Elisabeth (Elise) Winterstein, geb. Hilbert

   
geboren am 14.12.1903 in Seeheim
Straße  Am Pleidenturm 6
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum16.03.1944
Todesdatumunbekannt
TodesortAuschwitz
   
am 16.3.1944 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet
   
Elisabeths (Lisbeth, Elise) Eltern waren der Scherenschleifer und Schirmmacher Konrad Hilbert (1870-1945) aus Carlsberg bei Frankenthal in der Pfalz und Anna Reinhardt (Jg.1882) aus Killstedt bei Straßburg, die 1910 in Ludwigshafen geheiratet hatten. Die Eltern waren im Februar 1914 in Würzburg zugezogen und sesshaft geworden. Vor Elisabeth waren die Brüder Anton (Jg.1899) und Nikolaus (1901-1941) an verschiedenen Orten der Pfalz geboren worden. 1909 kam Bruder Christian zur Welt, danach die Schwester Katharina (Jg.1911) und später in Würzburg Margarete (Jg.1914), Wilhelmine (1915-1944), Georg (1918-1943), Michael (Jg.1921) und Fritz (Jg. 1926). Ihre Eltern hatten 24 Kinder, von denen 1940 noch 11 gelebt hatten.
Elisabeth heiratete am 17. Juni 1922 Karl Winterstein (1896-1944) und wohnte mit ihm am Pleidenturm 6, der gleichen Adresse, an der auch ihre Familie wohnte. Ihr Mann, gelernter Korbmacher wie Elisabeths Großvater mütterlicherseits, war nach dem 1. Weltkrieg sesshaft geworden. Er arbeitete als Heizer auf dem Flugplatz am Galgenberg bis zu seiner Entlassung aus rassischen Gründen 1942.
In den Jahren 1924 bzw. 1925 kamen die beiden Töchter Anneliese und Eleonore zur Welt. Nachdem die Tochter Anneliese nach der Geburt ihres Sohnes Karl-Heinz im Juni 1940 einige Zeit in einem Mädchenheim bei Nürnberg verbringen musste, hat sich Elisabeth sicher um ihren Enkel gekümmert. Der zweite Sohn von Anneliese wurde im September 1943 geboren und schon vorher im März des Jahres Eleonores Tochter Gisela.
Am 16. März 1944 wurde Elisabeth Winterstein mit ihrer gesamten Familie nach Auschwitz deportiert. Die drei Enkel wurden sehr bald Opfer der katastrophalen Lebensbedingungen, auch ihr Mann Karl starb schon bald nach der Deportation im April. Die Tochter Anneliese wählte den Tod, als sie erfuhr, dass sie für das Lagerbordell vorgesehen war.
Das Todesdatum von Elisabeth Winterstein ist im Häftlingsbuch von Auschwitz nicht eingetragen.
Nur die Tochter Eleonore überlebte Auschwitz und Ravensbrück. Auch Elisabeths Schwestern Wilhelmine Heimann und Margarete Hans war im „Zigeunerlager“ gelandet. Tochter und Schwester Margarete waren vom Zigeunerlager Auschwitz im Mai 1944 noch weiter nach Ravensbrück deportiert worden. Dort wurden sie vermutlich beide Opfer von Sterilisationen, konnten aber überleben und im Sommer 1945 nach Würzburg zurückkehren. Wilhelmine starb ebenso wie ihre 5 kleinen Kinder. Elisabeths Bruder Nikolaus wurde Opfer auch politischer Verfolgung und starb nach Aufenthalt in verschiedenen KZs in Hartheim/Österreich.
Biographie erstellt Januar 2010, überarbeitet Juni 2016
   
Quelle Roland Flade, Dieselben Augen dieselbe Seele. Theresia Winterstein und die Verfolgung einer Würzburger Familie im "Dritten Reich". Würzburg, 2008 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Bd.14);
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakten 1521, 1523 von Konrad und Nikolaus Hilbert;
Stadtarchiv Würzburg, Adressbücher 1914-1942, Einwohnermeldekarte von Konrad Hilbert;
Hauptbuch des Zigeunerlagers (Frauen) Auschwitz, S. 649 f, S. 277 (m).
Autorin / Autor NN, Ingrid Sontag
Paten Frau Helia Zugelder
   
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