Frieda Schiff, geb. Kassewitz

   
geboren am 11.12.1895 in Straßburg
Straße  Dominikanergasse 10
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum25.04.1942
Todesdatum00.00.1942
TodesortIzbica
   
deportiert am 25.04.1942 nach Izbica/Polen, ermordet vermutlich 1942 in oder bei Izbica
   
Frieda Schiff kam 1920 mit ihrem Mann Jakob nach Würzburg, als dieser - in der Folge der deutschen Niederlage im 1. Weltkrieg - sein Textilgeschäft von Straßburg nach hierher verlegte. Er betrieb die Firma "Gebrüder Schiff" zunächst zusammen mit seinem Bruder Adolf, nach dessen Ausscheiden und Wegzug 1932 allein. Bei der Firma handelte es sich um eine Großhandlung mit Textilstoffen, später erweitert durch ein Ladengeschäft, mit einer Spezialisierung auf Schürzen und Aussteuerwaren. Bis zu zehn - meist nichtjüdische - Angestellte waren beschäftigt. Wie alle jüdischen Firmen in Deutschland wurde auch "Gebrüder Schiff" in der Folge des Novemberpogroms 1938 geschlossen. Jakob Schiff wurde - wie viele andere wohlhabende jüdische Männer - als Geisel für die schnelle Zahlung der von den deutschen Juden erhobenen Sondersteuer von 1,25 Mrd. RM während des Pogroms verhaftet, aber aufgrund einer schweren Krankheit bald entlassen. Er starb noch im Sommer 1939.

Seine Witwe Frieda, die Prokuristin in der Firma ihres Mannes gewesen war, stellte zwei Monate nach seinem Tod einen Antrag auf Auswanderung, gegen den von Seiten der Gestapo keine Bedenken erhoben wurden. Die Auswanderung kam aber nicht zustande. Ihr Anwesen in der Dominikanergasse wurde Ende September 1940 verkauft, mit 42.200,- RM vermutlich weit unter dem Verkehrswert. Frieda Schiff und ihre Tochter Lieselotte zogen als Mieter in ein Zimmer in der Harfenstr. 12, das sie gemeinsam bewohnten. Am 3. Dezember 1940 wurde dort von der Gestapo eine Haussuchung durchgeführt. Gold, Silber und andere Edelmetalle wurden nicht gefunden, Lebensmittel nur in einer nicht über das übliche Maß hinausgehenden Menge. Der Gestapo fiel auf, dass kaum Kleidung oder Wäsche vorhanden waren; diese waren noch vor Kriegsausbruch wegen der geplanten Auswanderung nach Rotterdam verfrachtet worden. Frau Schiff und ihre Tochter verfügten über einen relativ hohen "Freibetrag" (monatlich von der Bank abhebbarer Betrag) von 500,- RM. Allerdings gab es wegen Sprachkursen, die zumindest Lieselotte Schiff nahm, erhöhte Unkosten.

Anfang Januar 1941 meldete die Zollfahndung, dass Frieda Schiff eine Forderung an das Leihamt in Bamberg, die sie aufgrund der Ablieferung von Gold- und Silbergegenständen hatte, nicht angemeldet habe und dass sie 1939, als sie noch in ihrem Haus wohnte (aber, wie bereits erwähnt, den Auszug aus ihrem Haus schon unmittelbar vor Augen hatte!), bereits eine monatliche Mietbelastung von 75,- RM angegeben habe. Diese "Falschangaben" wurden mit einer Ordnungsstrafe von 100,- RM und der Herabsetzung des Freibetrags für sie und ihre Tochter auf 200,- RM monatlich geahndet. Im Oktober 1941 wurde Frieda Schiff mit ihrer Tochter in das "Judenhaus" Bibrastraße 6 eingewiesen.

Am 25. April 1942 wurden beide nach Izbica im Raum Lublin deportiert. Dort sind sie beide "verschollen". Frieda Schiffs Gestapoakte endet allerdings erst 1943, als nämlich eine Frankfurter Speditionsfirma meldete, dass Frieda Schiffs Umzugsgut in Lissabon beim Zoll lagere und dort "nicht abgeholt" worden sei. Es wurde festgesetzt, dass dieses Umzugsgut zugunsten des Deutschen Reiches zu versteigern sei; die Spedition beantragte eine Summe von 200,- RM, um es beim Lissabonner Zoll auslösen zu können.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 12291;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 293, 499 f., 507 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/964761 (22.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1738751&ind=8 (22.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus dem Deutschen Reich. Nürnberg - Würzburg nach Krasniczyn, Abfahrtsdatum: 25.04.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT420425-Wuerzburg47.jpg (22.06.2016).

Foto: Yad Vashem, Gedenkblatt.
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Frau Margot Annemarie Prucker
   
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