Karl Winterstein

   
geboren am 05.12.1896 in Muggensturm b.Rastatt
Straße  Am Pleidenturm 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum16.03.1944
Todesdatum23.04.1944
TodesortAuschwitz
   
am 16.3.1944 nach Auschwitz deportiert und dort am 23.4.1944 ermordet
   
Karl Winterstein war der älteste Sohn der Weißnäherin und Schirmflickerin Johanna Winterstein (1874-1950). Ihre Familie war in Eußerthal in der bayerischen Pfalz verwurzelt, auch wenn sie sich nicht immer dort aufhielt. Karl kam in Muggensturm bei Rastatt auf die Welt. Nach ihm kamen die Brüder Johann (1898-1972), und Franz (1909-1942) und die Schwester Frieda (1906-1918) auf die Welt.
Wie viele aus seiner Familie lernte er das Handwerk des Korbmachens. Er nahm als Soldat am ersten Weltkrieg teil und wurde erst im Dezember 1918 aus dem Dienst entlassen. Danach wohnte er zunächst bei seiner Mutter in Würzburg in der Korngasse und wurde dann dauerhaft in Würzburg ansässig. Er heiratete 1922 Elisabeth (Elise) Hilbert (1903-1944), Tochter eines Scherenschleifers und Schirmmachers und gründete mit ihr einen eigenen Hausstand am Pleidenturm 6, wo auch die Familie der Ehefrau lebte. Im Jahr 1924 kam ihre Tochter Anneliese (1924-1944) zur Welt und ein Jahr später die zweite Tochter Eleonore (Jg. 1925). Karl Winterstein arbeitete als Heizer auf dem Flugplatz am Galgenberg. Im August 1942 schrieb die Gestapo in Fürth nach Würzburg, dass Karl Winterstein aus „abwehrpolizeilichen Gründen für die Verwendung in Dienststellen der Wehrmacht und in geschützten Betrieben ungeeignet sei“. Grund: Die "Rassenhygienische Forschungsstelle des Reichsgesundheitsamtes" hatte ihn als "Zigeunermischling" eingestuft und damit stehe er, so die Würzburger Gestapo, „in sozialrechtlicher Stellung den Juden gleich“. Daraufhin wurde er umgehend entlassen. Wie viele andere Mitglieder seiner Familie wurde auch Karl Winterstein unter Druck gesetzt, sich 1944 sterilisieren zu lassen mit dem Versprechen, damit einer Einweisung in das Zigeunerlager von Auschwitz zu entgehen.
Seiner wirtschaftlichen Existenz beraubt und durch Sterilisation gedemütigt, wurde Karl Winterstein am 16. März 1944 mit seiner Ehefrau, seinen beiden Töchtern und seinen drei Enkeln sowie weiteren Mitgliedern der Familie nach Auschwitz deportiert. Am 23. März kam der Transport im KZ Auschwitz an, Karl Winterstein starb am 23. April 1944. Nur seine Tochter Eleonore überlebte.
Biographie erstellt Juli 2006, überarbeitet Juni 2016
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 17425;
Stadtarchiv Adressbücher 1918-1944;
Roland Flade, Dieselben Augen, dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Familie im "Dritten Reich". Würzburg, 2008. (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd.14)
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Der HVD Humanistischer Verband Deutschlands, Regionalgruppe Würzburg, Herrn Frank Stößel
   
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