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Ferdinand Steinhardt

 
geboren am 28.12.1874 in Würzburg
Straße  Friedenstraße 24
Stadtteil Sanderau
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum26.02.1943
TodesortTheresienstadt
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert und dort am 26.02.1943 ermordet
   
Ferdinand Steinhardt wurde am 28. Dezember 1874 in Würzburg geboren. Seine Eltern Samuel Steinhardt (1844-1886) und Emilie, geb. Müller (1842-1922) hatten noch vier weitere Kinder: Clothilde (Jg. 1870), Hilde (1876-1943?), Jakob (1877-1937) und Otto (1880–1916). Nach seiner Schulzeit in der jüdischen Volksschule und sechs Jahren Realschule in Würzburg absolvierte Ferdinand eine Banklehre im Bankhaus Hecht. Anschließend war er in verschiedenen Firmen als Handelsgehilfe tätig.

Sein Vater Samuel hatte die Weinhandlung J. Erdmann übernommen, die dem verstorbenen Mann seiner Frau Emilie gehört hatte, und führte sie ab 1874 unter seinem Namen weiter. Als Samuel Steinhardt 1886 starb, trat seine Frau an seine Stelle und machte ihren Sohn 1896 zum Teilhaber und dann Inhaber der Firma, die von nun an unter seinem Namen firmierte. Die Kellereien waren zunächst in der Bronnbachergasse 22, ab 1909 in der Friedenstraße 24 als Weinhandelsfirma Ferdinand Steinhardt & Companie.
Für einige Jahre war er auch Teilhaber der Flaschenzentrale Würzburg, zusammen mit Moses Oppenheimer und Hermann Hofmann.

Im Jahr 1905 heiratete er die aus Freudenberg am Main stammende Get(t)a Sommer (1883-1944), die als Prokuristin im gemeinsamen Geschäft arbeitete. 1906 wurde ihre Tochter Fränzi geboren, ihr einziges Kind.

1914 erhielt Ferdinand Steinhardt das Bürgerrecht. Im 1. Weltkrieg diente er in einem Armierungsbataillon in Lothringen (1917/18) und wurde mit dem Ehrenkreuz für Kriegsteilnehmer und dem König-Ludwig-Kreuz II. Klasse ausgezeichnet. Er schloss sich nach dem Krieg der Deutschen Demokratischen Partei an und war Mitglied der jüdischen Frankenloge Bne Briss, bis zu deren Zwangsauflösung 1937.

Die Übernahme der Macht durch die Nationalsozialisten bedeutete, dass seine berufliche Tätigkeit eingeschränkt wurde und sich Missgunst sowie vorauseilender Gehorsam immer verhängnisvoller auswirkten. Am 21.10.1938 wurde Ferdinand Steinhardt von Nachbarn bei der Gestapo angezeigt, weil er „im Hof stehend seine Notdurft verrichtete.“ Am 3.11.1938 wurde ein Strafverfahren gegen ihn eingeleitet, das zu seiner Vernehmung bei der Gestapo am 11.11.1938 führte, unmittelbar nach der Pogromnacht. Diese ‚bestätigte‘ ihm „Arbeitsfähigkeit für leichte Arbeiten (schriftliche Arbeiten)“ und bewertete ihn als „lagerfähig“ (Ferdinand Steinhardt hinkte leicht). Am 12.11.1938 kam er nach Buchenwald, wo er aber auf Antrag der Gestapo vom 17.11. zum 19.11.1938 wieder entlassen wurde. Am 22.11.1938 wurde ihm mitgeteilt, dass er seine Weinhandlung sofort aufzulösen habe und die Auswanderung in die USA vorantreiben solle. Dies war auch das Ziel seiner Tochter Fränzi, die 1931 den Kaufmann Herbert L. Oppenheimer aus Frankfurt geheiratet hatte und gemeinsam mit ihm über Italien und Kuba in die USA auswanderte. Ferdinand Steinhardt und seine Frau beantragten die Pässe für ihre Auswanderung, doch gelang ihnen ihr Vorhaben nicht.

Anfang Januar 1939 erfolgte der Zwangsverkauf seiner Weingroßhandlung weit unter ihrem Marktwert an einen „arischen“ Konkurrenten. Im gleichen Monat wurde Ferdinand Steinhardt in dem seit November 1938 anhängigen Strafverfahren wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ zu einem Monat Gefängnis verurteilt.

Schon am 1.7.1937 war das Ehepaar Steinhardt von ihrer Wohnung in der Friedenstraße 24 in die Goethestraße 1 umgezogen. Ab August 1939 mussten Ferdinand und Geta Steinhardt zunächst in der Bismarckstraße 20, einem der „jüdischen Unterkunftshäuser“ Würzburgs, danach im Mai 1941 in der Schillerstraße 3 und schließlich in der Bibrastraße 6 unterkommen. Damit einhergehend vollzog sich die systematische Ausplünderung des einst vermögenden Paares: Ab Mai 1941 sah sich das Paar genötigt, wertvolle Gegenstände ihrer Wohnung zu verkaufen. Vom Erlös erhielten sie wenig – ein Teil des Geldes ging auf das Konto des Gauleiters Otto Hellmuth zur Finanzierung seines „Hellmuth-Planes“, der die Umstrukturierung der Rhön im nationalsozialistischen Geist vorsah. Schon 1940 waren den Steinhardts bei einer Wohnungsdurchsuchung u.a. goldene Eheringe der Eltern von G. Steinhardt, zwei kleine goldene Fingerringe beschlagnahmt worden. In der Folge wurden Ferdinand Steinhardt und seiner Frau nur noch 230 RM pro Monat zugebilligt, ein Betrag, der letztendlich aber aus ihrem Vermögen stammte. Zwischen 18.3. und 9.5.1940 musste Ferdinand Steinhardt Zwangsarbeit bei der Stadt Würzburg leisten, wurde dann aber krankheitsbedingt arbeitsunfähig geschrieben. Im Juni 1942 verkauften sie ihre letzte Habe (Möbel, Teppiche und mehr). Ferdinand Steinhardt begründete seinen Antrag an die Gestapo damit, dass er die „Lagergelder“ einsparen möchte, weil die Möbel nicht mehr „benötigt werden“. Das Geld ging auf ein „Sicherungskonto“.

Am 23. September 1942 wurde Ferdinand Steinhardt mit der Evakuierungsnummer 374 vom Platz‘schen Garten aus zusammen mit seiner Frau Geta zum Bahnhof Aumühle transportiert. Davor wurden ihnen noch die letzten Kleinigkeiten wie Löffel und Gabeln abgenommen. Zudem musste Ferdinand Steinhardt den stolzen Preis von 22.370 RM für den Heimeinkaufsvertrag für Theresienstadt zahlen und überdies zusätzlich 10.000 RM an Effekten an das Deutsche Reich (Reichsfluchtsteuer etc.) abtreten.
Denunziation, Betrug, Raub und arglistiger Täuschung waren es, denen Ferdinand Steinhardt und seine Frau zum Opfer gefallen waren, bevor sie nach Theresienstadt deportiert wurden.

Ferdinand Steinhardt starb nur fünf Monate später am 26. Februar 1943 an den Folgen einer Lungenentzündung, hervorgerufen durch die unmenschlichen Lebensbedingungen in Theresienstadt. Seine Frau Geta überlebte ihn um ein Jahr und starb am 10. März 1944.

Ihre Tochter Fränzi, später Frances Owen, strengte nach dem Krieg ein Wiedergutmachungsverfahren an - mit geringem Erfolg.

Biographie erstellt September 2009, überarbeitet September 2017.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 15188;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 2, S. 585 und 566; Karteikarten dazu im JSZ;
Joachim Maier, Die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Freudenberg am Main, Ubstadt-Weiher 2014, S. 245-254;
Website Theresienstadt, http://www.holocaust.cz/en/database-of-digitised-documents/document/95711-steinhardt-ferdinand-death-certificate-ghetto-terezin/ (14.9.2017);
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/ de974048 (14.9.2017);
Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni- wuerzburg.de/juf/Datenbank/detailsinclude.php?global=;search;31063; (19.1.2017);
Informationen zu Ferdinand Steinhardts Angehörigen ebenfalls in Biographische Datenbank jüdisches Unterfranken, http://www.historisches-unterfranken.uni- wuerzburg.de/juf/Datenbank/;
Bildnachweis: Gestapoakte StAWü 15188
Autorin / Autor N.N. / Elke Wagner
Paten Herr Andreas Jungbauer
   
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