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Ernst Elias Lebermann

   
geboren am 15.05.1875 in Würzburg
Straße  Scheffelstraße  5
Stadtteil Sanderau
Todesdatum11.11.1938
TodesortWürzburg
   
starb am 11.11.1938 in Würzburg an den Folgen der Misshandlungen, denen er bei dem Pogrom am 10.11.1938 ausgesetzt war
   
Ernst Lebermann wuchs in Würzburg auf und besuchte hier die Volksschule und sechs Klassen der Realschule. Danach absolvierte er eine kaufmännische Lehre. 1896/97 leistete er als Einjährig-Freiwilliger seinen Wehrdienst beim neunten Infanterie-Regiment "Wrede" in Würzburg und wurde anscheinend zum Unteroffizier befördert.
1902 machte er sich beruflich selbstständig und gründete die Weingroßhandlung Ernst Lebermann, die er bis 1931 führte. Beruflich scheint er sehr erfolgreich gewesen zu sein, denn 1938 verfügte er über ein ansehnliches Vermögen, das in Wertpapieren angelegt war; Haus-oder Grundbesitz hatte er aber nicht. Noch am 11. November 1938 - seinem Todestag - wurde auf sein Vermögen eine Forderung von "Reichsfluchtsteuer" in Höhe von ca. 26% des Gesamtwerts erhoben.
1905 heiratete er; mit seiner Frau Lilli, geb. Ullmann, hatte er die 1906 geborene Tochter Edith. 1927 wurde die Ehe geschieden. Ernst Lebermann untersagte, dass sie danach weiter seinen Namen führte.
Im 1. Weltkrieg war er Militärbeamter in Würzburg, wurde zum Feldwebel befördert und mit dem König-Ludwig-Kreuz ausgezeichnet. In den revolutionären Wirren des Jahres 1919 war er Mitglied der Würzburger Einwohnerwehr. Politisch engagierte er sich in der linksliberalen Deutschen Demokratischen Partei, ohne allerdings Parteifunktionen zu übernehmen. Er war auch Mitglied im Jüdischen Kulturbund. 1931 gab er sein Geschäft aus gesundheitlichen Gründen auf; er hatte ein schweres beidseitiges Ischiasleiden.
Am frühen Morgen des 10. Novembers 1938 wurde von einem Trupp der NSDAP-Ortsgruppe Würzburg-Sanderau, deren Mitglieder schon vor 7 Uhr morgens zusammengetrommelt worden waren, um sie an den Aktionen des Pogroms zu beteiligen, die Wohnung von Ernst Lebermann im Hintergebäude des Anwesens Scheffelstraße 5 mit Gewalt aufgebrochen. Seine mit ihm etwa gleichaltrige Haushälterin wurde als "Judenschickse" bedroht und auf den Dachboden gejagt. Ernst Lebermann, der noch im Bett lag, wurde im Nachthemd aus der Wohnung gezerrt, vor der Haustür auf eine Treppe geworfen und durch Tritte und Schläge gegen Kopf und Oberkörper schwer misshandelt. Er musste dann rasch Jacke und Mantel über sein Nachthemd ziehen und wurde gezwungen, zusammen mit anderen Pogrom-Opfern vor seinen Peinigern her in die Stadt zu laufen. Dort wurde er zwischen 9 und 10 Uhr ins Polizeigefängnis eingeliefert und routinemäßig bei der Einlieferung fotografiert und auch untersucht. Das Bild von Ernst Lebermann mit dem blutbespritzten Nachthemd unter dem Mantel gehört zu den bekannten erschreckenden Zeugnissen des Novemberpogroms in Würzburg. Die offensichtlich äußerst oberflächliche polizeiamtsärztliche Untersuchung ergab, dass er lagerfähig und - seinem Alter entsprechend - arbeitsfähig sei. Da sich sein Gesundheitszustand aufgrund der ihm zugefügten Misshandlungen rapide verschlechterte, wurde er noch am gleichen Tag in das Israelitische Krankenhaus eingewiesen, wo er am folgenden Tag verstarb.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 5753, 16213;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 332 f.; T. 2, S. 639;
Roland Flade, Die Würzburger Juden, S. 319-322;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/1225424 (02.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=lebermann&s_firstName=ernst&s_place=&itemId=9821997&ind=2&winId=-421745801825558586 (02.06.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Frau Rosa Grimm
   
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