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Kurt Nathan Fels

   
geboren am 18.04.1883 in Würzburg
Straße  Ludwigstraße 28
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum17.06.1943
Todesdatum00.00.1944
TodesortAuschwitz
   
deportiert am 17.06.1943 nach Theresienstadt, weiter am 28.10.1944 nach Auschwitz, dort vermutlich kurz nach der Ankunft ermordet
   
Kurt Fels besuchte in seiner Heimatstadt Würzburg die Volksschule, das Neue Gymnasium (heute: Riemenschneider-Gymnasium) und das Realgymnasium (heute: Siebold-Gymnasium). Er leistete hier seinen Militärdienst ab und absolvierte hier auch eine zweijährige Kaufmannslehre bei der Firma Rosenthal. Danach ging er, wohl um seine kaufmännische Ausbildung zu vervollständigen, einige Zeit nach England.
1904 kehrte er nach Würzburg zurück und trat in die Weinagentur seines Vaters ein, die er 1910 oder 1911 übernahm und bis zu ihrer zwangsweisen Schließung nach dem Novemberpogrom 1938 führte. Er war Mitglied in mehreren Fachorganisationen des Weinhandels.
Von 1915 bis 1918 stand er als Kriegsfreiwilliger beim 2. Feldartillerie-Regiment (den in Würzburg beheimateten "Zweiern") an der Westfront und brachte es zum Vizewachtmeister; er erhielt mehrere Auszeichnungen, darunter das Ehrenkreuz für Frontkämpfer.
Im November 1936 wurde er von seiner "arischen" Frau geschieden, vielleicht unter dem Druck der Nürnberger Gesetze vom September 1935. Nach der Schließung seiner Firma wurde er ab 1939 zunächst zur Zwangsarbeit bei der Stadt Würzburg und in der Gemeinde Zell bei Würzburg eingesetzt. Aus gesundheitlichen Gründen - er hatte ein Fußleiden und war nach einer Arbeitseinsatz-Liste von 1941 für regelmäßigen Arbeitseinsatz nicht geeignet - wurde er wohl spätestens 1941 an die jüdische Geschäftsstelle in Würzburg abgeordnet, wo er in der Kleiderkammer beschäftigt war. Für seine Tätigkeit bezog er allerdings kein festes Gehalt, sondern erhielt nur gelegentlich kleinere Zuwendungen.
Im März 1943 wurde er, wie einige andere Mitarbeiter der Geschäftsstelle, von der Gestapo verhaftet. Ihm wurde vorgeworfen, seine geschiedene Frau und seine Tochter weiterhin zu unterstützen. Seiner umfangreichen Aussage in dieser Sache ist zu entnehmen, dass er tatsächlich bis 1943 in ständiger Verbindung mit seiner Frau und Tochter geblieben war und ihnen Zuwendungen machte. Beide lebten 1943 in Stuttgart, wo sie gemeinsam eine Damenschneiderei führten. Sie schickten ihm öfter Backwaren, er sandte ihnen, solange er es konnte, Obst, Schokolade und ähnliches. Zu Weihnachten 1942 bat er anscheinend Heinrich Kraus, einen befreundeten "arischen" Weinhändler, mit dem er lange in geschäftlicher Verbindung gestanden hatte, seiner Frau ein paar Flaschen Wein zukommen zu lassen. Dieser sandte ihr daraufhin ein Gebinde von 15-20 Flaschen Wein. Die Gestapo belehrte Kraus, der bis dahin nicht polizeibekannt war, eindringlich, dass der Umgang mit Juden unerwünscht sei. In Fels´ Wohnung waren RM 1.000,- in Geldscheinen beschlagnahmt worden. Fels gab an, von seiner Schwester und seinem Schwager bei deren Auswanderung 1941 RM 700,- als Geschenk erhalten zu haben, den restlichen Betrag teilweise von seiner Tochter und durch kleinere Bezüge an seiner Arbeitsstelle. Er brauche - da er eben kein regelmäßiges Gehalt habe - Geld für den eigenen Lebensunterhalt.
Nathan Fels gab auch an, vom Tragen des Davidsterns befreit zu sein. Deshalb war es ihm möglich gewesen, 1941 bis 1943 noch mit einer Abonnementkarte Bäder im Würzburger Kurbad Sandhof zu nehmen, für Zwangsarbeiter in jenen Jahren sicherlich eine hoch willkommene Annehmlichkeit.
Während seiner Tätigkeit bei der Geschäftsstelle wohnte er, wie andere Partner aus "Mischehen", im Hause Domerschulstraße 25. Am 17. Juni 1943 wurde er in der letzten Deportation aus Würzburg erfasst. Er wurde zuerst nach Theresienstadt gebracht, von da Ende Oktober 1944 weiter nach Auschwitz verschleppt. Von dort gibt es kein Lebenszeichen mehr von Kurt Fels.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 4939;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 145 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de864828 (19.05.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/46222-kurt-fels/ (19.05.2016).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Das Siebold-Gymnasium /SMV, Hanna Hofmann
   
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