Julie Hellmann

   
geboren am 13.08.1913 in Würzburg
Straße  Friedrich-Ebert-Ring 29
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum18.05.1943
Todesdatum23.07.1943
TodesortSobibor
   
vom 8.4. – 18.5.1943 im Lager Westerbork interniert, am 18.5.1943 nach Sobibor deportiert und am 23.7.1943 dort ermordet
   
Julie Hellmann wuchs in Würzburg in einer streng orthodoxen Lehrerfamilie auf. Ihr Vater war der in Marktbreit geborene Moritz Hellmann (1877-1943). Die Mutter Rachel, geb. Bamberger (1880-1943) stammte aus einer Frankfurter Lehrersfamilie. Die Eltern hatten 1911 geheiratet und im Jahr darauf war die Schwester Regina (1912-1943) geboren. Die Familie wohnte damals am Sanderring 19, zwischen 1915 und 1925 in der Neubergstraße 11, ab dann in der Ludwigstraße 31 und zuletzt ab April 1935 in der Hindenburgstraße 29, dem späteren Friedrich-Ebert-Ring. Im Jahr 1923 kam noch der Bruder Norbert auf die Welt.
Während Julies Schwester nach der Schul- und Berufsausbildung als Verwaltungsangestellte bei der Israelitischen Kulturgemeinde tätig war, wurde Julie an der ILBA in Würzburg zur Volksschullehrerin ausgebildet. Im Jahr 1932 legte sie ihr Examen ab und verzog bald darauf im Mai 1933 nach München, wo sie vermutlich als Lehrerin arbeitete. Bis zum Jahr 1938 war sie an verschiedenen Adressen in München gemeldet und wohnte wohl jeweils zur Untermiete.
Am 26.12.1938 emigrierte sie mit ihren Eltern und Geschwistern in die Niederlande, wo die Schwester ihrer Mutter Ester Vredenburg mit ihrem Mann, dem Rabbi Joel Vredenburg (1880-1943) in Arnheim lebte. Ab Juli 1939 unterrichte Julie in einem Lager der Jugend-Alijah in Mijnsheerenland Hebräisch, Biblische Studien und Jüdische Literatur und übernahm Verwaltungsaufgaben. Als im Mai 1940 deutsche Truppen die Niederlande besetzten, waren Julie und ihre Familie erneut den Verfolgungen der NS-Regimes ausgesetzt. Nach der Schließung des Lagers im Oktober 1940 zog sie wieder zur Familie nach Arnheim.
Ihre geplante Flucht über die Pyrenäen nach Spanien oder Portugal misslang. Am 8. April 1943 wurde sie im Sammellager Westerbork interniert und zwei Monate nach ihren Eltern und vor ihrer Schwester Regina am 18.5.1943 von dort nach Sobibor deportiert, wo sie wenige Wochen später ermordet wurde. Wie bei ihrer Schwester Regine wird der 23. Juli 1943 als Julies Todesdatum angegeben. Zu diesem Zeitpunkt war sie knapp 30 Jahre alt.
Nur ihrem Bruder Norbert gelang es, durch die Flucht nach Dänemark zu überleben und in die USA auszuwandern, wo auch er den Lehrerberuf ausübte.
Biografie erstellt März 2009, überarbeitet Mai 2016.
   
Quelle Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de858480 (11.5.2016);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T.1, S.253, 254;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1910 – 1938;
Joods Monument, https://www.joodsmonument.nl/nl/page/518067/about-julie-hellmann (18.5.2016), https://www.joodsmonument.nl/en/page/532885/about-joel-vredenburg;
Stadtarchiv München , Biographisches Gedenkbuch der Münchner Juden, 1933-1945, http://www.muenchen.de/rathaus/gedenkbuch/gedenkbuch.html (11.5.2016);
Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Julie Hellmann und ihren Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de/juf/(11.5.2016).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Sabine Bühner-Albert
   
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