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Arnold Heinemann

   
geboren am 11.12.1876 in Poppenlauer/Ufr.
Straße  Augustinerstraße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum27.11.1941
Todesdatumunbekannt
TodesortRiga
   
deportiert am 27.11.1941 nach Riga und vermutlich dort ermordet
   
Arnold Heinemann wurde am 11.12.1876 in Poppenlauer bei Bad Kissingen geboren. Über seine Kindheit, den schulischen Werdegang und seine Ausbildung ist nichts bekannt, später wurde er Kaufmann. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Soldat und erhielt dafür noch 1934 das Ehrenkreuz für Frontkämpfer. Seine erste Ehe mit Bertha, geb. Stern (1892-1922), endete mit deren frühem Tod im Wochenbett. Der Säugling, die Tochter Berta (1922-1941/44), bekam den Namen der Mutter.
Nach seiner zweiten Heirat 1924 in Darmstadt lebte Arnold Heinemann mit seiner Frau Frieda, geb. Wolff (1893-1941/44), in Poppenlauer. Ihre beiden Kinder Kurt und Inge wurden 1925 und 1926 in Würzburg, vermutlich im Israelitischen Krankenhaus, geboren. Auch die kleine Berta gehörte mit zur Familie. Im August 1929 zog die Familie dann von Poppenlauer nach Würzburg in die Augustinerstraße 4. Arnold Heinemann eröffnete einen Großhandel für Tabakfabrikate in der Domstraße 22 mit Lager und Büro. Der Erfolg in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit blieb wohl aus, so dass Heinemann seit 1932 sein Geld als Vertreter verdienen musste.
Seit 1938 bemühte er sich für seine Familie um die Genehmigung zur Ausreise und um Visa für die USA. Er erhielt vom amerikanischen Konsulat in Stuttgart am 30.8.1938 eine Nummer zugewiesen, die wohl so hoch war, dass sein Fall nicht mehr rechtzeitig bearbeitet werden konnte. Arnold Heinemann ließ jedoch nicht locker. Noch im Herbst 1941 sind Bemühungen um eine Ausreise nach Kuba nachzuweisen. Erfolg war ihm aber auch dabei nicht beschieden.
Während die Töchter in der NS-Zeit in den Würzburger Altersheimen arbeiteten, wurde der Sohn Kurt zur Zwangsarbeit herangezogen. Auch Arnold Heinemann war seit dem 18.3.1940 als Zwangsarbeiter beim städtischen Tiefbauamt tätig. Ein Jahr später, im Juni 1941 musste die Familie ihre Wohnung verlassen und in das „Judenhaus“ in der Bibrastr. 17 ziehen. Gemeinsam mit seiner Familie wurde er von dort am 27.11.1941 über Nürnberg nach Riga-Jungfernhof deportiert. Bis auf den Sohn, der noch bis 1944/45 lebte, kam die ganze Familie aufgrund der unsäglichen Lebensbedingungen im Lager oder bei den Massenerschießungen im Wald von Bikernieki wahrscheinlich im Winter 1941/42, spätestens aber bis 1944 im Raum Riga ums Leben. Genaue Daten hierfür gibt es nicht.
   
Quelle Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 249;
Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 833;
Würzburger Wohnungsbuch Nr. 33 (1930), S. 58, 196;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856117, (31.05.2016);
Yad Vashem – The Central Database of Shoa Victims’ Names, Gedenkblatt http://yvng.yadvashem.org/nameDetails.html?language=en&s_lastName=Heinemann&s_firstName=Arnold&s_place=&itemId=1071315&ind=0&winId=5988483898196368859 (31.05.2016);
Deportation der jüdischen Bevölkerung aus Bezirksstelle Bayern. Nürnberg-Würzburg nach Riga, Abfahrtsdatum: 29.11.41, http://www.statistik-des-holocaust.de/OT411129-Wuerzburg3.jpg (31.05.2016);
Klaus Bub, Dokumentation des Friedhofs Maßbach auf Alemannia Judaica, http://www.alemannia-judaica.de/massbach_friedhof.htm (03.06.2016);
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (I), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 66 (2014), S. 239-286, hier S. 267-270.
Elmar Schwinger, Deportation, Durchgangslager, Völkermord. Der Exodus der mainfränkischen Juden 1941-1944 (Teil 2), in: Mainfränkisches Jahrbuch für Geschichte und Kunst 67 (2015), S. 275-294, hier S. 276-283.
Andrej Angrick/ Peter Klein, Die „Endlösung“ in Riga. Ausbeutung und Vernichtung 1941-1944, Darmstadt 2006, S. 214-226, 342-345.
Margers Vestermanis, Über die Gedenkstätte der Naziopfer im Wald von Bikernieki, Riga, und zur Geschichte dieses Ortes, in: Lettischer Bote 175 (2010), übersetzt von Martin Grahl, http://www.volksbund.de/partner/deutsches-riga-komitee/ueber-die-gedenkstaette-der-naziopfer-im-wald-von-bikernieki.html (17.01.2016).
Autorin / Autor N.N. / Riccardo Altieri
Paten Die Stadtreiniger Würzburg, Umweltreferent der Stadt Würzburg , Herr Christian Strohalm
   
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