau Petra Sophie Karl
   
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