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Nikolaus Hilbert

   
geboren am 10.07.1901 in Berghausen b. Speyer
Straße  Wredestraße 40
Stadtteil Zellerau
Deportationsdatum30.03.1940
Todesdatum26.01.1942
TodesortSchloss Hartheim / Österreich
   
am 30.03.1940 verhaftet, in Dachau, Sachsenhausen und Neuengamme interniert, am 26.01.1942 nach Schloss Hartheim/Österreich deportiert und dort am 26.01.1942 ermordet
Die angegebene Adresse existiert nicht mehr. Der Stolperstein wurde in der Wredestraße an anderer Stelle verlegt.
   
Nikolaus Hilbert wurde am 10. Juli 1901 in Berghausen, Bezirksamt Speyer, in der damals zu Bayern gehörenden Pfalz geboren. Sein Vater war der Scherenschleifer und Schirmmacher Konrad Hilbert (1870-1945), der mit den Eltern als Kind vor allem in der Pfalz auf Reisen war. Seine Mutter war Anna Reinhardt (Jg. 1882), die Tochter einer Sinti-Familie von ebenfalls umherziehenden Schirmflickern und Korbmachern. Die Eltern hatten 1910 geheiratet. Vor Nikolaus kamen sein älterer Bruder Anton (Jg. 1899) und nach ihm noch viele weitere Geschwister auf die Welt, erst an verschiedenen Orten der Pfalz und ab 1914 in Würzburg, wo die Eltern sesshaft wurden. Nach Aussagen seiner Mutter hatte sie insgesamt 24 Kinder, von denen im Jahr 1941 noch 11 lebten.
Nikolaus kam also 1914 als 13-Jähriger nach Würzburg. Im Oktober 1922 heiratete er die Arbeiterin Franziska Keupp (Jg.1900) und wohnte zunächst bei seinen Schwiegereltern in einer Baracke unter der Adresse Sanderrasen 10b, bis die Eheleute 1926 eine eigene Wohnung am Pleidenturm 6, dann ab 1930 in der Wredestraße 40 und ab 1936 in der Wredestraße 39 bezogen. Die Eheleute hatten im November 1935 fünf Kinder, das sechste war unterwegs. Die Familie muss unter sehr ärmlichen Bedingungen gelebt haben. Als Berufsbezeichnungen für Nikolaus Hilbert finden sich in den Unterlagen Schirmflicker, Scherenschleifer, Spengler und Arbeiter.
Nach 1933 kam Nikolaus Hilbert auch wegen seiner politischen Nähe zur KPD in Konflikte mit der Gestapo. Er selbst bezeichnete sich bei einer Vernehmung 1935 lediglich als "Mitläufer" und wurde wieder auf freien Fuß gesetzt. Auch eine gezielte Überwachung durch Spitzel der Gestapo erbrachte nichts Verwertbares, das laut Notiz in der Gestapoakte „ein polizeiliches Einschreiten möglich gemacht hätte“. Am 30. März 1940 allerdings wurde Hilbert dann wegen angeblicher Mitgliedschaft in der KPD und der Roten Hilfe in das Konzentrationslager Dachau eingeliefert. Von hier aus musste er eine längere Odyssee durch die Lager Sachsenhausen und Neuengamme antreten bis er schließlich am 26. Januar 1942 von Dachau nach Schloss Hartheim im heutigen Österreich gebracht wurde. Da es dort keinerlei Unterbringungsmöglichkeiten für die Häftlinge gab, ist er vermutlich am selben Tag ermordet worden.
Zwei Schwestern von Nikolaus, Elisabeth Winterstein und Wilhelmine Heumann kamen mit fast all ihren Familienmitgliedern im „Zigeunerlager von Auschwitz“ ums Leben. Die Schwester Margarete Hans wurde von dort noch nach Ravensbrück deportiert und kehrte nach Würzburg zurück.
Seine Ehefrau lebte nach seinem Tod bis in die 70er Jahre und betrieb 1953 ein Entschädigungsverfahren.
Biographie erstellt September 2009, aktualisiert Juli 2016.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 1523, 1521;
Stadtarchiv Würzburg, Einwohnermeldebogen Nikolaus Hilbert und Franziska Keupp, Adressbücher 1920-1975; Grundliste Wredestraße 40;
Auskunft der KZ-Gedenkstätte Dachau;
Auskunft der KZ-Gedenkstätte Sachsenhausen;
Auskunft der KZ-Gedenkstätte Neuengamme;
Auskunft der Dokumentationsstelle Hartheim;
Christoph Müller, Auswertung der Gestapoakte des Würzburgers Nikolaus Hilbert, Facharbeit, Friedrich-König-Gymnasium, 2009;
Hauptbuch des Zigeunerlagers (Frauen) Auschwitz, S. 649 f.
Autorin / Autor gg, Ingrid Sontag
Paten Das Friedrich-Koenig-Gymnasium, Frau Simone Klotzky
   
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