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Rosa Freudenberger, geb. Frankenfelder

   
geboren am 02.08.1872 in Würzburg-Heidingsfeld
Straße  Augustinerstraße 4
Stadtteil Altstadt
Deportationsdatum23.09.1942
Todesdatum00.10.1944
TodesortAuschwitz
   
am 23.09.1942 nach Theresienstadt deportiert, im Oktober 1944 nach Auschwitz und vermutlich dort ermordet
   
Rosa Frankenfelder entstammte einer alteingesessen jüdischen Familie in Heidingsfeld. Ihre Eltern Jeremias (1846-1914) und Therese geb. Bein (1850-1926) hatten nach ihr noch sieben weitere Kinder: Der älteste Sohn Emil (Jg.1874), Ricka Strauss (Jg.1876), Sofie Mayer (1877-1941), Selma Frank (Jg.1880), und die jüngeren Brüder Raphael (Jg.1884), Adolf (1886-1940) und Alfred (Jg.1888).
Rosa Freudenberger war seit etwa 1900 die Ehefrau von Felix Freudenberger, der als Politiker, Magistratsrat und für eine Wahlperiode 4. Bürgermeister in den Jahren 1912-1927 eine wichtige Rolle in der Würzburger Stadtgeschichte spielte. Nicht zuletzt seinem mäßigenden Auftreten im Arbeiter- und Soldatenrat 1918/19 war es zu verdanken, dass der Umsturz vom November 1918 in Würzburg friedlich und in geordneten Bahnen verlief.
In Würzburg erinnert man sich an Felix Freudenberger als eines bedeutenden Sozialdemokraten, der sich insbesondere in Schul- und Bildungsfragen, z.B. als Mitbegründer der Volkshochschule, engagierte.
Das Ehepaar wohnte seit der Heirat in der Augustinerstraße 4, wo sich auch ihre Buchhandlung befand. Rosa Freudenberger führte diese weitestgehend in eigener Verantwortung. Nach dem Tod des Ehemanns 1927 war sie deren alleinige Inhaberin. Die Tochter Sophie kam im Februar 1901 zur Welt und heiratete 1925 den Rechtsanwalt Werner Fischl. Die Ehe wurde geschieden. Sophie emigrierte 1939 von Berlin aus nach London. Dort wurde sie 1941 die Frau des Würzburgers Hans Ulrich Meyer (1913-1981), der den Namen Peter S. Morton angenommen hatte.
Am 23. September 1942 wurde die damals 70-jährige Rosa Freudenberger nach Theresienstadt deportiert. Im Oktober 1944 erfolgte der Transport nach Auschwitz, wo sie gemäß dem Gedenkbuch des Bundesarchivs "verschollen" ist.
Ihre Geschwister Emil, Selma, und Raphael wurden mit ihren Ehepartnern Opfer der Shoa. Adolf und Sofie starben Anfang der 40er Jahre, Alfred überlebte. Über das Schicksal von Ricka ist nichts bekannt.
Biographie erstellt Juli 2006, ergänzt Oktober 2017
   
Quelle Staatsarchiv Würzburg, Gestapoakte 164;
Reiner Strätz, Biographisches Handbuch Würzburger Juden 1900-1945, Würzburg 1989, T. 1, S. 173, 396;
H.-W. Löw / K. Schönhoven, Würzburgs Sozialdemokraten 1868-1978, Würzburg 1978;
Gedenkbuch Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933-1945, http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de869233 (19.05.2016);
Datenbank der Holocaust Opfer aus den böhmischen Ländern und von Häftlingen im Theresienstädter Ghetto aus Europa, http://www.holocaust.cz/de/opferdatenbank/opfer/10914-rosa-freudenberger/ (19.05.2016);
Stadtarchiv Würzburg, Grundliste Augustinerstraße 4;
Biografische Datenbank Jüdisches Unterfranken, Informationen zu Emil Frankenfelder und seine Angehörigen, http://www.historisches-unterfranken.uni-wuerzburg.de (29.10.2017); Angaben zu den im Text erwähnten Angehörigen, die Opfer der Shoa wurden, finden sich im Namensverzeichnis des Gedenkbuchs;
Benno Nietzel, Handeln und Überleben: Jüdische Unternehmer aus Frankfurt am Main 1924–1964, S. 321; https://books.google.de/books?id=ffDb0gWj8SoC&pg=PA320&lpg=PA320&dq=Alfred+Frankenfelder (15.10.2017).
Autorin / Autor Hans-Peter Baum, Ingrid Sontag
Paten Die Volkshochschule Würzburg e.V.
   
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