Benno (Benedikt) Seckbach

   
geboren am 26.12.1871 in Frankfurt/M.
Straße  Zwinger 5
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum08.04.1944
TodesortTheresienstadt
   
deportiert am 23.09.1942 nach Theresienstadt und dort am 08.04.1944 ermordet
   
Benno Seckbach zog 1903 von Hanau nach Würzburg und eröffnete zunächst ein Herrenbekleidungsgeschäft; 1905 kam eine Versicherungsagentur dazu. Beide Unternehmen scheinen nicht sehr einträglich gewesen zu sein; vielleicht war Benno Seckbach auch am Leben als Kaufmann nicht wirklich interessiert. 1908 wurde er als Kultusbeamter bei der Israelitischen Kultusgemeinde Würzburg eingestellt. Zu seinen Aufgaben gehörten hier die Erhebung und Einziehung der gemeindlichen Umlagen, der Verkauf ritueller Gegenstände und die Durchführung von Beerdigungen. Später kam der Verkauf hebräischer Bücher dazu, dies führte zur Gründung einer Buchhandlung für religiöse Schriften. 1911 erwarb Benno Seckbach das Bürger- und Heimatrecht in Würzburg und die bayerische Staatsangehörigkeit (eine deutsche gibt es ja erst seit 1919). Ende 1934 ging er in Pension und zog mit seiner Ehefrau Hedwig, die er 1902 in Würzburg geheiratet hatte - aus der Ehe waren fünf Kinder hervorgegangen -, in das jüdische Altersheim in der Konradstraße 3.

1939 versuchte er, mit seiner Frau zum Sohn Gustav nach Lyon in Frankreich zu emigrieren, doch konnte dieser Plan wegen des Kriegsausbruchs nicht realisiert werden. 1941 starb seine Frau. Benno Seckbach wurde wegen seines angegriffenen Gesundheitszustands nicht zur Zwangsarbeit eingeteilt; eine Arbeitseinsatz-Liste von 1941 stellt fest, dass er zum Arbeitseinsatz nicht geeignet sei. Laut amtsärztlichem Zeugnis von 1941 litt er an einer Herzmuskelschädigung mit Lungenerweiterung.

Obwohl Benno Seckbach sicherlich nicht wohlhabend war, fanden die Behörden einen Weg, seine Ersparnisse an sich zu bringen. Bevor er am 23. September 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde, schloss er am 24. August 1942 gegen Überlassung von 100,- RM in bar und 1.000,- RM in Wertpapieren einen "Heimeinkaufsvertrag" ab. Durch diese Verträge wurde den Deportierten vorgegaukelt, sie erwürben damit ein Zimmer in einem Altersheim, in das man sie bringen werde. Dass man für sein Geld höchstens eine alte Matratze in einem ungeheizten und überfüllten Raum bekam, erfuhren sie erst bei der Ankunft im Lager. In Theresienstadt starb Benno Seckbach am 8. April 1944.
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 14056;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, S. 543 f.;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/959459 (23.06.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt, http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=688856&ind=1 und http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&itemId=1623320&ind=2 (23.06.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/46178-benedikt-seckbach/ (23.06.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus der Bezirksstelle Bayern. Nürnberg - Würzburg nach Theresienstadt, Abfahrtsdatum: 23.09. – 24.09.1942, http://www.statistik-des-holocaust.de/II26-20.jpg (22.06.2016).

Foto: Yad Vashem, Gedenkblatt
Autorin / Autor Hans-Peter Baum
Paten Herr Manfred Müller
   
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